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Orrrrrr.

Boah. Ich habe es ja auch erst gefühlte zwei Milliarden Mal hier erwähnt, aber mir geht die Organisation unserer Klinik sooo auf den Senkel! Das muss ich gerade mal hier rauslassen.

Man kann ihnen Emails schreiben oder dort anrufen. Da ich gern Dokumente per Mail sende und man beim Anrufen auch beizeiten nur schlecht durchkommt, maile ich gern. Das Problem ist, dass sie bei Emails unfassbar unorganisiert und unempathisch antworten.

Schreibe ich also eine Email, in der steht:

„Hallo, wir möchten mit der ICSI anfangen, welche Werte brauchen Sie noch neu von mir, wie alt dürfen die Ergebnisse sein, und benötigen Sie auch noch irgendwas von meinem Mann?“

Dann lautet die Antwort:

„Hallo, wir benötigen von Ihnen noch TSH, Krebsvorsorge und einen HIV-/Hepatitis-Test. MfG, Ihre Klinik“

Das wiederum führt dann natürlich zu drei Nachfrage-Emails, einfach stumpf, weil sie nicht konzentriert antworten. Das unterstelle ich jedenfalls. Die Info, dass die Werte maximal ein Jahr alt sein dürfen, hätte man durchaus in die Email reinpacken können, ohne groß irgendwas nachgucken zu müssen. Im Prinzip wusste ja sogar ICH das schon, und die werden das erst Recht aus dem Effeff wissen. Und dass sie wegen meines Mannes nachgucken müssen, ist ja auch nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Jedenfalls dachte ich, dieses Mal bin ich schlauer und rufe an. Da sind sie immer superfreundlich, bemüht, haben alle Zeit der Welt und sind empathisch und hilfreich. Ist halt nur immer schwierig, weil ich ja während meiner Arbeitszeit anrufen muss. Tja, schade, dass dieses Mal die Mitarbeiterin nur 2 meiner 3 Fragen beantworten konnte. „Schreiben Sie doch dazu bitte eine Email…“ 😉 Mir war schon klar, dass das nur so halbwegs funktioniert. Da kann ich noch so detailliert nachfragen! Das regt mich tiiiierisch auf, dass man ihnen alles aus der Nase ziehen muss!

Momentan: Die Krebsvorsorge (sollte von meiner FA-Praxis gefaxt werden) fehlte noch, sonst war alles da. Ich habe dann heute noch mal nachgehakt, ob das Fax jetzt da war, sonst hätte ich noch mal in der Paxis gefragt. Ja, das Fax ist angekommen. Punkt Ende Aus. Mehr Infos gibt es nicht. Ich kann mir jetzt natürlich denken, dass ich jetzt das Pillenrezept vermutlich per Post bekomme. Und dann vermute ich, dass ich die Pille im nächsten Zyklus nehme (keine Ahnung, ab dem wie vielten Tag – ab dem ersten? später?). Aber ey. DREI SÄTZE DAZUSCHREIBEN, wie es weitergeht, kann ja wohl nicht so schwer sein.

Ich muss im Beruf auch Kunden schreiben, und wenn der Kunde eine Frage hat, beantworte ich die und schreibe dazu, wie es jetzt weitergeht. (Ist meine Zahlung angekommen? – Ja, die Bestellung wird dann und dann versendet, Sie können dann und dann mit der Lieferung rechnen. Ich schreibe nicht einfach nur JA IST ANGEKOMMEN MFG!) Kundenservice, ey!

Tja. Mal sehen, ob das Rezept in den nächsten Tagen in meinem Briefkasten liegt (oder in welchem Briefkasten auch immer es dieses Mal landet). Dann rufe ich noch mal da an und hole mir ganz genaue Baby-Schritt-für-Schritt-Anweisungen ab. Vielleicht hab ich mich bis dahin etwas abgeregt.

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Es geht voran.

Langsam, aber sicher bewegen wir uns nun tatsächlich auf unsere erste ICSI zu. Ist das zu fassen? Der genehmigte Behandlungsplan von der Krankenkasse war letzte Woche im Briefkasten. Da ich ja schon wusste, was darin steht, habe ich den Brief erst einmal gar nicht aufgemacht, weil ich es eilig hatte. Am nächsten Tag bin ich dann endlich dazu gekommen, öffnete den Umschlag, überflog den Brief und rief – in Anwesenheit eines Freundes, der zu Besuch war – nur ein lautes „Alter!“ aus. Da stand dort doch tatsächlich folgendes:

Insgesamt übernehmen wir bis zu 100% der Gesamtkosten.

Woah! Glücklicherweise war unser Freund in die ganze Geschichte bereits eingeweiht, so dass ich direkt lossprudeln konnte. Eine kurze Zusammenfassung unserer Krankenkassen-Geschichte: Ursprünglich sind wir Mitglied dort geworden, da sie 100% für 3 Behandlungen übernommen hätten. Als es bei uns dann allerdings endlich losging, war in der Zwischenzeit die Satzung geändert worden und es waren nur noch 75%! Ich handelte dennoch 100% für unsere IUIs aus, die sich allerdings ja finanziell stark im Rahmen halten (die Rechnungen, die ich an die Krankenkasse weiterleitete, betrugen hier insgesamt nur um die 100-200 Euro). Bei der IVF waren es dann 75%, die übernommen wurden. Somit mussten wir ungefähr 700 Euro selber tragen. Und bei der ICSI ist es ja noch mal eine Nummer teurer, denke ich. Ich weiß nicht, weshalb hier nun 100% steht, aber ich freue mich natürlich und hoffe, es ist kein Fehler. Und wenn es einer ist, hoffe ich, dass sie ihn nicht zurücknehmen können. 😀

Ansonsten bin ich soweit startklar: TSH-Wert im Rahmen, HIV- und Hepatitis-Werte eingeholt (natürlich negativ), Krebsvorsorge rüberfaxen lassen. Mein Mann hat noch einen Termin in der Andrologie, der erst in 14 Tagen ist, aber ich kann hoffentlich schon vorher mit der Pille anfangen (mein Zyklus sollte in ca. anderthalb Wochen beginnen), um nicht noch mehr Zeit zu verschenken. Und dann? Geht’s los ins große Abenteuer!

Alle Zweifel und Überlegungen habe ich erst einmal beiseite geschoben. Ich bin bereit! Ich bin aufgeregt! Ich bin optimistisch!

Mit dem Erzählen bin ich dieses Mal irgendwie ganz komisch. Freunden, mit denen ich nicht sooo eng befreundet bin, habe ich es erzählt. Aber der Familie und den besten Freunden nicht. Ich weiß nicht, ob ich ihre Hoffnungen nicht so doll wecken möchte oder ob ich nicht so viel darüber reden möchte und lieber meine Ruhe habe. Wenn mein Mann es erzählen will, darf er das auch ruhig tun. Aber ich bin ganz froh, dass kein Gewese drum gemacht wird irgendwie. Erzählen werden wir es schon früh genug. Ich glaube nicht, dass wir es durchhalten, komplett nichts zu sagen und quasi erst eine Schwangerschaft bekanntzugeben. Das wird sehr viel früher erzählt werden. 🙂

Geht’s jetzt endlich los? (Anderthalb Wochen erscheinen mir jetzt wie eine Ewigkeit. Es wird auch nicht besser mit der Geduld, egal wie viel man schon gewartet hat, oder? 😀 )

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Organisieren, planen, vorbereiten.

Heute ist Montag. Donnerstag habe ich die Info bekommen, dass die ICSI genehmigt ist. Seither bin ich beschäftigt.

Die Kinderwunschklinik teilte mir mit, welche Werte sie benötigen: TSH, Krebsvorsorge, HIV, Hepatitis B und C. TSH und Krebsvorsorge habe ich noch im Januar gemacht, die anderen brauchte ich neu. Also war ich heute früh beim Hausarzt zur Blutabnahme. Prompt hat die Dame dort vergessen, mich für diese Igel-Leistung (ja ich weiß, dass das sprachlich doppelt gemoppelt ist) unterschreiben zu lassen, also muss ich noch mal hin. Dann muss ich noch zum Frauenarzt fahren, eine Überweisung und die Werte der Krebsvorsorge holen (das mache ich aber wohl erst im Oktober, sonst ist die Überweisung etwas überflüssig).

Mein Mann benötigt ein neues Spermiogramm, dafür hat er aber erst am 12. Oktober einen Termin bekommen.

Und ich? Bin gestresst hoch zehn, weil ich dauernd an alles denken muss. Dabei ist es objektiv betrachtet gar nicht so viel.

Aber auch die mangelnde Planbarkeit lässt meinen Blutdruck hochschnellen. Wann geht’s genau los, wie geht’s los, passt das alles mit meinem Kurztrip im November, mit dem Urlaub des Kollegen? Ich hätte gern jetzt schon feste Daten, obwohl ich weiß, dass das nicht geht.

Ich bin nicht, wie sonst oft, voller Tatendrang und Motivation, die Punkte auf der Liste abzuhaken, sondern fühle mich völlig erschlagen. Dabei sollte ich doch froh sein, dass es jetzt weitergeht. Jedenfalls merke ich ziemlich gut, dass das Kinderwunsch-Thema mich stark belastet. Und damit meine ich nicht den Kinderwunsch an sich, sondern das ganze Drumherum. Ich werde, ganz ungeachtet des Ergebnisses, SO unfassbar froh sein, wenn der Zirkus ein Ende hat.

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Und? Wann kommt der Nachwuchs? – Kinderlosigkeit in der Gesellschaft

Heute spülte mir Facebook einen Artikel aus der Zeit in die Timeline: „Warum gilt es als Abweichung, dass ich keine Kinder habe?“* Darin wird Frau Schehl, eine 44jährige Unternehmerin, interviewt, die keine Kinder hat – und auch nie welche wollte.  Damit unterscheidet sich, obwohl nach außen hin ähnlich, ihre Situation stark von der, in der wir in unserer kleinen Kinderwunsch-Filterblase hier stecken. Dennoch denke ich, dass man von außen durchaus ähnlich wahrgenommen wird, zumal viele von uns nicht öffentlich über die konkreten Gründe ihrer Kinderlosigkeit sprechen. Tabus und so… Daher lese ich solche Artikel eigentlich immer gern – es ist interessant, über ein kinderfreies Leben zu lesen, macht mir teilweise Mut und natürlich finde ich es auch wichtig, das Thema in den Medien präsent zu haben und zu zeigen, dass es eben nicht nur das Leben mit Kindern gibt.

Natürlich ist es dabei nicht unwichtig, zwischen gewollter und ungewollter Kinderlosigkeit zu unterscheiden. Letzten Endes leiden wir alle unter der Gesellschaft und ihren Fragen und Erwartungen. Auf der einen Seite die, die wollen, aber nicht können; meist bekommen wir Verständnis, wenn wir das „offenlegen“, aber auch jede Menge überflüssiger Ratschläge, Unterstellungen, Halbwissen und – das mag ich persönlich auch nicht wirklich gern – Mitleid („Du Arme, das könnte ich nicht“). Die gewollt Kinderlosen bekommen hingegen Vorwürfe (Egoismus, Karriere-Geilheit, und natürlich die Unterstellung, dass sie es sich sicherlich noch anders überlegen werden, sofern sie noch jung genug sind). Beiden Gruppen gleich die Erfahrung: Nicht mitreden zu können und immer wieder zu hören „Das versteht man nur, wenn man Kinder hat“, „Dazu kannst du nichts sagen“ bzw. in seiner Meinung nicht ernst genommen werden (dazu hat Helge mal einen tollen Post geschrieben), „So eine Liebe können nur Eltern fühlen“, „Erst mit Kindern ist das Leben komplett“ oder auch „Ohne Kinder bist du keine richtige Frau“ (WTF?!). Die Haustiere werden als Kinder-Ersatz betrachtet (als ob Eltern mit Kindern keine Tiere hätten?) und das wird lächerlich gemacht; und selbstverständlich ist man als Paar ohne Kinder auch niemals eine Familie, sondern immer nur ein Paar.

Besonders schön finde ich das Zitat aus diesem Artikel (aus der Huffington Post, leider schlecht übersetzt), in dem es um Dinge geht, die kinderlose Frauen – egal aus welchem Grund – Menschen mit Kindern sagen möchten:

Wenn ich herausfinde, dass jemand Kinder hat, frage ich auch nicht ‚Warum?‘

Ich glaube, das probiere ich beim nächsten Mal aus. Wenn jemand fragt, warum ich keine Kinder habe, frage ich zurück: „Und? Warum hast du welche?“ Das wird nämlich nie in Frage gestellt. Dass Frauen Kinder wollen (und haben!), ist der Normalzustand. So ein Blödsinn. Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass kein Kinderwunsch so sehr durchdacht ist wie der unerfüllte. Die Frau, die keine Kinder möchte, hat sicherlich darüber nachgedacht und sich bewusst entschieden – schließlich wird sie, siehe oben, oft genug damit konfrontiert. Die Frau, die Kinder möchte, aber nicht „automatisch“ bekommt, wird ebenfalls darüber nachgedacht haben. Wie oft lese ich, wie wir uns mit Entscheidungen herumquälen. Noch eine Behandlung oder nicht? Adoption oder nicht? Wohingegen viele Menschen Kinder bekommen, „weil es halt dazugehört“. Und ohne groß einen Grund dafür zu haben. Müssen die sich rechtfertigen? Nein. (Ab einer bestimmten Anzahl Kinder dann doch wieder… Aber das ist eine andere Geschichte.)

Immerhin: Es gibt auch Gebiete, wo mich niemand aufs Thema Kinder anspricht. Im Büro zum Beispiel. Hier habe ich exakt eine Kollegin, die Kinder hat. Die übrigen 5 im Team sind ebenfalls kinderlos. Männer wie Frauen, jüngere wie ältere Menschen. Die Gründe dafür kenne ich nicht – ich würde auch niemals danach fragen. Dafür würde ich auch nie von der Kinderwunschbehandlung erzählen, solange diese nicht abgeschlossen ist. Schließlich gehört das Kinderkriegen in der Gesellschaft dazu – außer beim Arbeitgeber, wo es nicht gern gesehen wird und man diesbezügliche Planungen lieber geheimhält, bis es geklappt hat. Schon irgendwie schizophren, oder?


* Kleiner Disclaimer: Beinahe hätte ich den Artikel nicht zu Ende gelesen, nämlich als ich an diesem Satz vorbeikam, den ich sehr verletztend formuliert fand: „Ja, du bist gerührt, dir gibt das was, aber du setzt dich dann wieder hin und führst eine Unterhaltung weiter, du bist nicht bitter und rennst in eine Hormontherapie.“ Muss man jetzt echt die beiden Arten von Kinderlosigkeit gegeneinander ausspielen? Wir sind nicht alle verbittert und „rennen in eine Hormontherapie“, WTF?

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Oh. Mein. Gott.

Nachmittags im Büro schaue ich aufs Handy: ein verpasster Anruf. Die AOK, Herr D. Ich habe ihn mittlerweile mit Vor- und Nachnamen im Handy gespeichert. Eigentlich will ich zurückrufen, aber da macht mein Körper merkwürdige Dinge: Er verfällt in Panik. Mein Bauch kribbelt, meine Knie sind zittrig, mir ist schlecht. Ich habe astreines, einwandfreies Original-Lampenfieber, als müsste ich gleich vor tausend Menschen sprechen, hätte ein Bewerbungsgespräch, oder wäre zum Chef zitiert worden, der mich feuern will. Ich bin unfassbar nervös. Ähm. Was ist denn hier los? Mein Post darüber, wie distanziert, cool, entspannt ich bin, ist doch erst ein paar Tage her.

Aber okay, ich war also aufgeregt, aber ich habe natürlich trotzdem zurückgerufen. Herr D. holte weit aus. Er erzählte und erzählte und erzählte, und irgendwann sagte er, er hätte jetzt das Gutachten zugefaxt bekommen, und dann erzählte und erzählte und erzählte er weiter und da wusste ich eigentlich schon (man kennt sich inzwischen ja auch ein bisschen): Es ist genehmigt. Sonst hätte er das nicht so spannend gemacht, sondern etwas empathischer vermittelt. Guter Typ, der Herr D.! 🙂 Er war fast genauso aufgeregt wie ich und meinte: „Als das Fax hier ankam, war das wie früher, wenn man eine Klassenarbeit zurückbekommen hat und nicht wusste, wie das Ergebnis ist. Und ich habe vor dem Gerät gestanden und war so aufgeregt, dass meine Kollegen mich schon fast ausgelacht hätten.“ 😉 Süß!

Also, nach neun Monaten nun die offizielle Ansage der AOK und vor allem halt des MdK: Es werden ZWEI ICSI-BEHANDLUNGEN GENEHMIGT!!! Ich bin gespannt, ob sie zu 50% oder zu 75% übernommen werden, aber heute ist mir das erst einmal völlig wurscht.

Wir hatten natürlich das riesige Glück, dass mitten während unseres Widerspruchs die Richtlinien der Krankenkasse geändert wurden. Aber hey, wir versuchen seit einem halben Jahrzehnt (WTF?!), ein Kind zu bekommen. Da kann man auch mal Glück haben!

Ich bin jetzt sehr aufgeregt, erzähle es allen Menschen, die mir einfallen (VIELLEICHT habe ich sogar meiner Therapeutin eine aufgeregte Email geschrieben, aber das würde ich natürlich nie zugeben), habe mittlerweile aufgehört, zu weinen und zu hyperventilieren und mit den Händen zu flattern, aber hibbelig bin ich immer noch extremst und auf die Arbeit konzentriere ich mich heute sicherlich nicht mehr.

Schon fliegen meine Gedanken zu organisatorischen Themen: Wann kann es losgehen (frühstens in drei Wochen geht mein nächster Zyklus los, dann einen Pillen-Zyklus, ach ach ach, ICSI dauert ja vermutlich ebenso lang wie die IVF, also gefühlte E-wig-kei-ten), was liegt in der Zeit an (zu viel! Gestern erst habe ich die Bahntickets für den Besuch bei einer Freundin gekauft, mein Kollege hat bald Urlaub, so dass ich morgens früher im Büro sein muss, was den morgendlichen Klinikbesuchen im Weg stünde, ach ach ach, ich rotiere schon wieder), was muss ich jetzt tun (der Klinik schreiben, das war’s erst einmal denke ich)…

Jetzt muss ich mir noch klarmachen, dass eine genehmigte ICSI bei weitem nicht bedeutet, dass wir quasi schon ein Kind in den Armen halten. Der Weg ist noch lang. Und er kann immer noch so enden, dass sich letzten Endes für uns gar nichts ändert. Und das wäre auch okay. Aber vielleicht ändert sich alles. Und das wäre auch okay. Mehr als okay.

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Therapie-Talk (ein Kinderwunsch-Offtopic-Post)

Mittlerweile habe ich nur noch alle zwei Monate einen Termin mit der Therapeutin. Das reicht völlig, denn vorher frage ich mich immer, worüber um alles in der Welt ich mit ihr reden soll. Diese Woche waren wir nach fünfzehn Minuten mit allen Themen erst mal durch. Mir geht es gut – ich denke, dass kam im letzten Beitrag hier auch gut rüber. Dennoch werde ich die verbliebenen sechs Termine wahrnehmen. Es tut mir trotzdem noch gut, mit ihr zu reden – ich hole mir etwas Lob ab und bekomme trotz allem immer noch Anstöße oder auch einfach mal Bestätigung, was auch viel wert ist.

Diese Woche habe ich dann noch mal meine berufliche Situation angesprochen… Auf Dauer muss sich da wirklich mal etwas tun. Ich fühle mich unterfordert – das führt dazu, dass ich meine Arbeit nicht ordentlich mache. Weil ich weiß, dass ich für einen 8-Stunden-Tag womöglich nur 2 Stunden Arbeit habe, fange ich gar nicht erst an, sondern surfe gleich erst mal sinnlos im Internet herum und verschwende meine Zeit. Die zwei Stunden Arbeit reiße ich dann unmotiviert runter, irgendwann später. Die Folge sind Flüchtigkeitsfehler, unnötige Wartezeiten für andere (ich KÖNNTE die Mail natürlich direkt morgens beantworten statt um 15 Uhr). Außerdem ist der Job nicht sonderlich gut bezahlt (er ist jetzt auch nicht waaaahnsinnig schlecht bezahlt, aber naja, etwas mehr könnte es schon sein), was mir allerdings nicht so wichtig wäre, wäre es ansonsten perfekt.

Dass ich nicht mein Leben hier verbringen werde, ist mir schon klar. Ich weiß auch nicht, was mit der Firma eines Tages passiert, wenn mein Chef zu alt ist (er ist ja jetzt schon Mitte 60). Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, in zehn Jahren noch hier zu sitzen und meine Lebenszeit zu verschwenden. Aber wer weiß. Die ersten fünf-sechs Jahre sind ja auch einfach so verflogen.

Da die Arbeit nicht schlimm ist, höchstens etwas öde, ich außerdem nette Kollegen habe und hervorragende Arbeitsbedingungen (höchste Flexibilität, unbefristete Stelle), ist der Leidensdruck nicht besonders hoch. Die Therapeutin sprach etwas flapsig von einem Luxusproblem, was sicherlich auch der Fall ist, denn es stört mich nur, wenn sonst alles gut läuft. 😉 Mein Problem ist: Ich habe keine Ahnung, was ich machen möchte. Da fühle ich mich auch mit Mitte 30 noch nicht schlauer als mit Anfang 20. Ist das nicht fürchterlich? Heute habe ich mal ein bisschen gegoogelt, ein bisschen Stellenanzeigen gelesen, ein bisschen Fortbildungsmöglichkeiten angeschaut. Das hat mich allerdings dann direkt ziemlich gestresst. Es gibt ja nichts schlimmeres als Bewerbungen.

Ich bewundere Menschen, die genau wissen, was sie tun wollen, oder glücklich in ihrem Job sind… Ich bin da zumeist indifferent und mache halt, was gemacht werden muss. Vermutlich ist es gar nicht schlimm, dass die Arbeit nicht mein Lebenszweck ist – auch die Therapeutin sagte, es sei völlig ok, wenn ich erst mal hier bleibe, da ich ja nicht unglücklich bin. Aber ey. Was macht man denn da?!

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Ein Lebenszeichen.

Ich lebe noch.

Im Blog ist nichts mehr passiert seit Anfang Juli, also immerhin rund zwei Monaten. Der Grund? Auch sonst ist nichts passiert, was das Thema dieses Blogs berühren würde.

Nun beginnt der Herbst, es ist September. Eine Zeit, in der ich immer nachdenklich, ruhig, vielleicht melancholisch werde. Ich mag den Herbst sehr (wobei das eigentlich für alle Jahreszeiten außer den Winter gilt).

Im Januar wollten wir mit der ICSI beginnen, nun ist es also September. Und wir warten. Es fühlt sich alles sehr unwirklich an, sehr weit weg. Der Kinderwunsch ist nicht mehr so präsent, ich habe das hier schon gelegentlich angedeutet. Wir leben unser Leben und wir gestalten es so, wie es uns glücklich macht. So entrümple ich meine Wohnung nach Konmari, und mein Mann und ich bauen gemeinsam Dinge, auf die wir anschließend sehr stolz sind, wir kochen neue Gerichte und verbringen Zeit mit unserer Familie inklusive Nichten und Neffen. Es ist schön, unser gemeinsames Leben.

Mittags gehe ich mit dem Bürohund spazieren und frage mich, ob wir uns auch einen Hund anschaffen sollen. Ich höre Podcasts darüber, wie man glücklicher wird, und lese wieder mehr, und habe Lust, zu schreiben, zu wandern, zu gestalten.

Ich bin völlig tiefenentspannt. Der Theorie so vieler überflüssiger Ratschläge nach müsste ich als jetzt quasi ganz von selbst schwanger werden. Womöglich sogar ohne Sex. So viel Entspannung! Ab und an, zur entsprechenden Zeit im Monat, kommt in mir tatsächlich irgendwo der Gedanke „Oh, vielleicht hat es ja dieses Mal geklappt“ hervor. Wenn sich dann herausstellt, dass dem nicht der Fall ist (ich teste nie – ich warte geduldig ab, mein Körper ist ja zum Glück recht verlässlich), verzweifle ich nicht, ich weine nicht – ich muss über mich selbst schmunzeln und ein bisschen sanft und liebevoll den Kopf schütteln, dass ich diese Hoffnung immer noch in mir habe. Wie man über ein Kleinkind den Kopf schüttelt, das es halt nicht besser weiß.

Tatsächlich weiß ich gar nicht, was ich mache, wenn der Bescheid der Krankenkasse doch noch irgendwann kommt. Egal, in welche Richtung. Herr D. hat mich vorgestern angerufen, dass er dran ist und Druck macht beim MdK. Ich bin nicht ungeduldig, sondern milde interessiert daran, wie es weitergeht. Ein bisschen so, als hätte es gar nicht so viel mit mir zu tun.

Es ist wohl so weit: Ich kann mir ein Leben mit Kindern so gut vorstellen wie ein Leben ohne Kinder. Der Gedanke, der mich vor wenigen Jahren noch in die Verzweiflung gestürzt hat, ist akzeptiert. Diese Akzeptanz, die mich noch zu Beginn des Jahres so beschäftigt hat – auf einmal war sie einfach da. Das ist verrückt, und es ist schön, und ich bin gespannt, was ich mache, wenn der Bescheid kommt.