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Der Zweifel.

Ich lebe noch! Die Zähne haben sich wieder beruhigt (nun ja – nachdem sie operiert wurden), der Hund ist wieder weg (es hat alles großartig geklappt!) und heute habe ich der Kinderwunschklinik geschrieben und nach ein paar Infos zur Kryo-Behandlung gefragt.

Wie sich das für unsere Kinderwunschklinik gehört, war die Antwort natürlich wieder lächerlich und ging null auf das ein, was ich geschrieben hatte. Telefonisch kam ich auch mal wieder nicht hinter das Besetztzeichen. Ich kenne das ja schon, es hat mich trotzdem aufregt. Ich habe dann eine wütende Antwort geschrieben, die an meinen Mann geschickt und der hat eine höfliche, aber bestimmte Antwort draus gemacht. 😉

Wie dem auch sei. Die Kryo. Die letzte Behandlung. Was tun?

Neulich, als wir beim Tatortschauen auf dem Sofa saßen, hörte ich mich plötzlich zu meinem Mann sagen „blablabla als ich noch Kinder wollte blablabla“. Und ich hörte mir selbst zu und dachte „Was ist hier los?“ Ist mein Kinderwunsch vorbei? Ist er einfach WEG? Was ist das? Was mache ich?! Was???

Ich weiß nicht, was ich möchte. Der Gedanke an eigene Kinder lässt mich nicht mehr glücklich lächeln, sondern ängstlich zusammenzucken. Die Logistik, die Zeit, das Geld, der Job. Was vorher immer Punkte waren, die ich mir rational in den Kopf kloppen musste, um nicht todunglücklich durch die Gegend zu laufen, ist jetzt der Gedankenschwerpunkt.

Ist es unter diesen Umständen überhaupt sinnvoll/richtig, die Kryo-Behandlung durchzuziehen? Muss ich für eine Kinderwunschbehandlung nicht im besten Fall einen 100% sicheren Kinderwunsch haben? Kein „Ach, es ginge auch ohne“? Kein „Ich mache das, weil ich es sonst später eventuell bereuen würde“? Kein „Himmel, der Gedanke an einen positiven Test jagt mir eine Heidenangst ein momentan“?

Ich frage mich wirklich, ob wir die Kryo überhaupt machen sollen. Ob wir sie JETZT machen sollen. Ob wir sie später machen sollen. Ich habe zwei Freundinnen gegenüber erwähnt, dass ich eigentlich zufrieden bin so, wie es jetzt ist, und beide waren erstaunt, dass wir die Kryo trotzdem machen wollen. Aber für mich wäre es ein Abschluss. Die Frage ist halt, was passiert, wenn es kein Abschluss, sondern ein Anfang ist? Bin ich dann glücklich oder nicht?

Meine bisherige Herangehensweise ist es, zu sagen, dass es schon gut werden wird, wenn ich schwanger werde. Wenn wir ein Baby im Arm halten, werden wir es auch lieben. Kann man mit einer neutralen Einstellung an so eine Behandlung gehen? Mit „Wenn es klappt – super, wenn nicht – auch super“? Oder ist das eine Schnapsidee?

Pro Kryo-Behandlung:

  • es wäre ein logischer und sinnvoller Abschluss, hinter den ich guten Gewissens einen Schlussstrich ziehen könnte
  • Möglichkeit: Baby!!! (Oder gar mehrere, woah)

Contra Kryo-Behandlung:

  • Kosten
  • Unsicherheit, Zweifel, Angst bzgl. des Kinderwunschs
  • Zeit

Selten eine weniger hilfreiche Pro-/Contra-Liste gesehen! 😉

Ich habe ähnliche, noch nicht ganz so starke Zweifel bei meiner letzten Sitzung mit der Therapeutin geäußert. Im Mai, ist also schon ein bisschen her. Sie bat mich, aufzuzählen, was gegen ein Kind spricht. „Kosten, Stress, weniger Freiheit, Freizeit, Flexibilität.“ Und was dafür spräche? Da musste ich erst mal überlegen. „Naja, man hat dann ein Kind. Kleine Arme, die sich um einen schlingen und einen lieb haben und ein kleiner Mensch, der Mama zu einem sagt…“ Und dann kamen – wie genau jetzt auch beim Schreiben – Tränen.

Die Therapeutin wies mich darauf hin, dass dies zwar nur ein Argument gewesen wäre (FÜR ein Kind spricht das Argument, dass man dann ein Kind hat – was redet mein Hirn da eigentlich!?), aber dafür auch das einzige, bei dem ich emotional reagiert hätte, bei den Contra-Argumenten eher rational. Tja. Was nehme ich daraus mit? Ich habe keine Ahnung.

Ich sehe schon, es wird Zeit für weitere Gespräche. Mit dem Mann und mit der Therapeutin. Und vielleicht mal mit jemandem, der keine Kinder hat (und haben wird). Ob freiwillig oder unfreiwillig. Aber wen fragt man da, mit dem man offen reden kann?

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Der Sommer.

Der Sommer 2018 glänzt durch große Hitze, Trockenheit und Zahnschmerzen. Zumindest in meinem Leben sind das derzeit die bestimmenden Themen. Neulich hatte ich es schon einmal kurz erwähnt, aber seither ist es immer noch nicht abgehakt. Ich habe zwei wurzelentzündete Zähne, der eine ist jetzt wohl okay, der andere zickt weiter rum. Es wird wohl auf eine zweite Wurzelspitzenresektion hinauslaufen, vermute ich, auch wenn meine Zahnärztin derzeit noch optimistisch ist, das sei eher nicht notwendig. Seit Pfingsten, also seit fast drei Monaten (!), habe ich also Zahnschmerzen – natürlich on und off – und das zehrt ganz schön an den Nerven. Und es ist erstaunlich, wie gut man sich plötzlich fühlen kann, wenn man schmerzfrei ist. Der erste Tag nach der ersten Zahn-OP war großartig. Ungefähr alle Viertelstunde grinste ich wie blöd, mein Mann fragte „Was ist los?“ und ich seufzte zufrieden „Mir tut gar nix weh!“

Nun tut aber natürlich doch wieder etwas weh und nachdem wir anderthalb Monate am ersten Zahn herumlaboriert hatten, stellte sich heraus, dass der Zahn daneben genau das gleiche Problem hatte. (Ist ja nicht so, als hätte ich nicht von Anfang an gesagt, dass der auch weh tut, aber okay.)

Jedenfalls wurde es so natürlich nichts mit der Kryo-Behandlung im August, wie ich es eigentlich mal überlegt hatte. Und es ist kein Ende in Sicht. Naja, irgendwie doch. Meiner Erwartung nach warten wir jetzt noch ungefähr eine Woche, dann beschließen wir, dass der zweite Zahn auch operiert werden muss und dann wird das in der Woche danach auch erledigt. Dann ist Ende August. Dann muss noch eine Füllung rein, laut Zahnärztin erst mal eine „normale“ für ein Vierteljahr, bevor man eine richtige Krone macht. Okay, in der Zeit mach ich wohl die Kryo, damit kann ich leben. Aber Anfang September kommt ja dann der Hund, da geht es auch nicht. Also wird es wohl Oktober. Und das ist okay.

Neulich habe ich zum ersten Mal laut ausgesprochen, was mir schon länger im Kopf herumspukt: Es ist okay, wenn es nicht klappt. Und das glaube ich wirklich. Je mehr man sich damit beschäftig, was Elternschaft wirklich bedeutet, desto mehr glaube ich den Statistiken, dass Paare ohne Kinder genauso glücklich oder gar glücklicher sind. Tatsächlich realisierte ich das auf der Terrasse von Freunden, mit denen wir gemeinsam gegrillt hatten. Jetzt sprangen ihre beiden Jungs, 6 und 4 Jahre alt, wie die Vandalen durch den Garten, kletterten überall hoch, schleppten Dinge von A nach B, rannten gefährlich nah am heißen Grill vorbei, brüllten und waren halt das, was sie waren: kleine, wilde, aufgedrehte und fröhliche Kinder. Und ich war sehr froh, dass ich nicht die Person war, deren Garten so aussieht, wie er aussieht; deren Wohnzimmer so aussieht, wie es aussieht; und die jetzt dafür zuständig war, die beiden Wildfänge ins Bett zu bringen. Zumal der Große von den beiden nun in die Schule kommt und die Eltern jetzt schon echt kämpfen, die Ferienzeit zu überbrücken. Und während ich die Gesellschaft gern so einrichten würde, dass das gar kein Problem ist, kann ich das nun mal nicht und es ist, wie es ist.

Die Schwägerin ist Lehrerin – da sind die Ferien natürlich kein Problem, aber dennoch klagt sie dauernd über mangelnde Freizeit, Freiheit, Flexibilität. Und ich glaube ihr das auch vollkommen und möchte nicht behaupten, dass sie zu viel jammert.

Momentan bin ich wirklich auf der Schiene: Kryo machen wir noch, dann ist gut, auch ohne Adoptionsversuch. Ich weiß aber nicht, ob ich eventuell noch mal mit jemandem darüber reden sollte. Jemand mit Kinder und jemand ohne Kinder…

Einen schönen Artikel habe ich übrigens noch hier gefunden: (K)ein Kind macht glücklich in der FAZ.

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Der Hund.

Ich glaube, ich habe hier im Blog noch gar nichts von dem Hund erzählt.

Der Hund ist nicht mein Hund. Er gehört meinem Arbeitskollegen und kommt täglich mit ins Büro. Ich mag den Hund sehr, er ist lieb und verspielt und niedlich. Jeden Mittag gehe ich mit dem Hund spazieren. Er ist quasi mein Mittagshund.

Mein Kollege ist alleinstehend. Lange Zeit hat er seine kranke Mutter daheim gepflegt, vor etwa anderthalb Jahren ist die alte Dame verstorben. Seither hat mein Kollege einiges in seinem Leben verändert, und nun ist es zum ersten Mal seit langer Zeit soweit: Er fährt in den Urlaub. Und der Hund kann nicht mit.

Der Hund weiß noch nichts davon, natürlich. Er würde es ja auch nicht verstehen. Aber weil ich mich bereiterklärt hatte, den Hund aufzunehmen, während der Kollege im Urlaub ist, beschlossen wir: Das muss geübt werden. Und so sollte der Hund für ein Probe-Wochenende zu mir nach Hause kommen.

Ich war so aufgeregt und euphorisch! Wochen vorher konnte ich nicht einschlafen. Ich war begeistert. Ich freute mich auf eine ausgiebige Wanderung im Wald am Samstag. Ich stellte mir vor abends im Bett vor, wie der Hund niedlich zusammengerollt auf dem Sofa mit uns kuschelte. Ich wollte mit dem Hund und meiner Freundin, die ebenfalls einen Hund hat, Gassi gehen. Und natürlich wollte ich den Hund meiner Nichte vorstellen, die Hunde über alles auf der Welt liebt. Es war eine wunderbare Vorstellung. Das würde so ein tolles Wochenende werden!

Dann war es soweit. Der Hund hopste nach der Arbeit bereitwillig zu mir ins Auto. Daheim erkundete er neugierig die neue Umgebung und war auch voller Energie dabei, als wir direkt zum Spaziergang aufbrachen, um uns mit besagter Freundin zu treffen. Leider verpassten wir uns aber. Doch auch der Spaziergang „nur“ mit dem Hund war ja ganz nett. Obwohl es dann auch noch anfing zu regnen.

Abends kam mein Mann nach Hause. Der Hund beschnupperte ihn kurz, war mäßig interessiert. Dem Ball wollte der Hund nicht hinterherlaufen. Wir gingen noch eine Abendrunde, der Mann, der Hund und ich. Auf halber Strecke kotzte der Hund auf die Straße. Vermutlich die Aufregung. Vielleicht.

Wieder zuhause aßen wir zu Abend. Natürlich bekam der Hund auch etwas in seinen extra von zu Hause mitgebrachten Napf. Er schnupperte – und aß nichts. Vermutlich die Aufregung. Vielleicht.

Wir saßen dann gemeinsam auf dem Sofa und sahen fern. Der Hund lag zwischen uns auf einer Wolldecke und war niedlich. Jetzt war es genau, wie ich es mir vorgestellt hatte. Außer, dass ich nicht aufs Klo gehen konnte, ohne dass ich verfolgt wurde. Allein sein – auch wenn mein Mann da war – fand der Hund gruselig. Er folgte mir auf Schritt und Tritt.

Als wir abends ins Bett gingen – natürlich nach einer Abschlussrunde mit dem Hund – war der Hund irritiert. Aufs Bett durfte er nicht. Auf sein Kissen im Wohnzimmer wollte er nicht. Ich holte das Kissen ins Schlafzimmer, das war aber auch nicht besser. Er tappste durch die Wohnung, ich hörte seine Krallen auf den Fliesen: tapp tapp tapp tapp. Ich versuchte zu schlafen. Es ging leidlich, bis ich um 2 Uhr morgens von Hundegebell im Flur geweckt wurde. Selten war ich so schnell wach. Wir sprangen beide aus dem Bett und rannten in den Flur, es war aber gar nichts. Der Hund hatte irgendwas gehört, sich erschreckt, ich weiß es nicht. Er konnte es nicht sagen. Ich holte den Hund mit ins Schlafzimmer. Er blieb nur liegen, wenn ich meine Hand aus dem Bett hängen ließ und ihn berührte. Und selbst dann nicht immer. Ich flüsterte ihm beruhigende Worte zu. Es half nicht.

Am nächsten Morgen stand ich um 6:30 Uhr auf. An einem Samstag. Ich hatte ungefähr 2 Stunden geschlafen. Ich nahm den Hund mit auf eine kleine Runde, sammelte unterwegs noch die Nichte und den Neffen ein, die direkt ganz verliebt in den Hund waren. Ich war so müde. Ich war SO. MÜDE. Ich hatte Kopfweh und war so unendlich müde. Und der Hund? Wollte nichts fressen. Immer noch nicht.

Den großen Spaziergang mit dem Hund, den ich mir so schön als Wanderung im Wald ausgemalt hatte, übernahm mein Mann. Ich war zu müde. Ich legte mich zwei Stunden ins Bett. Nachmittags wollte der Hund nichts fressen. Immerhin blieb er jetzt aber auf dem Sofa, wenn ich mal aufs Klo wollte. Er setzte sich auf, spitzte die Ohren und hielt die Tür fest im Blick, aber er blieb. Das Sofa war eigentlich der einzige Ort, wo er entspannt war.

Daher blieb ich am Abend, nach dem letzten Spaziergang (der Hund hatte immer noch nichts gefressen), einfach auf dem Sofa. Ich zog mir einen Schlafanzug an, der Mann war auswärts verabredet, und dann kuschelte ich mich mit dem Hund aufs Sofa und schaute einen Film, bis ich einschlief. Der Hund blieb liegen (und war süß). Er zog sich dann zurück auf die andere Ecke des Sofas, wo gar keine Hundedecke mehr lag, aber das war mir egal. Ich war so müde. Irgendwann nachts zog ich doch noch ins Bett um, der Hund war da auch relativ entspannt.

Am Sonntagmorgen wollte der Hund nichts fressen. Er nahm einzelne Leckerli – aber auch nicht alle. Er wollte auch nicht spielen. Nicht mal mit seinem liebsten Ball.

Am Sonntagmittag fiel uns auf, dass wir Montag früh noch zur Kinderwunschklinik mussten. Das wäre mit dem Hund etwas schwierig geworden (wenn auch natürlich machbar). Und weil der Hund immer noch nichts gefressen hatte, rief ich meinen Kollegen an, ob er den Hund vielleicht schon etwas früher abholen könnte. Der Kollege war begeistert, er hatte sich nämlich seit 8 Jahren noch nie über Nacht vom Hund getrennt und ihn schrecklich vermisst. Und so holte er den Hund am Nachmittag ab. Und ich war sehr erleichtert. Und freute mich auf eine Nacht Schlaf.

NATÜRLICH komme ich nicht umhin, hier die Parallelen zum Kinderwunsch zu sehen… Die Vorfreude, die Euphorie, die wunderschöne Vorstellung. Und dann die Realität. Schlafmangel, ein Gegenüber, das sich nicht äußern kann und das man nicht versteht. Wunschtraum vs. Ernüchterung. Das ganze ist schon ein paar Monate her, der Hund war übrigens direkt danach eine Woche richtig magenkrank und hat vermutlich deshalb nichts gefressen. Ich muss jetzt daran denken, weil der Urlaub immer noch bevorsteht. Manchmal habe ich richtig Angst davor. Aber ich habe es versprochen und der Urlaub des Kollegen ist gebucht. Und heute hat sich herausgestellt, dass ich möglicherweise nicht auf ein Konzert gehen kann, auf das wir uns schon riesig gefreut haben, weil der Hund schon einen Abend eher, als ich das auf dem Schirm hatte, bei uns sein wird. Ich fühle mich schon wieder an Elternschaft erinnert…

 

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Hab gefühlt.

Ihr Lieben,

nach dem negativen Testergebnis vor nun gut 10 Tagen hatten wir ein wunderbares Wochenende, eines der besten. Pfingsten fahren wir traditionell das ganze Wochenende mit Freunden und Familie weg, Samstag haben wir diesen Trip kurz unterbrochen für eine legendär großartige Hochzeitsfeier von anderen Freunden. Ich habe diese Zeit so sehr genossen. Drei Abende und Nächte hintereinander mit wenig Schlaf, der genau angemessenen Menge Alkohol, wunderbaren Menschen, Liebe, Sonnenschein und Gesprächen und Tanzen und Feiern und Bauchmuskelkater vor Lachen. Das war das beste, was auf dieses Ergebnis folgen konnte.

Der Titel dieses Blogposts ist dann auch ein Song der Band, die auf der Hochzeit gespielt hat (bei Interesse kann man es bei Spotify anhören). Ich fand, das traf es schön. Ich hab gefühlt, ich habe mich vollständig und ausgefüllt und glücklich gefühlt. Ich habe die Augen geschlossen und getanzt. Einfach nur gefühlt.

Am Sonntagabend dann noch ein Gespräch am Lagerfeuer, bei Wein und mit einem guten Freund, übers Kinderwunschthema. Er und seine Frau haben gerade das zweite Kind bekommen – ich schrieb sogar schon über die zwei hier im Blog, nur finde ich es gerade nicht, aber wir hatten fast zeitgleich eine Fehlgeburt 2014. Ein Jahr später Pfingsten war sie schwanger, nun denn. Jedenfalls sprachen nun er und ich über das Thema Elternschaft, Kinderhaben, Verantwortung, Lebenspläne… Und er war wirklich der erste Mensch auf der ganzen weiten Welt von denen, die Kinder haben und mit denen ich persönlich darüber gesprochen habe, der zugab: Ja, manchmal wäre es ohne Kinder einfach besser. Ja, es schränkt ein. Ja, man liebt sie, aber trotzdem. Und ja, manchmal bereut man es, und manchmal beneidet man Menschen ohne Kinder. Und dann sind wir morgens um fünf in unsere Betten gefallen und er wurde 3 Stunden später von seiner kleinen Tochter geweckt, während ich wenigstens noch bis 10 Uhr liegen bleiben durfte. 😉

Das Leben ging weiter, mir offenbar deutlich zeigen wollend, dass es gut ist, wie es ist. Am Wochenende bekam ich nämlich Zahnweh, mit dem ich Dienstag gleich losmarschierte. Zack, röntgen, spritzen, behandeln, alles kein Problem. Antibiotika, das volle Programm. NICHT, dass das toll wäre, aber schwanger wäre das alles etwas schwieriger geworden.

Am vergangenen Freitag dann mein Geburtstag und der Mann und ich fuhren übers Wochenende nach Berlin. Das war erneut eine ganz wunderbare Zeit, nur wir zwei ohne große Pläne, und es war einfach so, so schön. Hab gefühlt, anders als am Wochenende davor (und, bevor sich jemand Sorgen macht, völlig alkoholfrei – ich kann auch ohne 😉 ), aber mindestens genauso schön.

Bin ich also bereit, meinen Kinderwunsch aufzugeben? Bin ich bereit, nach einer eventuell erfolglosen Kryo-Behandlung zu sagen „Es ist, wie es ist, und es ist gut so“? Nicht das große „Adoptions-Fass“ aufzumachen?* Ich weiß es nicht. Woran stellt man das fest?

* Das „Adoptions-Fass“ ist natürlich keine abfällige Bezeichnung für den gesamten Prozess einer Adoption, sondern das ist das Fass, dass ich mit meinem Mann aufmachen müsste, der tendenziell eher dagegen ist. Wir müssten da ganz schön arbeiten, um auf einen Nenner zu kommen, wäre ich dafür und er dagegen.

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Nun denn.

Pfingsten werde ich wohl das eine oder andere Bier trinken können.

Der Clearblue blieb heute Abend blütenweiß, und ich bin realistisch genug, mir vom morgigen Bluttest nichts anderes zu erwarten.

Und mehr hab ich dazu gerade auch gar nicht zu sagen.

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Ein Warteschleifen-Pieps

Irgendwie verfliegt die Warteschleifenzeit jetzt doch mal wieder relativ gut. Jetzt sind es schon nur noch 3 Tage bis zum offiziellen Bluttest. Und nur noch zwei Mal schlafen, bis ich das Ergebnis kenne – denn (ich schreibe das hier gefühlt zum 100. Mal, aber es kommen ja doch immer noch neue Leserinnen dazu) am Abend vor dem Bluttest teste ich traditionell zu Hause mit meinem Mann und einem ganz normalen Urintest.

„Traditionell“ – schon ein bisschen traurig, dass ich das hier so schreiben kann. Aber bei der ingesamt 8. oder 9. Behandlung (ich hab tatsächlich den Überblick über unsere VZO-Zyklen verloren, aber wir hatten ja 3 IUIs, eine IVF und jetzt die 2. ICSI) kann man das wohl guten Gewissens so bezeichnen. Jedenfalls teste ich schon vorab daheim, damit der Mann dabei sein kann, wenn wir das Ergebnis erfahren und damit ich am nächsten Tag nicht vom Ergebnis so überrollt werde.

Jetzt, wo ich darüber nachdenke, könnte ich mit der Tradition sogar mal brechen. Am Freitag, wenn der Bluttest ist, habe ich nämlich frei. Naja, morgens muss ich arbeiten, aber nur ein bisschen. Wenn mittags Telefonzeit in der Klinik ist, dürfte ich schon wieder bei meinem Mann sein. Da muss ich das wohl noch mal mit ihm besprechen, ob wir trotzdem vorher testen. Man will es ja auch wissen, so ist es ja nicht. 😉

Gefühlt bin ich mittlerweile wieder negativer eingestellt, wo ich zwischendurch ganz optimistisch war. Aber mittlerweile habe ich eher so ein „Pffff, wieso sollte es jetzt plötzlich klappen?“ im Kopf. Obwohl die Antwort darauf natürlich „Wahrscheinlichkeit, umgestellte Medikamente, Glück“ ist, ist das jahrelange „Es gibt keinen Grund, weshalb es nicht klappen sollte“ mir offensichtlich ECHT auf den Optimismus geschlagen.

Ich FÜHLE mich jedenfalls nicht schwanger – was nichts heißt, ich weiß… Ich schwanke halt wie üblich zwischen „Ach das wird doch eh wieder nix“ und „Oh mein Gott, vielleicht bin ich gerade schon SCHWANGER!!!“

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Halbzeit

Halbzeit! Eine Woche Warteschleife ist schon geschafft. Dank Feiertag und entsprechend schöner Aktivitäten war es gar nicht so schlimm. Ich habe ein gutes Gefühl… Ohne wirklich Gründe dafür zu haben. Natürlich schleichen sich jetzt so langsam die bekannten Utrogest-Anzeichen ein… Insbesondere schwere Brüste (ich habe heute sogar extra einen Sport-BH an).

Ansonsten ziept es ab und zu unmotiviert im Unterleib und ich beobachte das natürlich dann sofort mit Adleraugen. Das kann natürlich alles oder nichts heißen… Wenn ich gerade aktiv bin und es ziept, lasse ich es sofort etwas langsamer angehen (und wenn das heißt, dass ich im Schleichtempo weiter durch den Supermarkt gehe). Wenn ich gerade entspannt bin und es ziept, halte ich ebenfalls inne (so wie gestern an der Nähmaschine) und sehe wohl so ein bisschen aus wie Gollum, während ich in mich hineinhorche:

Wie ich schon auf Twitter schrieb: „Jedes Pieksen im Unterleib wird misstrauisch, hoffnungsvoll, vorsichtig, ängstlich, optimistisch, konzentriert, aufgeregt registriert und mental abgespeichert.“

Das Clexane in Kombi mit dem ASS hat meinen Bauch zu einem kleinen Schlachtfeld gemacht… Das Foto wird dem gar nicht gerecht, die blauen Flecke sind in Wahrheit noch mal deutlich kräftiger. Bikini ist wohl in absehbarer Zeit eher nicht drin:

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Ich rede noch nicht mit meinem Bauch, aber Luke & Leia dürfen zuhause durchaus in unsere Gespräche einfließen. Gestern haben wir sogar Star Wars geschaut.

Jetzt ist es noch eine Woche. Eigentlich hätte ich am Test-Tag freigehabt (wir fahren über Pfingsten weg), aber nun muss ich doch zumindest vormittags arbeiten. Mal sehen, ob ich wieder so ein Nervenbündel wie beim letzten Mal bin. Da war ich ja auch arbeiten, aber war sowas von flattrig und konnte mich gar nicht konzentrieren. Sollte der Test am Vorabend positiv sein, wird das sicherlich zu 100% wieder so sein! 😀

Tja nun, sonst habe ich auch nicht wirklich viel zu erzählen. Vielleicht noch, dass ich mich neulich doch tatsächlich habe hinreißen lassen und zwei Babypullis bestellt habe, als ich sowieso Stoff zum Nähen geshoppt habe. Die waren nämlich super reduziert und soooo süß! Und ein bisschen Optimismus kann ja auch nicht schaden, denke ich. Schaut mal:

Das sind noch die Screenshots aus dem Shop, aber mittlerweile sind beide angekommen und auch in echt so niedlich wie auf den Bildern! ❤ Da können Luke & Leia also kommen, warm anziehen kann ich sie schon mal. (NATÜRLICH habe ich schon den planmäßigen Geburtstermin im Falle eines positiven Ergebnisses nachgeschaut: 22. Januar!)