Ich komme nicht klar.

Alles wird gut, hab ich getönt. Es ist schon ok, egal wie es ausgeht, habe ich erzählt. Ich komme klar, hab ich gesagt.

All das habe ich auch geglaubt, und wie ist es nun, da es tatsächlich so weit ist? Ich komme nicht klar.

Also, natürlich komme ich schon klar. Ich weine nicht den ganzen Tag oder verzweifle völlig. Mir geht es nur nicht so gut, wie ich es erwartet hätte. Ich denke so oft daran, dass ich nun niemals Kinder haben soll. Niemals. NIE-MALS. Das ist eine lange Zeit. Und ich dachte, ich wäre darauf eingestellt, hätte eine realistische Sicht der Dinge, aber offensichtlich ist das nicht so.

Ich denke, das ist temporär. Es ist wieder so wie zu Hochzeiten des Kinderwunsches. Jeder Kinderwagen, jede schwangere Frau, jedes Kleinkind ruft „Niemals, niemals, NIEMALS!!!“ Es tut weh und lässt Tränen in den Augen stehen. Ich kenne das. Das geht vorbei.

Mit meinem Mann habe ich dann doch noch mal das Thema Adoption angesprochen – ganz vorsichtig. Er war überrascht und, wie erwartet, negativ eingestellt. Nicht wegen des Adoptionsthemas an sich, sondern – wie schon oft erwähnt hier – weil sein Wunsch nicht so dringend ist, weil er dachte, es sei jetzt endlich vorbei. Weil er, wie ich nun realisiert habe, vor anderen Dingen Angst hat als ich.

Was seinen Kinderwunsch am meisten dämpft: Der Verlust der Freiheit.
Was meinen Kinderwunsch am meisten dämpft: Die organisatorischen Schwierigkeiten.

Ich habe ihm all meine Konjunktive erzählt, er war etwas baff. So weit wie ich hätte er sich das offenbar noch nie vorgestellt, meinte er. Ich hab ihm dann aber auch noch meinen bislang noch nicht aufgeschriebenen Teil erzählt, mit allem, worüber wir uns nun KEINE Sorgen machen müssten und HOLY-MOLY damit hab ich mich innerhalb von Sekunden sowas von meinem Kinderwunsch geheilt, dass es schon nicht mehr feierlich war, und mich dezent selbst in Panik versetzt. Ich sollte es also wirklich mal aufschreiben, alles von Kita-Suche über Arbeitszeitschwierigkeiten bis hin zu Rentenlücken. Vielleicht wirkt das nachhaltiger.

Ich habe meiner Therapeutin eine Email geschrieben. Eigentlich hatte ich noch 2 oder 3 Termine offen, aber die habe ich nie wahrgenommen. Allerdings war ich zuletzt vor über einem Jahr dort und laut einer kurzen Internetrecherche darf man die Therapie nicht für länger als 6 Monate unterbrechen. Mal sehen, ob es da noch eine Möglichkeit gibt, denn ich denke, noch ein-zwei Gespräche würden mir wirklich helfen. Vielleicht kann ich sie ja auch selbst bezahlen im Zweifel (keine Ahnung, was das kostet).

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Eigentlich möchte ich glaube ich nicht adoptieren. Mehr Wartezeit, man wird nicht jünger in der Zwischenzeit (mein Mann findet sich jetzt schon zu alt – er wird bald 40), und wieder so viel Ungewissheit. Eigentlich möchte ich gern abschließen. Aber es ist schwer.

Ich schätze mal, es ist jetzt einfach eine Zeit der Trauer. Das Ergebnis ist schließlich noch nicht einmal 2 Wochen her (das tatsächliche Ergebnis sogar noch nicht mal eine Woche), ich erwarte vermutlich zu viel von mir. Zeit! Es braucht Zeit. Und hey, die habe ich ja wohl. Ich hab ja schließlich keine Kinder.

13 Gedanken zu “Ich komme nicht klar.

  1. Lasst euch Zeit. Trauer braucht Zeit. Der Abschied vom Kinderwunsch auch. Vielleicht schaut ihr Ende des Jahres nochmal in euch, wie es gerade gefühlsmässig aussieht?
    Ich hätte euch so sehr ein anderes Ergebnis gewünscht!

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  2. „So geht’s mir auch gerade!“ denke ich bei fast jedem Satz. Und natürlich geht es mir nicht genau so wie Dir. Aber gefühlt so ähnlich. Und das macht es zwar für keine von uns leichter, aber es erleichtert mich zumindest. Es ist normal. Ich bin nicht hysterisch. Es geht einen Schritt vorwärts und dann drei rückwärts, einfach so. Man weint. Nicht den ganzen Tag, aber immer mal wieder. Auch wenn man nicht immer genau weiß, warum eigentlich jetzt gerade. Ich glaube, es ist, wie Du schreibst: temporär. Es geht vorbei. Aber mit der Endgültigkeit ist es heftiger als die bisherigen Male, auch wenn ich so wie Du dachte, froh zu sein, wenn es vorüber ist, egal mit welchem Ergebnis. Das wird auch bestimmt noch kommen, dann nur eben später – zu seiner Zeit. Es ist einfach hart.
    Und mit der Adoption geht es mir auch ähnlich wie Dir/Euch – aber vermutlich ist es für uns nicht der Weg, da der Wunsch nach einem eigenen Kind größer ist als der Wunsch, sich um (irgendein) Kind zu kümmern, so egoistisch sich das auch anhört. Aber ich weiß auch von Paaren, wo sich dieser Wunsch nach Abschluss der Kinderwunschbehandlung gewandelt hat mit der Zeit. Wenn man sie denn hat.
    Alles Gute weiterhin für Euren Weg!

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    • Nein, wir sind nicht hysterisch. Wir trauern! Und du hast Recht, es ist krasser als das „Zwischendurch“, weil die Endgültigkeit einem so klar vor Augen steht. Ein Lebenstraum wird nicht in Erfüllung gehen.
      Ich habe jetzt auch mit dem „Living the life unexpected“ angefangen und möchte mir am liebsten ganze Sätze herausschreiben. Das werde ich sicher auch noch machen.
      Das mit dem leiblichen Kind ist bei uns nicht so das Thema. Es ist eher ein „Es reicht“, kombiniert mit verschiedenen anderen Faktoren…

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  3. Es wäre ja auch unmenschlich, wenn du so eine tiefgreifende Sache einfach so abhaken könntest. Es realistisch anzugehen und sich die „negativen“ Punkte der Elternschaft anzusehen ist sicherlich nicht verkehrt und sich professionelle Hilfe zu suchen, ist ebenfalls sinnvoll. Eine Sitzung kostet etwa 1 €/Minute… dir stehen jährlich 5 probatorische Sitzungen zu. Denke da wird sich bestimmt was regeln lassen.

    Ich wünsche dir viel Kraft und einen klaren Kopf. Liebste Grüße

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  4. Hey Du, es tut mir unendlich leid, dass es nicht geklappt hat 😥
    Offen gesagt (ich hoffe Du bist mir nicht böse, wenn ich das jetzt schreibe) war mein erster Gedanke, als Du schriebst, dass es wirklich vorbei ist: Vielleicht findet sie nochmal die Kraft weiterzumachen. Es darf bitte nicht vorbei sein.
    Dein Blog war einer der ersten, der mich auf meinem mittlerweile über 2 jährigen Kinderwunsch-Weg begleitet hat. Wie oft habe ich mitgelitten, mitgehofft und viel öfter noch geschmunzelt, weil Du einfach ganz toll schreibst…
    Mein zweiter Gedanke nach Deinem Konjunktiv-Beitrag: Bitte lass sie weitermachen.
    Mit Sicherheit schwingt bei diesen Gedanken/Wünschen (ganz egoistisch) unsere eigene Mist-Situation kurz vor der nächsten ICSI mit, nämlich was ist, wenn wieder was schief geht?
    Was ist, wenn es klappt und wieder in einer Fehlgeburt knapp vor Ende des ersten Trimenons endet? Oder was wäre bei einer viel späteren Fehlgeburt? Was ist, wenn es gar nicht klappt? Wieviel Trauer und unerfüllte Hoffnung habe ich noch übrig, kann ich noch ertragen? Wie oft will ich mich und meinen Mann noch mit der ganzen Terminplanung einer solchen Behandlung stressen, wieviel “wir“ steckt noch in dem Ganzen?
    Im Moment kann und will ich den Gedanken nicht akzeptieren, dass es nicht irgendwann doch klappen wird. Aber frag mich morgen wieder.
    Ich kann mir selbst kaum vorstellen, wieviel Entschlossenheit und vor allem Zuversicht und Vertrauen es braucht und wieviel Kraft Ihr im Moment aufbringt, um einen Schlussstrich ziehen zu können. Auch wenn es im Moment unglaublich hart ist, so wünsche ich mir, dass es irgendwann gut ist. Dass Euer Leben erfüllt ist von allem, was Ihr Euch wünscht und ersehnt. Danke, dass Du uns auch auf diese Reise mitnimmst.
    Es gibt nur wenige blogs, die über unerfüllten Kinderwunsch mit all den Behandlungen und der Achterbahn aus Hoffnung & Qual berichten und noch viel wenigere, die über das andere Leben nach dem Kinderwunsch berichten. Danke für den Mut den Du mir machst!
    Alles alles Liebe
    Denise

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    • Lieben Dank Denise für diesen langen Kommentar. Es freut mich, dass ich dich schon so lange begleiten darf. Und ich drücke ganz fest die Daumen, dass eure Reise anders ausgeht. Du musst aber auch bedenken, dass unsere Kinderwunschzeit über 6 Jahre lang ging (die Zeit vor den Behandlungen mit eingerechnet). Nach zwei Jahren (oder vielleicht 3, je nachdem wie du rechnest) war ich noch lange nicht an dem Punkt, an dem ich jetzt bin. Ich war einfach so unfassbar genervt die letzten Behandlungen von allem. Und das Leben bleibt immer nur in der Warteschleife. Selbst meine Ärztin (die mittlerweile ja angerufen hat) hat uns gratuliert, dass wir diesen Schritt, es zu beenden, so machen können. Und ich finde es wichtig, dass man sich ein realistisches Ende setzt. Sonst kann man in so eine Endlosschleife geraten, fürchte ich.

      Du hast Recht, viele Kinderwunschblogs enden irgendwann. Manche mit Ankündigung, manche recht plötzlich, und gefühlt die meisten mit Kind. Ich bin mir sicher, dass ich das Aufschreiben noch brauche, um meine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Wie oft beginne ich einen Artikel und beende ihn mit einer Erkenntnis, die ich zu Beginn noch nicht hatte. Ich hoffe immer, dass es bei denen, deren Blog einfach irgendwann ohne Ankündigung still wurde, einfach daran liegt, dass sie gedanklich nicht mehr so mit dem Thema beschäftigt waren und sie anderweitig glücklich wurden. Weil sie den Blog einfach nicht mehr brauchten. ❤

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  5. Ich hoffe das mit deiner Therapeutin klappt und du kannst da nochmal ein paar Termine wahrnehmen.

    Sich die negativen Dinge vor Augen zu halten die ihr nun nicht „durchstehen“ müsst ist sicher auch hilfreich. Ich würde das auch mal verschriftlichen das hilft bestimmt.

    Wie ist es wenn du dich um deine Neffen/Nichten kümmerst oder um Kinder von Freunden? Machst du das gerne und erfüllt es dich oder macht es dich eher traurig weil es dir vor Augen hält was ihr nicht haben könnt?
    Ich könnte mir vorstellen dass es sicherlich viele Leute in eurem Freundes – und Bekanntenkreis gibt die sich sehr freuen würden wenn ihr regelmäßig was mit den Kindern unternehmt. Ich würde mich sehr über sowas freuen! Ihr wohnt nicht zufälligerweise in der Nähe von Berlin? 😂🙈 Wir haben leider keine Familie in der Nähe und dadurch nur selten mal jemanden der uns die Kleine abnimmt… Deswegen weiß ich wie sehr man sich darüber freut wenn es mal jemand macht. Vor allem wenn derjenige es auch noch gerne macht! Die Kinder haben ne tolle Zeit, ihr habt ne tolle Zeit und die Eltern ebenfalls. 😁 Win-win-win für alle Seiten.
    Wie gesagt – vorausgesetzt das tut euch gut.

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  6. Pingback: Die Angst vor der Bequemlichkeit. | Die Sache mit den Wundern

  7. Hallo
    Es ist das schlimmste wenn man sich sehnlichst ein Kind wünscht und dann bleibt einem dieser Wunsch verwehrt. 
Man schmiedet Pläne wie das Leben mit einem Kind wohl sein wird. 
Träumt von einer Familie und dann heißt es von einem Moment auf den anderen, dass man nie diese Familie nach der man sich sehnt haben kann. 
Ich fühl wirklich mit dir! 
Und kann dir wirklich zu Herzen legen, dass du dir jemanden suchst, mit dem du darüber reden kannst. Der Schmerz wird nicht aufhören, aber es wird leichter! 
Gebt euch beide Zeit, vielleicht öffnet sich irgendwann die Türe für eine Adoption. 
Ich wünsche euch von ganzen Herzen alles Gute.

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      • Ich habe Neujahr einen „Abschiedsbrief“ geschrieben. Ich hab alles in dem Brief geschrieben, was ich meinem Kind sagen wollte. Ich habe den Brief in der Silvesternacht verbrannt und die Asche verstreut. Es war so ein Schlussstrich der sein musste,… um mir ein „neues“ Leben ohne Kind aufzubauen. Ich fing an,… mich mehr auf mich zu konzentrieren. Ich habe Dinge gemacht, die mir gut taten… mir überlegt,.. wie ich Fußabdrücke schaffen kann ohne einem Kind.
        Ich weiß, es ist ein schwerer Prozess. Sich in einer neuen Rolle wieder zu finden…
        Und ich denke du wirst auch deinen Weg finden, der dir gut tun wird.

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