Das Leben geht weiter.

Trinklernbecher, Erziehungsratgeber, Bilderbücher, Tragetücher, Schwangerschaftsbücher und eine Baby-Nagelschere: Ich habe heute meine (private, also für andere sowieso unsichtbare) Baby-Wunschliste auf Amazon gelöscht.

In dem Buch „Living the life unexpected„, in dem es um das Leben mit dem unerfüllten Kinderwunsch geht, bin ich nicht über Kapitel 3 hinausgekommen.

Von der letzten, erfolglosen Behandlung und dem voraussichtlich dauerhaft kinderlosen Leben habe ich noch niemandem in der Familie oder im Freundeskreis erzählt.

All das nicht, weil es mir zu sehr wehtut oder nicht erträglich ist. Sondern, weil es mich derzeit absolut null beschäftigt. Ich denke nicht darüber nach.

Worüber ich nachdenke: Ich habe mich auf eine Umschulung beworben und bin im Bewerbungsprozess, hatte schon einen Einstellungstest und hoffe, dass ich nun zum Vorstellungsgespräch eingeladen werde. Ich jongliere mit zu vielen Hobbys in zu wenig Freizeit. Ich gehe endlich wieder Bouldern, spiele wunderbar viele Brettspiele mit sehr vielen sehr tollen Lieblingsmenschen, habe das Ukulelespielen angefangen, die Sommerpause vom Chor ist fast vorbei.

Mein Gespräch mit der Therapeutin? Es begann damit, dass ich mich in den Sessel setzte und losheulte, einfach, weil ich wieder dort war. In wenigen Sitzungen habe ich so sehr geweint wie in dieser. Dabei habe ich für mich festgestellt, dass aktuell wirklich meine größte Sorge ist, meine Eltern zu enttäuschen mit der Kinderlosigkeit. Dass für MICH die Entscheidung, nicht zu adoptieren, die richtige ist, aber dass meine Mutter das sicherlich schwer verstehen wird.

Die beste Therapeutin der Welt hat noch beigesteuert, dass es jetzt bei mir eben ein Trauerprozess sein wird, der nicht einfach so zu Ende ist und dass diese Trauer immer mal wieder auftauchen wird. Also – mein Leben lang. Aber so ist es eben mit der Trauer. Aktuell ist sie sehr still und ich sehe noch immer in erster Linie, was mir alles erspart bleibt. Vom Schlafmangel über die Kindergartenplatz-Suche über die Vereinbarkeit von Kind und Beruf bis hin zur Pubertät. Ich gehe aber davon aus, dass sich das auch noch wieder ändern wird.

Das Leben geht aber tatsächlich weiter. Momentan ist alles gut so, wie es ist. Und was kommt, darauf haben wir eben nur minimalen Einfluss. Lassen wir es auf uns zukommen.

5 Gedanken zu “Das Leben geht weiter.

  1. „Das Leben geht aber tatsächlich weiter. Momentan ist alles gut so, wie es ist. Und was kommt, darauf haben wir eben nur minimalen Einfluss. Lassen wir es auf uns zukommen.“

    Stimmt. Es tut nach wie vor weh, wenn ich dran denke, dass ich wohl niemals Papa sein werde. Aber hey. Das Leben geht weiter.

    Gefällt 1 Person

  2. Wow, du bist wirklich unfassbar stark. Wir versuchen es nun auch schon 6 Jahre lang und unsere Nerven liegen blank. Wir haben nun nochmal die Kinderwunschklinik gewechselt und sind nun im KiWu-Zentrum Wien. Wir fühlen uns dort das erste Mal wirklich gut beraten und haben noch ein kleines bisschen Hoffnung, dass es vielleicht doch noch klappen wird. Wenn nicht, hoffe ich, dass ich deine Stärke haben werde. Ich wünsche dir ganz viel Liebe und wundervolle Erfahrungen in deinem Leben! ❤

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