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Der Hund.

Ich glaube, ich habe hier im Blog noch gar nichts von dem Hund erzählt.

Der Hund ist nicht mein Hund. Er gehört meinem Arbeitskollegen und kommt täglich mit ins Büro. Ich mag den Hund sehr, er ist lieb und verspielt und niedlich. Jeden Mittag gehe ich mit dem Hund spazieren. Er ist quasi mein Mittagshund.

Mein Kollege ist alleinstehend. Lange Zeit hat er seine kranke Mutter daheim gepflegt, vor etwa anderthalb Jahren ist die alte Dame verstorben. Seither hat mein Kollege einiges in seinem Leben verändert, und nun ist es zum ersten Mal seit langer Zeit soweit: Er fährt in den Urlaub. Und der Hund kann nicht mit.

Der Hund weiß noch nichts davon, natürlich. Er würde es ja auch nicht verstehen. Aber weil ich mich bereiterklärt hatte, den Hund aufzunehmen, während der Kollege im Urlaub ist, beschlossen wir: Das muss geübt werden. Und so sollte der Hund für ein Probe-Wochenende zu mir nach Hause kommen.

Ich war so aufgeregt und euphorisch! Wochen vorher konnte ich nicht einschlafen. Ich war begeistert. Ich freute mich auf eine ausgiebige Wanderung im Wald am Samstag. Ich stellte mir vor abends im Bett vor, wie der Hund niedlich zusammengerollt auf dem Sofa mit uns kuschelte. Ich wollte mit dem Hund und meiner Freundin, die ebenfalls einen Hund hat, Gassi gehen. Und natürlich wollte ich den Hund meiner Nichte vorstellen, die Hunde über alles auf der Welt liebt. Es war eine wunderbare Vorstellung. Das würde so ein tolles Wochenende werden!

Dann war es soweit. Der Hund hopste nach der Arbeit bereitwillig zu mir ins Auto. Daheim erkundete er neugierig die neue Umgebung und war auch voller Energie dabei, als wir direkt zum Spaziergang aufbrachen, um uns mit besagter Freundin zu treffen. Leider verpassten wir uns aber. Doch auch der Spaziergang „nur“ mit dem Hund war ja ganz nett. Obwohl es dann auch noch anfing zu regnen.

Abends kam mein Mann nach Hause. Der Hund beschnupperte ihn kurz, war mäßig interessiert. Dem Ball wollte der Hund nicht hinterherlaufen. Wir gingen noch eine Abendrunde, der Mann, der Hund und ich. Auf halber Strecke kotzte der Hund auf die Straße. Vermutlich die Aufregung. Vielleicht.

Wieder zuhause aßen wir zu Abend. Natürlich bekam der Hund auch etwas in seinen extra von zu Hause mitgebrachten Napf. Er schnupperte – und aß nichts. Vermutlich die Aufregung. Vielleicht.

Wir saßen dann gemeinsam auf dem Sofa und sahen fern. Der Hund lag zwischen uns auf einer Wolldecke und war niedlich. Jetzt war es genau, wie ich es mir vorgestellt hatte. Außer, dass ich nicht aufs Klo gehen konnte, ohne dass ich verfolgt wurde. Allein sein – auch wenn mein Mann da war – fand der Hund gruselig. Er folgte mir auf Schritt und Tritt.

Als wir abends ins Bett gingen – natürlich nach einer Abschlussrunde mit dem Hund – war der Hund irritiert. Aufs Bett durfte er nicht. Auf sein Kissen im Wohnzimmer wollte er nicht. Ich holte das Kissen ins Schlafzimmer, das war aber auch nicht besser. Er tappste durch die Wohnung, ich hörte seine Krallen auf den Fliesen: tapp tapp tapp tapp. Ich versuchte zu schlafen. Es ging leidlich, bis ich um 2 Uhr morgens von Hundegebell im Flur geweckt wurde. Selten war ich so schnell wach. Wir sprangen beide aus dem Bett und rannten in den Flur, es war aber gar nichts. Der Hund hatte irgendwas gehört, sich erschreckt, ich weiß es nicht. Er konnte es nicht sagen. Ich holte den Hund mit ins Schlafzimmer. Er blieb nur liegen, wenn ich meine Hand aus dem Bett hängen ließ und ihn berührte. Und selbst dann nicht immer. Ich flüsterte ihm beruhigende Worte zu. Es half nicht.

Am nächsten Morgen stand ich um 6:30 Uhr auf. An einem Samstag. Ich hatte ungefähr 2 Stunden geschlafen. Ich nahm den Hund mit auf eine kleine Runde, sammelte unterwegs noch die Nichte und den Neffen ein, die direkt ganz verliebt in den Hund waren. Ich war so müde. Ich war SO. MÜDE. Ich hatte Kopfweh und war so unendlich müde. Und der Hund? Wollte nichts fressen. Immer noch nicht.

Den großen Spaziergang mit dem Hund, den ich mir so schön als Wanderung im Wald ausgemalt hatte, übernahm mein Mann. Ich war zu müde. Ich legte mich zwei Stunden ins Bett. Nachmittags wollte der Hund nichts fressen. Immerhin blieb er jetzt aber auf dem Sofa, wenn ich mal aufs Klo wollte. Er setzte sich auf, spitzte die Ohren und hielt die Tür fest im Blick, aber er blieb. Das Sofa war eigentlich der einzige Ort, wo er entspannt war.

Daher blieb ich am Abend, nach dem letzten Spaziergang (der Hund hatte immer noch nichts gefressen), einfach auf dem Sofa. Ich zog mir einen Schlafanzug an, der Mann war auswärts verabredet, und dann kuschelte ich mich mit dem Hund aufs Sofa und schaute einen Film, bis ich einschlief. Der Hund blieb liegen (und war süß). Er zog sich dann zurück auf die andere Ecke des Sofas, wo gar keine Hundedecke mehr lag, aber das war mir egal. Ich war so müde. Irgendwann nachts zog ich doch noch ins Bett um, der Hund war da auch relativ entspannt.

Am Sonntagmorgen wollte der Hund nichts fressen. Er nahm einzelne Leckerli – aber auch nicht alle. Er wollte auch nicht spielen. Nicht mal mit seinem liebsten Ball.

Am Sonntagmittag fiel uns auf, dass wir Montag früh noch zur Kinderwunschklinik mussten. Das wäre mit dem Hund etwas schwierig geworden (wenn auch natürlich machbar). Und weil der Hund immer noch nichts gefressen hatte, rief ich meinen Kollegen an, ob er den Hund vielleicht schon etwas früher abholen könnte. Der Kollege war begeistert, er hatte sich nämlich seit 8 Jahren noch nie über Nacht vom Hund getrennt und ihn schrecklich vermisst. Und so holte er den Hund am Nachmittag ab. Und ich war sehr erleichtert. Und freute mich auf eine Nacht Schlaf.

NATÜRLICH komme ich nicht umhin, hier die Parallelen zum Kinderwunsch zu sehen… Die Vorfreude, die Euphorie, die wunderschöne Vorstellung. Und dann die Realität. Schlafmangel, ein Gegenüber, das sich nicht äußern kann und das man nicht versteht. Wunschtraum vs. Ernüchterung. Das ganze ist schon ein paar Monate her, der Hund war übrigens direkt danach eine Woche richtig magenkrank und hat vermutlich deshalb nichts gefressen. Ich muss jetzt daran denken, weil der Urlaub immer noch bevorsteht. Manchmal habe ich richtig Angst davor. Aber ich habe es versprochen und der Urlaub des Kollegen ist gebucht. Und heute hat sich herausgestellt, dass ich möglicherweise nicht auf ein Konzert gehen kann, auf das wir uns schon riesig gefreut haben, weil der Hund schon einen Abend eher, als ich das auf dem Schirm hatte, bei uns sein wird. Ich fühle mich schon wieder an Elternschaft erinnert…

 

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ICSI-News

Jetzt will ich doch mal was über die Behandlung schreiben, da ich im Nachhinein die Dokumentation immer zu schätzen wusste.

Die Stimulation merke ich so ungefähr gar nicht. Das Synarela Nasenspray vertrage ich gut, die Puregon-Spritzen stecke ich munter hier und dort in meinen Bauch, man hat die Routine mittlerweile. Die Menogon-Spritzen müssen erst gemischt werden und nach einer Woche kann ich sagen, dass wir es inzwischen drauf haben, nachdem es anfangs doch etwas umständlich war. Das beste daran: Ich habe erst immer gesagt, dass ich es allein mache, um meinen Mann nicht auch noch damit zu belasten. Reicht ja, wenn eine sich damit rumschlagen muss. Am zweiten Tag hat er das allerdings nicht mehr zugelassen und ich habe direkt gemerkt (und er hat es auch gesagt), dass das super ist. Er hat das Gefühl, dass er endlich auch mal was machen kann, um mir zu helfen. Also, was konkretes. Statt ihn zu „entlasten“, indem ich es selber mache, rufe ich ihn jetzt also immer und lasse ihn die Menogon zusammenbasteln. 🙂

Heute war dann der erste Ultraschall nach Stimulationsbeginn, also wie immer nach einer Woche.

Ich musste sehr wenig warten und hatte eine nette junge Ärztin, deren Namen ich mir noch nicht gemerkt habe, die ich aber vor einer Woche auch schon hatte. Sehr sympathisch, wir flachsen immer ein bisschen rum, aber gleichzeitig ist sie professionell, erklärt gut, und beantwortet Fragen. Und fragt sogar nach, ob ich Fragen habe UND gibt mir Zeit, darüber nachzudenken, ob ich Fragen habe. Das machen ja irgendwie immer nur die Ärztinnen, nie die Ärzte!

Wie dem auch sei, der Ultraschall ergab eine noch sehr flache Schleimhaut (nicht so gut, den Wert habe ich mir irgendwie dieses Mal nicht gemerkt) und nur drei größere Follikel. DREI! Alle auf der rechten Seite. Ein paar kleinere (winzige) gab es rechts auch noch und links war GAR NICHTS. NULL. NADA! Was geht?!

Ich wurde ganz nervös. Die Ärztin blätterte in den Unterlagen und beruhigte mich, das sei gar kein Problem, das sei bei der IVF auch schon so gewesen und da hätten wir ja auch am Ende eine Menge rausgeholt. Ich blieb skeptisch, aber nun gut. Machen kann ich eh nichts daran. Das Puregon wird nun erhöht (wie hoch, erfahre ich heute Mittag), Menogon bleibt gleich.

Ich habe nachgeschaut, wie es bei der IVF denn nun tatsächlich war (ich sagte ja, ich schätze die Dokumentationsfunktion dieses Blogs manchmal sehr):

Sie entdeckte eine 6 mm dicke Gebärmutterschleimhaut (einwandfrei), rechts 3 große Follikel und 5 kleinere, sowie links die bekannte eingeblutete Zyste und noch 7 Follikel. Also 15 insgesamt.

Naaaa jaaaa. Ja gut, 3 größere (so 11-15 mm) waren ja auch dieses Mal wieder dabei. Die winzigen hat sie nicht gezählt… Sie waren aber auch echt mini. (Ich finde es übrigens faszinierend, was man mittlerweile im Ultraschall alles erkennt. Früher waren das nix als grisselige Landkarten für mich…. Heute weiß ich, ah guck an, die Gebärmutterschleimhaut, und so weiter.)

Na, ich versuche, mich nicht verrückt zu machen. Erstens würde es sowieso nichts ändern. Zweitens denke ich mir: Wir hatten immer unsere 14-15 Follikel, aber was hat es uns gebracht? Nichts. Also vielleicht leben wir einfach damit, dass es weniger sind, wenn sie dafür eine bessere Qualität haben? Natürlich immer vorausgesetzt, dass sie das dann auch tatsächlich haben. Weiß man ja nicht.

Heute Mittag kriege ich die Info über die neue Puregon-Menge und Freitag darf ich dann zur Kontrolle wiederkommen. Ob dann am Montag schon die Punktion stattfindet? Ich bin gespannt und hoffe auf den Mittwoch, aber halte es für nicht sooo wahrscheinlich.

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Orrrrrr.

Boah. Ich habe es ja auch erst gefühlte zwei Milliarden Mal hier erwähnt, aber mir geht die Organisation unserer Klinik sooo auf den Senkel! Das muss ich gerade mal hier rauslassen.

Man kann ihnen Emails schreiben oder dort anrufen. Da ich gern Dokumente per Mail sende und man beim Anrufen auch beizeiten nur schlecht durchkommt, maile ich gern. Das Problem ist, dass sie bei Emails unfassbar unorganisiert und unempathisch antworten.

Schreibe ich also eine Email, in der steht:

„Hallo, wir möchten mit der ICSI anfangen, welche Werte brauchen Sie noch neu von mir, wie alt dürfen die Ergebnisse sein, und benötigen Sie auch noch irgendwas von meinem Mann?“

Dann lautet die Antwort:

„Hallo, wir benötigen von Ihnen noch TSH, Krebsvorsorge und einen HIV-/Hepatitis-Test. MfG, Ihre Klinik“

Das wiederum führt dann natürlich zu drei Nachfrage-Emails, einfach stumpf, weil sie nicht konzentriert antworten. Das unterstelle ich jedenfalls. Die Info, dass die Werte maximal ein Jahr alt sein dürfen, hätte man durchaus in die Email reinpacken können, ohne groß irgendwas nachgucken zu müssen. Im Prinzip wusste ja sogar ICH das schon, und die werden das erst Recht aus dem Effeff wissen. Und dass sie wegen meines Mannes nachgucken müssen, ist ja auch nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Jedenfalls dachte ich, dieses Mal bin ich schlauer und rufe an. Da sind sie immer superfreundlich, bemüht, haben alle Zeit der Welt und sind empathisch und hilfreich. Ist halt nur immer schwierig, weil ich ja während meiner Arbeitszeit anrufen muss. Tja, schade, dass dieses Mal die Mitarbeiterin nur 2 meiner 3 Fragen beantworten konnte. „Schreiben Sie doch dazu bitte eine Email…“ 😉 Mir war schon klar, dass das nur so halbwegs funktioniert. Da kann ich noch so detailliert nachfragen! Das regt mich tiiiierisch auf, dass man ihnen alles aus der Nase ziehen muss!

Momentan: Die Krebsvorsorge (sollte von meiner FA-Praxis gefaxt werden) fehlte noch, sonst war alles da. Ich habe dann heute noch mal nachgehakt, ob das Fax jetzt da war, sonst hätte ich noch mal in der Paxis gefragt. Ja, das Fax ist angekommen. Punkt Ende Aus. Mehr Infos gibt es nicht. Ich kann mir jetzt natürlich denken, dass ich jetzt das Pillenrezept vermutlich per Post bekomme. Und dann vermute ich, dass ich die Pille im nächsten Zyklus nehme (keine Ahnung, ab dem wie vielten Tag – ab dem ersten? später?). Aber ey. DREI SÄTZE DAZUSCHREIBEN, wie es weitergeht, kann ja wohl nicht so schwer sein.

Ich muss im Beruf auch Kunden schreiben, und wenn der Kunde eine Frage hat, beantworte ich die und schreibe dazu, wie es jetzt weitergeht. (Ist meine Zahlung angekommen? – Ja, die Bestellung wird dann und dann versendet, Sie können dann und dann mit der Lieferung rechnen. Ich schreibe nicht einfach nur JA IST ANGEKOMMEN MFG!) Kundenservice, ey!

Tja. Mal sehen, ob das Rezept in den nächsten Tagen in meinem Briefkasten liegt (oder in welchem Briefkasten auch immer es dieses Mal landet). Dann rufe ich noch mal da an und hole mir ganz genaue Baby-Schritt-für-Schritt-Anweisungen ab. Vielleicht hab ich mich bis dahin etwas abgeregt.

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Gedanken zu meinem 33. Geburtstag

Was ich mag:

Kleine Kinderärmchen, die sich um meinen Hals schlingen. Meinen Mann mit den Kindern interagieren sehen. Meinen Namen aus Kinderkehlen gerufen hören, weil ich dringend mitspielen soll. Oder neben ihnen sitzen. Oder einfach nur schauen, was sie tolles kreiert haben. Selbst gemalte Bilder geschenkt bekommen. Ein brabbelndes Baby auf dem Fußboden. Ein Baby, das lacht, wenn ich Grimassen schneide. Die Verkleidungsideen meiner Nichte. Meinen Neffen mit dem Lego spielen sehen, das unser Wohnzimmer bevölkert (ganz ohne Kinder). Sätze wie „Wenn ich bei euch bin, ist es NIIIIE langweilig!“ hören. Das Gewicht eines vierjährigen auf dem Schoß. Meinen Stiefvater sehen, wie er mit der Babynichte herumalbert und mit der großen Nichte spielt (beides nicht seine Enkel, da ich Einzelkind bin). Kinder, die lustige, altkluge, falsch verstandene Dinge sagen und alle zum Lachen bringen.

Was ich mag:

Ruhe. Die Tür hinter dem Besuch schließen und erst einmal durchatmen. Abends auf dem Sofa sitzen, ein Glas Wein in der Hand, den Mann neben mir, Pizza futtern und eine Folge Serie schauen. Durchschlafen. Ausschlafen. Freiheiten haben, spontan sein. Sagen „Frag deine Mama“ und nicht „Schuld“ sein, wenn die Antwort Nein ist. Verwöhnen dürfen. Geld für überflüssigen Kram ausgeben – für mich. Nicht an Schulzeiten gebunden sein. Keine „Kind-krank-Tage“ auf der Arbeit durchboxen müssen.

Was ich mich frage:

Will ich Eltern sein, will ich Mutter sein? Oder will ich niedliche Kinder um mich herum haben? Will ich keine kinderlose Frau sein, weil es irgendwie dazugehört im Leben, weil man sich sonst rechtfertigen muss, weil es in meinem Lebensplan einfach immer mit drin war, ohne groß darüber nachzudenken? Ist es unsere Gesellschaft und unser Bild von der perfekten Biografie, die mich automatisch zum jetzigen Punkt in meinem Leben geführt hat? Hat sich mein Kinderwunsch ganz einfach überlebt, wenn ich jetzt sage, ich könnte es mir auch ohne Kinder vorstellen? Oder rede ich mir im Gegenteil genau das ein?

Niedliche Kinder sind gar nicht immer niedlich. Niedliche Kinder schreien und übergeben sich und lassen dich nicht schlafen, sie fordern und fordern und fordern. Gibt das Kinderlächeln tatsächlich so viel zurück, oder ist das eine Lebenslüge, die Mütter (und Väter) sich selbst vorgaukeln, weil es ja nun mal irgendwie gehen muss?* Kann ich – möchte ich – mein Leben über Jahrzehnte hinweg so stark verändern? Ist mal als Mutter wirklich so sehr fremdbestimmt, wie es meine Filterbubble derzeit darstellt? Aktionen wie #Muttertagswunsch machen mir in erster Linie wahnsinnig Angst vor dem Eltern werden, lassen meinen Kinderwunsch lächerlich und vollkommen hirnrissig wirken. Wenn es nach Twitter geht, wird man von Kindern die ganze Nacht über wachgehalten, weil sie ins Bett brechen, tagsüber lebt man im Chaos, hat kein Geld, keine Energie, keine Zeit, die Kinder haben wahlweise keine Kontrolle über ihre Körperfunktionen oder ihre Buntstifte und machen alle Dinge kaputt, die dir lieb sind. Wenn sie in die Schule kommen, schlägt man sich mit Lehrern rum, mit Hausaufgaben, mit Elternabenden. Man hat niemals seine Ruhe und niemals frei. Und irgendwann – irgendwann werden niedliche Kinder dann Teenager, finden dich als Mutter einfach nur total doof. Und Teenager sind außerdem gruselig. Und treten im Rudel auf. Oh Gott. Gefühlsmäßig darf man bei dem ganzen übrigens wählen: Sorge, Schuldgefühle, Angst, Wut, Schuldgefühle wegen der Wut, noch mehr Sorge, oh und natürlich Erschöpfung. Wobei, die ist immer da.

Ich bekomme Kinderliebe. Es gibt Kinder in meinem Leben, die mich liebhaben und bei mir sein wollen und mich feste drücken und küssen. Und hinter denen ich die Tür zumachen kann, und mich mit dem Mann anschauen und erleichtert aufatmen kann, und dann essen wir Pizza, trinken Wein und haben Sex. Mit offener Schlafzimmertür. Reicht das nicht? Will ich das verändern? WIESO will ich das verändern?

Die Frage nach der Zukunft. Wenn ich keine Kinder habe, werde ich auch keine Enkelkinder haben. Das täte sicherlich weh, noch einmal der Schmerz, den ich heute schon erlebt habe, als um mich herum alle schwanger wurden. In dreißig Jahren noch einmal? Wäre das genauso? Würde ich bereuen? Tatsächlich sage ich oft, ich will die ICSIs noch machen, um mir hinterher nichts vorwerfen zu können. Um sagen zu können, dass ich alles versucht habe und es nun einmal nicht sein sollte. Aber wenn ich es nur noch so sehe und nicht mehr verzweifelt darauf hoffe, endlich schwanger zu werden – sollten wir dann vielleicht nicht das Geld einfach sparen? Denn ja, zwei ICSIs wären unser gesamtes Erspartes. Auch wenn meine Eltern etwas zuschießen wollen.

Ich denke, vieles hat damit zu tun, dass wir in unserem Leben immer auf die nächste „Stufe“ zuarbeiten. Irgendwas muss ja als nächstes kommen. Kleine Dinge wie der nächste Urlaub, Weihnachten oder ein Geburtstag; und natürlich die großen Meilensteine. Das fängt doch an, wenn man ein Kind ist. Man arbeitet auf ein Ziel hin. In meinem Falle: Abitur. Studium und ausziehen von zuhause. Der erste Job. Die erste eigene Wohnung. Der erste unbefristete Job. Zusammenziehen. Das Ende der Fernbeziehung. Der Antrag. Die Hochzeit. Und dann kommen Kinder. So ist es halt. Ich überlege jetzt schon, das ich denn „stattdessen“ machen werde, wenn keine Kinder kommen. Dabei lebe ich doch gut vor mich hin. Was soll mein nächstes Ziel sein, wenn ich keine Kinder bekomme? Die Rente? Ein Hund? Ein Jobwechsel? Brauche ich ein Ziel? Wie lebt man ohne Ziel? Geht es nicht ohne?

 

 

* Und wenn es eine Lebenslüge ist, möchte ich die jeder Mutter und jedem Vater von Herzen gönnen und gar nichts, aber auch wirklich gar nichts verurteilen oder schlechtmachen. Man kann das nun einmal unmöglich objektiv beurteilen.

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Relaxed bis zum Anschlag.

6 Wochen – die Hälfte der Wartezeit auf die Krankenkassen-Reaktion bezüglich des Widerspruchs ist geschafft. Drei Monate haben sie ja Zeit. Wobei ich hier auch unterschiedliche (quasi widersprüchliche, höhö) Informationen zu gefunden habe. Ich denke, in ca. 2 Wochen werde ich mal nachhaken… Seufz.

Erstaunlicherweise ist das Thema Kinderwunsch bei mir derzeit ganz weit weg. Ich denke kaum daran, und wenn doch, ohne große Gefühlsregungen (WTF?!), sondern eher geschäftlich (Fristen, Anträge, Finanzen…), wenn das das richtige Wort ist. Neulich hat ein Kind im Park etwas niedliches gemacht, da musste ich lächeln. So wie früher. Ganz ohne das Pieksen, was sonst immer dazukam. Einfach nur der Gedanke „Oh wie süß“, nicht „Oh wie süß, ich will auch“. Wann und wie ist das passiert? Ich weiß es nicht.

Tatsächlich wünsche ich mir hauptsächlich, die Sache wäre endlich durch. So oder so. Ich stehe dem Kinderwunsch Tag für Tag etwas ambivalenter entgegen – zum einen tun Eltern mir oft Leid (derzeit ist ja mit der Aktion #Muttertagswunsch zumindest auf Twitter in aller Munde, was so schiefläuft), andererseits gehen sie mir auch gerne mal auf den Keks, weil sie sich doch teilweise manchmal sehr wichtig zu nehmen scheinen. Da will ich gar niemandem auf den Schlips treten, aber auch hier gerade wieder zum Muttertag: Wenn ich noch einmal „Nur eine Mutter weiß, was es bedeutet…“ lese, platzt mir die Hutschnur. (Was ist eine Hutschnur überhaupt, und wieso kann die platzen?)

Ich fürchte, hier bin ich etwas überempfindlich, denn natürlich leisten Mütter viel und haben eine anstrengende Aufgabe (Väter sollten im übrigen allerdings genau die gleichen Aufgaben haben, aber das nur am Rande, ist ein anderes Thema). Aber einfach dieses „Nur Mütter“-Mimimi. Mutter werden ist keine Leistung, sondern beruht halt zu großen Teilen auf Zufällen, die man schwer beeinflussen kann. Und dass es dann jede so gut macht, wie sie kann, sollte selbstverständlich sein. Ach ich weiß nicht. Wahrscheinlich spricht hier einfach doch wieder der unterschwellige Neid aus mir.

Wie dem auch sei, ich kann mir mittlerweile beide Varianten gut vorstellen, und die Variante MIT Kind macht mir mindestens genauso viel Angst wie die ohne, vielleicht sogar noch mehr. Dann würde schließlich alles anders! Aber ich würde es gern abschließen, im Falle des Falles, dass es nicht klappt, möchte ich nämlich Dinge tun, die jetzt gerade warten. Den Beruf wechseln zum Beispiel. Einen Hund anschaffen. Mir ein abschließendes Tattoo-Motiv überlegen, um das Thema abzuschließen.

Naja, ansonsten ist wie gesagt nicht viel los. Aber wir haben die Rechnung für die erste IVF jetzt bekommen (die war im November!!). Rund 2.000 Euro stehen drauf, davon müsste die Krankenkasse noch die Hälfte übernehmen (die übernimmt ja 75%). Also tausend Euro für nüschts. Kann ich mit leben. Die Rechnung kann ich hier ja vielleicht noch mal teilen. Zum Vergleich und als Recherchemöglichkeit für andere. Ich hätte mich gefreut, so was mal zu finden, bevor es bei uns losging.

Aber Mann, ich bin so relaxed momentan! Die Therapeutin hat mir das auch bestätigt. Ich darf erst in zwei Monaten wiederkommen. 😉 Mich bringt wenig aus der Ruhe und ich hatte schon lange keinen „schlechten Tag“ mehr. Tatsächlich fühle ich mich „in mir ruhender“ als lange zuvor. Verrückt. Aber sehr angenehm.

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Noch ein Update

So! Übers Wochenende hatte ich etwas Zeit, abzukühlen. Am Freitag habe ich tatsächlich kurz einen Klinikwechsel in Betracht gezogen, weil ich mich so geärgert habe. Allerdings habe ich mir dann gedacht, dass sich das für die zwei Behandlungen jetzt auch nicht mehr so richtig lohnt, dass ich der Klinik medizinisch 100% vertraue und dass ich keine Lust habe, mich mit der Suche nach einer neuen Klinik und dort dann wieder Wartezeiten, Untersuchungen und Co. rumzuschlagen.

Übrigens war die Post von der Andrologie mit den Spermiogrammen meines Mannes schon direkt am Samstag da. Ich bin gespannt, wann die Post von meiner Abteilung ankommt… Ich dachte immer, vielleicht braucht es einfach etwas länger wegen des Postsystems der Uni-Klinik (muss erst mal in die Poststelle und all so ein Kram). Aber wenn die andere Abteilung das hinbekommt, sollten die Kinderwunsch-Menschen sich mal etwas anstrengen.

Heute habe ich mich dann aufgerafft und in noch mal angerufen, weil ja noch so viele Fragen offen waren. Und der Anruf (nach 20 Minuten Warteschleife, ächz) war so viel positiver als die Email. Ich glaube, die sind einfach schriftlich nicht besonders gut und vielleicht auch gestresst. Jedenfalls war die Dame sehr einfühlsam und ein bisschen neugierig, stellte mehrere Nachfragen (denn ich hatte ja eigentlich aus einem anderen Grund angerufen). Dann meinte sie, so etwas hätte sie in fünf Jahren, die sie dort arbeitet, noch nicht erlebt. Es käme wohl mal sehr selten vor, dass eine Krankenkasse noch Spermiogramme sehen will, aber die anderen Dinge? Noch nie gehört hätte sie das. Und die „Krankenhausentlassungsberichte“ fand sie auch sehr obskur.

Jedenfalls, langer Rede kurzer Sinn: Ich darf direkt im kommenden Zyklus mit der Pille weitermachen, sie schicken mir ein neues Privatrezept zu. So verschwenden wir immerhin nur einen Zyklus. Bleibt die Hoffnung, dass der MdK jetzt nicht weiter rumzickt… Drückt die Daumen, bitte!

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Behandlungsplan-Krankenkassen-Gedönse-Update

Heute früh habe ich noch mal bei der AOK anrufen dürfen, da die versprochene Email nie gekommen war. Boah ey, ich meine. Wenn es eh schon alles kompliziert und bürokratisch ist, können dann nicht wenigstens die Menschen, mit denen man zu tun hat, zuverlässig sein!?

Whatever, ich bekam dann ein paar Minuten später auch endlich die Email mit der Liste der noch benötigten Unterlagen:

  1. alle Krankenhausentlassungsberichte bezüglich beider Partner der ca. letzten  zwei Jahre
  2. den letzten fachärztlichen gynäkologischen Bericht
  3. falls vorhanden, Bericht bezüglich erfolgter genetischer Untersuchung
  4. alle erfolgten Spermatogramme der letzten 15 Monate

Nun denn, damit kann man ja zumindest arbeiten. Allerdings: Krankenhausentlassungsberichte? Ich weiß immer noch nicht wirklich, was damit gemeint ist. Vor allem „beider Partner“. Wir waren nicht im Krankenhaus. Das einzige, das mir einfällt, ist die Bauch-/Gebärmutterspiegelung sowie die Entfernung des Uterumseptums. Beides allerdings ambulant. Ich schrieb also eine verunsicherte Email an die Kinderwunschklinik, in der ich alle meine Fragen ausschüttete und definitiv meiner Verunsicherung Ausdruck verlieh, mehrfach sogar, und meine Hoffnung ausdrückte, dass das Team – mit deutlich größerer Erfahrung in solchen Dingen als ich – da sicher besser Bescheid wisse als wir, und dass ich eigentlich gedacht hatte, der Behandlungsplan sei wie bei den letzten Malen eher Formsache gewesen, und wie ich denn jetzt weitermachen sollte von wegen Pille und so. Es war eine längere und definitiv schon leicht verzweifelte Email.

Die Antwort, komplett im Zitat:

Sehr geehrte Frau Wundersache,

den OP Bericht schicken wir Ihnen zu. Die Spermiogramme müssen Sie sich über die Andrologie unter der Nummer XXX anfordern.

Mit freundlichen Grüßen

Echt jetzt? Empathie, anyone? Ein freundliches Wort der Unterstützung? Oder ZUMINDEST alle meine Fragen beantworten?!?! Und die Spermiogramme müssen wir selber anfordern? Man muss dazu sagen: Die Kinderwunschklinik ist eine Etage unter der Andrologie (wir sind an einer Uni-Klinik), es sind also grundsätzlich schon getrennte Bereiche, die aber komplett miteinander verzahnt arbeiten. Zum Beispiel bei den Behandlungen vereinbart die Kinderwunsch-Abteilung für den Mann den Termin in der Andrologie, wo er die Probe abgeben muss – da funktioniert die Zusammenarbeit. Aber manchmal eben nicht und man blickt nicht so richtig durch, wann ja und wann nein. Mein Mann hat dann da angerufen und die Berichte angefordert – und dabei festgestellt, dass dort nicht mal unsere Adresse geändert worden ist. Man erinnert sich, ich habe das 3x mit der Kinderwunsch-Klinik ausdiskutiert, dass wir umgezogen sind. Das an die andere Abteilung weiterleiten geht aber offensichtlich ebenfalls nicht (nach der Email oben hat mich das aber auch nur mäßig gewundert).

Zusammenfassung: Ich bin genervt – jetzt wiederum von der Klinik. Organisatorisch sind die nicht so die Helden, und obwohl ich ihnen bisher immer voll und ganz vertraut habe, geht mir das mittlerweile echt auf den Sack. Am liebsten würde ich eine sarkastische Antwort schreiben und mich für die freundlichen und hilfreichen Worte bedanken. Aber nein. Das bringt ja auch nichts.

Den gynäkologischen Bericht hole ich mir ja ganz normal beim Frauenarzt, denke ich mal. Da war ich glücklicherweise Anfang des Monats. Genetische Untersuchungen wurden keine gemacht. Spermiogramme hat der Mann ja angeleiert und ich hoffe, der OP-Bericht reicht dann als „Krankenhausentlassungsbericht“ aus.

Wie geht es weiter? – Diesen Zyklus können wir natürlich vergessen. Gern hätte ich von der Kinderwunsch-Klinik gewusst, ob es Sinn macht, die Pille direkt im nächsten Zyklus weiterzunehmen. Wie sie die Chancen der Genehmigung einschätzen, nachdem diese Unterlagen da sind. Denn bis Montag muss ich die Pille noch nehmen, und man könnte ja direkt weitermachen nach einer regulären Pause. Ansonsten ist der März nämlich auch hinüber, und wir können erst im April mit der Pille anfangen, und würden die erste ICSI im MAI machen. IM VERFICKTEN MAI! Ich möchte nur mal sagen, dass ich am ZWEITEN JANUAR an die Kinderwunschklinik geschrieben habe, dass es losgehen soll. Ziemlich exakt sieben Wochen später haben wir noch NICHTS erreicht.

Ich fühle mich wie Sisyphus, der seine Kugel jedes Mal kurz vor dem Ziel wieder runterrollen sieht. Ich fühle mich wie ein Hürdenläufer, dem man jedes Mal, wenn die Ziellinie in Sicht ist, noch eine Hürde hinstellt. Man dreht sich zufrieden um und betrachtet das Hindernis, das man gerade überwunden hat – und dann schaut man wieder nach vorn und erschrickt, weil in dem kurzen Moment, den man zurückgeschaut hat, hat jemand schon wieder ein neues Hindernis vor einem aufgetürmt, noch ein bisschen größer und blöder als das davor, und man will doch einfach nur ankommen.

Ich will die blöden zwei ICSIs nur noch hinter mich bringen, um es abhaken zu können. Ich hab keinen Bock mehr. Ich glaube nicht mehr daran.