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Der Kampf mit der Akzeptanz

Am Fenster stehen und hinaussehen. Die Tränen kamen ganz plötzlich, ich las eigentlich nur den Satz „Aller guten Dinge sind drei“ und mir war schon klar, was kommen würde. Eine Bekannte ist schwanger mit dem dritten Kind, das erste kam 2013 zur Welt, das zweite 2014. Jetzt das dritte, wir versuchen es genau so lange und stehen hier, wo wir halt stehen.

Hinterrücks kommt sie immer mal wieder angeschlichen, die Ungerechtigkeit. Ich weiß nicht einmal, ob es Neid ist. Es ist dieses brennende Gefühl, das ich auch aus anderen Situationen kenne: „Aber das ist ungerecht!“

Und ich schaue aus dem Fenster. Ich weiß, dass ich lernen muss, zu akzeptieren. Nicht, dass wir kinderlos sind. Wer weiß, was noch kommt. Aber ich muss lernen, zu akzeptieren, dass jeder seinen eigenen Lebensweg hat. Dass das Leben keine Gerechtigkeit zu bieten hat. Diese Zeit, die wir hier mit der Kinderwunschthematik zubringen, die bekommen wir niemals zurück. Egal, ob Kinder kommen oder nicht. Das bleibt ein Teil von mir. Und ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt – über mich selbst, über meinen Mann und unsere Beziehung, über das Leben an sich. Hätte ich gern darauf verzichtet? Sicherlich. Aber das kann ich mir nicht aussuchen.

Lamentieren nützt ja nichts. Ich bin prinzipiell ein sehr pragmatischer Mensch, daher ist das ein Satz, der mich oft aus einem Tief herausholt: Es bringt ja doch nichts und was könnte ich jetzt stattdessen tun, was hilft? So funktioniere ich halt immer weiter. Funktionieren durch ablenken. Resilienz nennt meine Therapeutin das: Ich kann mit schlechten Situationen umgehen und sie für die persönliche Entwicklung nutzen. Yeah! Jeden Monat hole ich mir einen neuen Schulterklopfer ab, weil ich so toll mit allem umgehe.

Reicht das? Reicht es, dass ich zu 99% der Zeit gut damit lebe, einfach weil ich mich ablenke und an etwas anderes denke? Dass ich mir immer wieder aktiv sage, wie gut es uns geht, und dass mir durchaus bewusst ist, dass auch ein Leben ohne Kinder lebenswert ist, obwohl der Gedanke wehtut? Kann ich diese Kinderwunschjahre irgendwann als ganz normalen Teil meines Lebens akzeptieren? Kann ich anderen zur Schwangerschaft gratulieren, auch zur dritten in vier Jahren, ohne dabei diese brennende Ungerechtigkeit zu spüren?

Ich habe keine Antwort, aber ich habe mir vor kurzem dieses Buch bestellt: „Living the life unexpected – 12 weeks to your plan B for a meaningful and fulfilling future without children„. Ich bin sehr gespannt – jetzt muss ich noch die Zeit finden, es auch zu lesen…

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Noch zwei Tage Warteschleife

Noch zwei Tage. Dann wissen wir Bescheid. Mehr oder weniger werden wir sogar schon morgen Abend Bescheid wissen. Der Schwangerschaftstest zuhause am Abend vor dem Bluttest in der Klinik ist und bleibt bei mir gesetzt. Wir haben Kinokarten für morgen, das wird uns etwas ablenken. Anschließend werde ich testen.

„Hast du wirklich noch gar kein Gefühl, ob es geklappt hat?“, fragte mich mein Mann gestern Abend im Bett. Nein, gar keins. Ich registriere verschiedene Dinge, die mein Körper so macht – ich möchte sie bewusst nicht „Anzeichen“ nennen. Ich weiß genau, dass es sowohl das eine als auch das andere bedeuten kann. Oder gar nichts. Ich weiß genau, dass ich nichts weiß. Meine einzige tatsächliche Schwangerschaft habe ich nie bemerkt, ich hatte keinerlei dieser „Anzeichen“, aber sie war ja auch nicht intakt. Was weiß ich denn schon, wie sich eine Schwangerschaft anfühlt?

Ich habe mir Google-Verbot erteilt. Nein, ich gebe nicht jede kleine Andersartigkeit meines Körpers in die große Datenkrake ein, nur um dann zu erfahren, dass das ein Schwangerschaftsanzeichen sein kann, aber natürlich nicht muss, dass es keine verlässlichen Anzeichen gibt, und dass Frau Müller aus Hintertupfingen im August 2008 genau die gleiche Frage gestellt hat und Frau Meier aus Ackershausen geantwortet hat, dass das bei ihr ganz genau so war und das Ergebnis jetzt 3 Jahre alt ist und gerade Mittagsschlaf hält (automatisch rechnet mein Kopf aus, dass das Ergebnis mittlerweile schon 11 Jahre alt ist und vermutlich keinen Mittagsschlaf mehr macht), aber Frau Schmidt aus Oberammergau hatte das auch ganz genau so und bei ihr war der Test blütenweiß, und Frau Müller aus Hintertupfingen hat sich danach nie wieder gemeldet, was das jetzt bei ihr zu bedeuten hatte.

Wie naiv ich vor 3 Jahren noch jeden Pups in die Suche eingegeben habe. Ja, jeden Pups. Ja, Blähungen können ein Anzeichen für eine Schwangerschaft sein. Alles kann ein Anzeichen für eine Schwangerschaft sein. Zuckerrosa pupste ich vor 3 Jahren vor mich hin und schrieb in mein Tagebuch eine Liste mit Schwangerschaftsanzeichen, die ich gerade hatte, aber was daraus geworden ist, wissen wir ja alle.

Also sitze ich hier und warte ab. So ganz ohne Gefühl. Wenn ich darüber nachdenke, dann erwarte ich mir nicht viel von diesem Versuch. Das ist nicht die Gefühlsebene, sondern der Kopf. Gefühlt? Ich habe kein Gefühl, keine Tendenz. Ich habe natürlich Gefühle (wäre ja auch komisch, wenn nicht), aber nicht dazu. Ich fühle mich nicht schwanger, ich fühle mich auch nicht normal. Klar, ich ramme mir ja auch immer noch jeden Abend eine Spritze in den Bauch und nehme 3x täglich ein Medikament gegen Wechseljahrsbeschwerden. Mein Folsäurehaushalt ist seit Jahren so hoch, dass ich dem Hersteller von Folio Forte vermutlich die Weihnachtsfeier finanziert habe. Wie soll ich da auch sagen können, ich fühle mich normal.

Ab und zu erlaube ich mir Tagträumereien. Vom Babybäuchlein unterm Weihnachtsbaum, vom Geburtstag im Juli, von der Bekanntgabe der Schwangerschaft im Büro.

Ab und zu erreichen mich ganz andere Träumereien. Von Anrufen in der Klinik, von neuen Behandlungsplänen, von Zeitmanagement und ob es noch in diesem Jahr klappt und wann wir im Januar wieder loslegen können.

Ich bin etwas aufgeregt, aber erstaunlich ruhig. Routiniert durch die Warteschleife. Meine Therapeutin lobt mich Monat für Monat, wie gut ich das mache. Wir waren uns einig, dass ein Termin nach dem Test nicht notwendig ist, sondern wir im gewohnten Rhythmus bleiben können (so dass ich erst wieder in 3 Wochen dort sein werde) – ja, auch ich bin der Ansicht, dass ich ein Negativ verkraften werde. Sogar gut verkraften werde. Meine Reaktion auf die schlechte Befruchtung (die in diesem Moment gefühlt ja sogar gar keine Befruchtung war, denn ich ging zu 100% davon aus, dass unser Einzelkämpfer es nicht schafft) hat mir das gezeigt. Bisschen weinen, bisschen hadern, bisschen jammern – Rücken gerade, weitermachen. So wird das auch dieses Mal laufen. Ich bin für den Moment fertig mit den tiefen Löchern, ich habe meine Leiter dabei und kann selbst wieder rausklettern, auch wenn es anstrengend ist.

Und so ungerecht, gemein und traurig das doch alles ist, das ist doch auch irgendwie eine beruhigende Erkenntnis.

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Zweite IUI: Zyklustag 8

Heute bin ich so emotional, dass ich auf dem Weg von der Klinik zur Arbeit vor Wut losheule, als ein Auto auf dem Radweg steht (und zwar nur, weil der Fahrer mit jemandem quatschen wollte, der auch noch so wild gestikuliert, dass ich fast vom Rad falle). Ich weiß nicht, ob das alles an den Hormonen liegt oder einfach an der psychischen Belastung durch die Behandlung, oder doch daran, was ich gerade in der Klinik gehört habe, aber schön ist es nicht.

Auf dem Ultraschall hat die Ärztin heute zwei eingeblutete Zysten entdeckt – eine links, eine rechts – und meinte, das könnte die Endometriose sein, die wieder da ist. Die OP ist ja nun auch schon wieder ein Jahr her, aber wissen kann man es erst einmal nicht. Abwarten ist wieder einmal die Devise und ich soll und will natürlich auch nicht präventiv noch einmal aufgeschnitten werden. Ich will eigentlich gar nicht mehr aufgeschnitten werden. Das kotzt mich an.

Wie auch immer, ansonsten ist es wohl so, dass die Blutwerte „hoch“ sind (was immer das bedeutet), das Eibläschen ist nicht viel weiter gewachsen (15,3 mm), aber die Schleimhaut sieht auch gut aus (heute habe ich sogar die 3 Schichten gesehen, nachdem ich wusste, worauf ich achten muss). Also bleibt es wohl beim Montag. Mal sehen, der Anruf mit der genauen Info kommt ja erst heute Mittag.

Meine Puregon-Dosis wurde dann übrigens gestern doch nicht mehr erhöht, so dass es bei 50 Einheiten blieb.

Passen tut mir das zeitlich mal wieder gar nicht in den Kram. Wenn ich Samstag die Auslösespritze nehmen muss, sind wir unterwegs, ich darf mir die Spritze dann wohl abends beim Konzert auf der Toilette setzen. Wie so ein Junkie. Noch blöder: Montag habe ich eigentlich eine Schulung von der Arbeit aus – in einer anderen Stadt. An 99% der Tage kann ich mir meine Zeit frei einteilen, aber natürlich muss es wieder irgendwie unpassend kommen. Ich bin sauer auf mein Leben.

Gestern also mit dem Chef telefoniert und gesagt, dass ich Montag wohl doch nicht zur Schulung kommen kann, weil ich einen nicht verschiebbaren Arzttermin habe. Natürlich hat er diskutiert, ob ich den nicht doch verschieben kann, und ich habe dann gesagt, ich kann schauen, aber es hängt nicht von mir oder der Praxis ab, sondern von meinen Blutwerten heute. Und natürlich hat er dann gefragt, was denn eigentlich wäre. „Da möchte ich jetzt eigentlich nicht drüber reden“ hat aber als Antwort ausgereicht, er sagte „Das kann ich verstehen“ und wir wechselten das Thema, aber unangenehm war es mir schon. Das war das erste Mal, dass einer meiner Chefs (ich habe zwei) nachfragte, worum es eigentlich geht bei meinen ganzen Arztterminen. Eigentlich sind beide da sehr professionell und ich glaube, er hat auch mehr aus Höflichkeit gefragt. Ist ja für beide blöd, wenn man so telefoniert. Nicht nachfragen signalisiert ja auch irgendwie Desinteresse. Nun ja, wir haben es gemeistert.

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Die ganze Welt ist schwanger.

Momentan geht’s mir psychisch nicht so supergut. Genau genommen fühle ich mich zeitweise richtig verbittert. Auf meinem „normalen“ Instagram (also nicht dem „Kinderwunsch-Instagram“) ist eine nach der anderen schwanger, oder postet stolz Babybilder. Die alle ganz toll sind. Alle kriegen tolle süße Kinder, keiner hat Probleme, alle sind so glücklich. Ich gebe diesen Posts aus Prinzip keine Herzen, einer Dame bin ich sogar entfolgt, weil sie so fucking glücklich ist. Was natürlich ziemlicher Kindergarten von mir ist.

Mit der Schwangerschaft meiner Schwägerin komme ich auch nicht besonders gut klar, sie hat jetzt bei Whatsapp so ein tolles Profilbild, so ein ganz witziges mit einer Sicherheitsnadel, in der eine andere Sicherheitsnadel liegt (wer es sich nicht vorstellen kann, googelt einfach mal „Sicherheitsnadel schwanger“)… Mir wird ein bisschen schlecht, wenn ich das sehe, und ich fürchte, dass ich mich da völlig reinsteigere. Ich kann mir meinen Schwager nicht als Vater vorstellen, ich weiß auch gar nicht, weshalb, weil er ein großartiger Onkel ist und mit Kindern super auskommt.

Unser (nur theoretisch vorhandenes) Kind wird also nicht das dritte, sondern frühestens das vierte Enkelkind meiner Schwiegereltern; der älteste Sohn ist der letzte, der Vater wird; und der Gedanke an ein Leben ohne Kinder, das mir zwischenzeitlich durchaus möglich schien und für eine winzige Zeitspanne sogar erstrebenswert, weckt jetzt in mir das Bedürfnis, Teller möglichst heftig auf den Boden zu werfen und zu schreien und mit dem Auto zu schnell zu fahren und vielleicht vor Wut gegen die Wand zu treten, hätte ich das nicht schon mal zu Studienzeiten gemacht und mir dabei eine so heftige Prellung zugezogen, dass ich eine Woche an Krücken gehen musste.

Ja, ich bin wütend und verbittert. Es ist ungerecht und ich hasse es. Ich versuche positiv zu sein, ich versuche, mich auf andere Dinge zu konzentrieren, ich mache wahnsinnig viel und ziehe positive Energie aus all den Dingen, die ich mache (Umzugsplanung, Bouldern, Konzerte, Urlaubsplanung, ich habe meinen „normalen“ Blog wieder aus dem Winterschlaf geholt, möchte wieder nähen und miste mein Nähzimmer vor dem Auszug gründlich aus, habe endlich alte Fotos eingeklebt und bin wie man sieht wahnsinnig beschäftigt.

Trotzdem. *wirft imaginäres Glas gegen imaginäre Wand*

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Kinderwunsch, Psyche und so

Beim Termin vor einer Woche hat die Therapeutin zielsicher festgestellt, dass der Kinderwunsch in meinem Leben einen großen Raum einnimmt. Ich meine, das ist weder neu noch überraschend. Aber manchmal braucht man eben einen Anschubser. Ich stimme ihr nämlich zu, wenn sie sagt, dass es mir wahrscheinlich im Alltag besser ginge, wenn ich mich mehr mit anderen Dingen beschäftigen würde. Wenn ich meine Zeit als große Torte betrachte, reicht es doch, wenn ein Stück davon dem Kinderwunsch gehört. Oder ein halbes. Denn mal ganz ehrlich: Es ändert ja nichts. Es ändert nichts, wenn ich ständig nachgrüble oder traurig bin oder vom Leben mit Kind träume. Es hilft nicht, aber es schadet sehr wohl, und zwar mir und meiner geistigen Gesundheit.

Ich fuhr fröhlich nach Hause nach diesem Termin, motiviert und optimistisch. Ich hielt beim Rewe, um meinem Mann und mir Star Wars-Überraschungseier zu kaufen und brachte noch eine Packung Ben & Jerry’s mit. Ich plante einen grooooßen, tollen Urlaub für 2017. USA? Kreuzfahrt? Schottland? All das spukte mir im Kopf herum.

Und was soll ich sagen? Es funktioniert. Am Abend malten mein Mann und ich uns diesen potenziellen Urlaub gemeinsam aus, wir saßen auf dem Sofa und redeten über ganz andere Dinge, und es war wunderbar!

Am Wochenende waren wir dann sowieso unfassbar abgelenkt. Wir hatten am Karfreitag eine Wohnungsbesichtigung für eine Eigentumswohnung. Wir fuhren mit dem Vorsatz hin, die Wohnung blöd zu finden. 😉 Als wir rauskamen, sah das anders aus. Am Samstag war schon die nächste Wohnung dran, eine Mietwohnung. Plötzlich hatten wir zwei Wohnungen, die wir toll fanden. Die Mietwohnung war aber schnell doch wieder raus, denn sie hatte keinen Balkon. Die Eigentumswohnung hielt uns länger fest. Der Haupt-Minuspunkt an dieser Wohnung waren die Kinderzimmer, die einfach winzig waren. 8 bzw. 10 Quadratmeter.

Am Sonntag riefen meine Eltern an und schlugen uns ein neues Finanzierungsmodell für die Wohnung vor, was für uns sehr positiv gewesen wäre. Am Ostermontag waren sie bei uns zu Besuch und wir schauten uns mit ihnen gemeinsam noch einmal die Wohnung an. Mein Papa, der alles kann 😉 , bemerkte mit Adlerauge sämtliche Mängel und verhandelte mit dem Verkäufer. Am Ende verabschiedeten uns mit den Worten „Wir werden da auf jeden Fall zusammenkommen“ und meine Eltern machten schon direkt am Dienstag einen Termin bei der Bank aus.

Am Montag konnten wir beide nicht einschlafen. Und wir hatten beide unsere Bauchschmerzen mit der Wohnung. Und als wir am Dienstag Abend spontan noch eine weitere Mietwohnung besichtigen konnten, die uns direkt umhaute und perfekt war, realisierten wir: Die Eigentumswohnung ist nix für uns. Wenn man kauft, sollte es sich nicht so anfühlen. Sondern mindestens so wie in der Mietwohnung am Dienstag. Weshalb wir die dann auch zusagten. Der Vermieter will uns auch haben, so dass wir in einer Woche den Mietvertrag unterschreiben werden. Aufregung!!! Es wird übrigens eine 4-Zimmer-Wohnung und die beiden pozentiellen Kinderzimmer werden erst mal als Näh- und Arbeitszimmer genutzt.

Tja, und so war in den letzten Tagen der Kinderwunsch in meinen Gedanken völlig in die Ecke gedrängt. Einen Kuchenkrümel hat er nur bekommen, um bei der Metapher von oben zu bleiben. Wenn es um die Kinderzimmer in den Wohnungen ging, meldete er sich zu Wort, zusammen mit den Zweifeln, ob und wie viele und wann… Aber auch wenn es eine absolute gefühlsmäßige Achterbahn war, ging es mir dabei doch unfassbar gut. Ich war aufgeregt und motiviert und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit meinem Mann auf dem Sofa zu sitzen und die verschiedenen Szenarien durchzuspielen, und ihm bei den Wohnungsbesichtigungen verstohlene Blicke zuzuwerfen, um zu sehen, ob er gerade das gleiche denkt wie ich (und das tat er meistens). Egal, wo wir hinziehen – wir werden glücklich sein. ❤

Jedenfalls merke ich, wie gut mit der Abstand vom Kinderwunschthema tut. Daher werde ich das beibehalten. Wir haben ja nun viel zu planen – im Sommer steht ein Umzug an! Ich werde etwas weniger Blogs lesen und Instagram nutzen, denke ich. Dafür etwas mehr Einrichtungsinspiration suchen und vom Frühling träumen. Urlaube planen und mich mit anderen Dingen beschäftigen. Ein zweites Tattoo? Ein Jobwechsel? Alles scheint möglich, gerade.

Ach ja, eigentlich soll ich für die Therapeutin Stimmungsprotokolle führen. Ähem, das habe ich einen Tag lang geschafft und dann nie wieder. Hüstel. Ich kann trotzdem sagen, was meine Gedanken so Tag für Tag beschäftigt hat. Das Thema Wohnen. Kaufen, Mieten, Vorort, Großstadt, wie groß, wie teuer, wie neu… Da war kein Platz für anderes. 😉 Mal sehen, ob ich noch mit den Protokollen anfange. Mein nächster Termin ist erst in 2 Wochen.

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Mein erster Besuch bei der Psychotherapeutin – die zweite ;-)

Nach dem ersten Besuch bei der Therapeutin folgte ein zweiter erster Besuch – nämlich bei einer anderen Therapeutin! Das war am Freitag, ich habe wieder ein bisschen Zeit verstreichen lassen, bevor ich jetzt darüber schreibe. Der Einfachheit halber nenne ich die beiden jetzt einfach mal Therapeutin 1 und 2, weil das einfacher zu merken ist als Dr. T. und Dr. K., denke ich mal!

In der zweiten Praxis fühlte ich mich gleich wohler, alles war etwas lockerer. Die Therapeutin hat mich ein bisschen an meine Mutter erinnert von der Art her (was nichts schlechtes ist) und ich fühlte mich gleich mehr auf einer Wellenlänge als bei der ersten Therapeutin.

Die Stunde lief dann auch völlig anders ab. Während wir bei Therapeutin 1 gefühlt gleich in die vollen gegangen sind, war es bei Therapeutin 2 wirklich erst mal eine Bestandsaufnahme. Sie hat mir Fragen gestellt, aber wo bei Therapeutin 1 gleich schmerzende Nachfragen kamen, die den Finger in die Wunde legten quasi, hat sie nur genickt und aufgeschrieben. Dann hat sie mir noch etwas zur Verhaltenstherapie an sich erzählt, was das eigentlich ist und so, mir zwei Fragebögen mitgegeben und schon gleich zwei neue Termine mit mir vereinbart (Therapeutin 1 möchte, dass ich mich nach dem ersten Termin entscheide, ob ich bei ihr bleiben will; Therapeutin 2 lässt uns erst mal die 5 Probetermine Zeit, die die Kasse sowieso übernimmt. Möglich, dass Therapeutin 1 das auch tut, wenn ich mich für sie entscheide, aber es klang erst mal anders.). Entsprechend ist der heutige Post auch deutlich kürzer als der letzte – es gibt einfach weniger zu grübeln und rekapitulieren.

Natürlich hat mir auch Therapeutin 2 Rückmeldung gegeben und etwas zu meinen Problemen gesagt. Alles in allem hatte ich aber das Gefühl, dass sie die Probleme nicht als so schwerwiegend empfindet wie Therapeutin 1. Und das Gefühl habe ich auch, eigentlich. Mir geht es viel besser und meine letzte „schlechte“ Phase ist jetzt schon ungefähr 3-4 Wochen her. Sie warf erst einmal die Begriffe „Anpassungsstörung“ bzw. „Belastungsstörung“ in den Raum und wenn ich das so durchlese, passt das schon ganz gut. Sie meinte auch, dass ich vermutlich nicht so viele Gespräche brauche, was ebenfalls meinem Empfinden entspricht (derzeit).

Generell war dieser Besuch für mich sehr viel einfacher – vermutlich auch, weil ich meinen Text ja erst vor 5 Tagen aufgesagt hatte. Im Gegensatz zu Montag habe ich nicht einmal weinen müssen, während ich beim ersten Termin bei meinem Bericht über die Fehlgeburt in Tränen aufgelöst war. Das ist sicher vieles auf einmal: Tagesform, die Tatsache, dass ich erst vor wenigen Tagen das erste Gespräch hatte, und dass ich mich in der Praxis wohler fühlte als in der ersten.

So gesehen spricht also einiges für Therapeutin 2 und ich werde sie vermutlich auch wählen (zu 95%).

Was mich noch verunsichert, ist: Therapeutin 1 war mir zwar bei weitem nicht so sympathisch und ich habe mich dort nicht so wohl gefühlt – von ihr kamen aber bisher die hilfreicheren Anstöße. Einiges davon habe ich sogar direkt im Gespräch bei Therapeutin 2 ausgesagt. Und vielleicht ist es besser, wenn man sich mit seiner Therapeutin ein bisschen reibt? Andererseits war es bei Therapeutin 2 wirklich erst einmal nur eine Bestandsaufnahme-Sitzung. Und alle sagen mir immer, wie wichtig es ist, mit der Therapeutin auf einer Wellenlänge zu sein und sich wohl zu fühlen.

Hmm. Was meint ihr? Eure Kommentare haben mir bisher immer gute Anstöße gegeben – danke dafür! 🙂

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Mein erster Besuch bei der Psychotherapeutin

Am Montag war es soweit: Ich hatte meinen ersten Termin bei der Therapeutin. Bei der ersten Therapeutin, wohlgemerkt, denn am Freitag habe ich den ersten Termin bei einer anderen Therapeutin. Man sollte sich ja mehrere anschauen, um zu sehen, bei wem es am besten passt…

Nun ist der Termin schon zwei Tage her und ich kann immer noch nicht so richtig sagen, wie ich es fand. Einem Freund, der nachfragte, sagte ich: Die Praxis war sehr hell und schick, und sie war es irgendwie auch. Ich fand sie definitiv nicht unsympathisch… Aber halt auch nicht so richtig auf einer Wellenlänge. Und da ich keinerlei Erfahrung in so etwas habe, weiß ich nicht, wie es sein sollte! Ein professioneller Abstand ist sicherlich viel hilfreicher als wenn wir gemeinsam über meine Witze gackern… Oder?

Ich habe jedenfalls als erstes geschildert, weshalb ich überhaupt bei ihr bin. Antriebslosigkeit, Kraftlosigkeit, diese Wut und am meisten stört mich momentan diese fürchterliche Unkonzentriertheit, vor allem auf der Arbeit. Dann fragte sie nach äußeren Belastungen… Natürlich kam dann das Thema direkt auf den Kinderwunsch.

Ich erzählte von den Behandlungen und Untersuchungen, und als ich auf die Fehlgeburt zu sprechen kam, kamen die Tränen. „Und wenn Sie traurig sind, dann lachen Sie.“ stellte die Therapeutin fest und ja, ich fühlte mich ertappt, wenn ich von so etwas erzähle, dann muss ich zwar weinen, aber dennoch lache ich dabei und mache Handbewegungen, die es irgendwie wegwischen sollen – als wäre es nicht so wichtig. Eine spannende Beobachtung, fand ich.

Es hat mich erstaunlich demotiviert, als ich vom Abnehmen erzählte und sie direkt meinte „Und wieso tun Sie sich das jetzt auch noch an, wo es Ihnen sowieso schon nicht so gut geht?“ Ähm. Meine wörtliche, erste spontane Antwort war „Weil ich es kann“ und ja, mir ist erst hinterher klar geworden, wie wahr das ist. Dass mich das Abnehmen erstaunlich wenig bis überhaupt nicht belastet, weil es einfach etwas ist, worüber ich ziemlich problemlos die Kontrolle haben kann. Und ich glaube, darum geht es auch bei mir. Kontrolle haben. Daher ja auch das Tattoo… 😉 Dennoch habe ich gestern erst mal jede Menge gefuttert und heute bin ich mit einem Freund bei Burger King verabredet, so als hätte mir diese Frage die Erlaubnis gegeben. Dämlich. Aber nun gut, ich habe sowieso entschlossen, momentan erst mal wieder etwas mehr zu essen, damit eine mögliche Schwangerschaft nicht darunter leidet.

Nun ja, es war ja die erste Stunde und so sind wir im Schnelldurchlauf einmal alles durchgaloppiert, was mein Leben irgendwie ausmacht. Der Kinderwunsch als größte Thematik, dann die Sache mit dem Wohnen, die Ehe (alles top), die Kindheit (alles top – „Sie waren wohl ein Sonnenkind?“ – „???“ – „Also, damit meine ich, Sie waren vermutlich immer fröhlich und haben viel gelacht?“ – ja, ziemlich genau so hat meine Mama mich als Kind beschrieben).

Am Ende konstatierte sie, mein größtes Thema wäre wohl unbewältigte Trauer wegen der Fehlgeburt und das Gefühl, nicht richtig zu „funktionieren“, vor allem halt als Frau. Tja, was soll ich sagen? Ich fürchte, das trifft es.

 

So weit, so gut. Aber habe ich mich damit jetzt gut gefühlt? Irgendwie nur so mittel. Ich fühle mich – und das ist jetzt vermutlich ziemlich bekloppt – überanalysiert, jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt (ich habe festgestellt, wie oft ich „Ich glaube“ oder „Ich denke schon“ anstatt „Ja“ sage und dann kommt direkt „Sie glauben…?“ – ähm, nein, ich weiß es eigentlich, aber so rede ich nun mal…). Ich fühlte mich ein bisschen, als wäre sie mein Gegner – das macht keinen Sinn! Es macht keinen Sinn, dass ich vor jeder Antwort meine Worte selbst auf die Goldwaage lege, damit sie keinen Grund hat, nachzufragen. Und natürlich muss sie den Finger in die Wunde legen, natürlich muss sie nachfragen, und natürlich macht das keinen Spaß. Das ist ihr Job! Aber ich fühlte mich nicht, als wären wir auf Augenhöhe. Aber müssen wir auf Augenhöhe sein? Wenn sie mir Fragen stellt wie „Aber ist es nicht so…“ und ich ihr zustimmen muss, weil es Sinn ergibt, was sie fragt. Oder wenn sie mir widerspricht und ich keine Argumente habe, obwohl ich nicht das Gefühl habe, dass das, was sie sagt, stimmt. Hmm. Es ist schwierig und ich weiß nicht, ob ich das hier sinnvoll aufgeschrieben habe.

 

Beispiel: Das Thema Hauskauf. Ich sagte, es mache wenig Sinn, in der jetzigen Situation ein Haus zu kaufen, weil wir ja gar nicht wissen, wie groß es sein sollte. Sie hielt dagegen und warf mir vor, ich hätte ja bereits aufgegeben, es sei viel zu früh zum Aufgeben. Und wieso wir denn keine Adoption in Betracht ziehen. (Und natürlich die obligatorische Geschichte über eine Patientin, die nach Aufgabe des Kinderwunsches und Adoption ganz von allein schwanger wurde und solche Geschichten würde man ja immer wieder hören. Ja. Weil man die Geschichten der anderen nicht hört, entgegnete ich.) Und während ich ihre Argumentation bezüglich des Hauskaufs durchaus nachvollziehen kann (es ist ja nicht so, als würden die potenziellen Kinderzimmer leerstehen, sollte es doch nicht klappen), finde ich nicht, dass ich aufgegeben habe. Ja, manchmal mache ich mir über Alternativen Gedanken, manchmal überlege ich, wie ein Leben ohne Kinder wäre und wie ich mit einem unerfüllten Kinderwunsch umgehen würde. Aber ist das nicht sinnvoll? Bin ich deswegen pessimistisch? Im Gegenteil, ich habe langsam den Eindruck, dass ich damit leben könnte, wenn es nicht klappt – und das macht mir Mut und ich fühle mich viel besser damit, weil ich Plan A und Plan B habe und einer davon wird auf jeden Fall eintreten. Zugegeben, manchmal komme ich dadurch auch ins Grübeln und frage mich, ob ich überhaupt Kinder möchte. Aber so ist das halt, wenn man sein Leben und seine Wünsche mal bewusst reflektiert. Oder nicht? Und Adoption kommt für meinen Mann nicht in Frage und ich muss sagen, es ist auch etwas anderes und mich schreckt dieser riesige Wust aus Bürokratie da enorm ab. Ich finde es sinnvol zu sagen „So weit gehen wir und weiter nicht“, und das sind für uns eben die Kinderwunschbehandlungen und dann möchten wir auch akzeptieren, wenn es nicht sein soll.

 

So. Wie klingt das für euch, von außen betrachtet? Ich habe wie gesagt überhaupt keine Erfahrung und weiß echt nicht, wie ich das alles finde! Ich fühlte mich nicht hundert Prozent wohl, aber es kamen schon jetzt in der allerersten Stunde einige wirklich interessante Anstöße und ich habe über Dinge nachgedacht, auf die ich so vielleicht nicht gekommen wäre. Von daher, hilfreich war es schon… Hach! Ich weiß auch nicht!