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Erste ICSI: Termine, Organisation, Gefühle in GIFs und all so etwas.

In den letzten Tagen – Wochen? – habe ich mich eher zurückgehalten. Mein letzter Beitrag war schon über die Kinderwunschklinik und wie genervt ich war. Da hatte ich also keine News, außer: Sie haben sich noch ein paar organisatorische Klöpse geleistet, und ich werde dennoch die Klinik nicht wechseln (sagt es also gar nicht erst), aber nach jeden Kontakt sah ich wieder ungefähr so aus:

Gestern hatte ich dann endlich Post von ihnen und die ließ mich in etwa so zurück, nachdem ich den Brief gelesen hatte:

Aber nun denn, ich habe es überstanden. Jetzt, nur einen Anruf später, habe ich alle Infos, die ich soweit brauche. Der Zeitplan sieht vor, dass ich am Montag mit dem Nasenspray anfange (ich freue mich schon so… NICHT! Synarela ist des Teufels!) und am 13.11. zum ersten Ultraschall in die Klinik kommen darf. Wenn alles so läuft wie letztes Mal, wäre dann also Ende November die Punktion.

Passt so… mittel in den Kram. Der Gatte beklagt sich, er hat wenige Tage vorher einen Abteilungsausflug und will eigentlich Alkohol trinken. Ich denke mir „Reiß dich zusammen und schluck diese eine Kröte“, denn irgendwie passt es ja immer nicht so richtig. Ich persönlich habe eine Fahrt zur besten Freundin in der Zeit geplant und schon ein Zugticket gekauft – wenn alles GENAU SO läuft wie beim letzten Mal, klappt das, aber falls es einen Tick schneller geht, wird es schwierig. Na mal sehen. Ich gucke mir alles momentan eigentlich nur so an und lasse es geschehen:

Ich bin nicht aufgeregt, ich habe keine Hoffnungen, ich habe so gar nicht besonders viele Gefühle. Ich weiß nicht, ob ich mir wirklich noch eine Schwangerschaft erhoffe oder ob ich das halt jetzt so durchlaufen lasse, weil man es eben bis zum Ende durchzieht. Was ich weiß ist, dass ich seit dem genehmigten Behandlungsplan wieder depressive Symptome habe, zum Glück nicht sehr oft, aber diese Tage sind schwierig. Letzten Endes ist diese ganze Sache mit dem Leben einfach wahnsinnig anstrengend und viel zu viel Arbeit. Keine Ahnung, ob es das Wert ist. Und fangt mir gar nicht erst an mit den Gedanken, die ich mir mache für den Fall, dass die Behandlung klappen sollte. Das wird eine Katastrophe. Alles ist eine Katastrophe.

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Therapie-Talk (ein Kinderwunsch-Offtopic-Post)

Mittlerweile habe ich nur noch alle zwei Monate einen Termin mit der Therapeutin. Das reicht völlig, denn vorher frage ich mich immer, worüber um alles in der Welt ich mit ihr reden soll. Diese Woche waren wir nach fünfzehn Minuten mit allen Themen erst mal durch. Mir geht es gut – ich denke, dass kam im letzten Beitrag hier auch gut rüber. Dennoch werde ich die verbliebenen sechs Termine wahrnehmen. Es tut mir trotzdem noch gut, mit ihr zu reden – ich hole mir etwas Lob ab und bekomme trotz allem immer noch Anstöße oder auch einfach mal Bestätigung, was auch viel wert ist.

Diese Woche habe ich dann noch mal meine berufliche Situation angesprochen… Auf Dauer muss sich da wirklich mal etwas tun. Ich fühle mich unterfordert – das führt dazu, dass ich meine Arbeit nicht ordentlich mache. Weil ich weiß, dass ich für einen 8-Stunden-Tag womöglich nur 2 Stunden Arbeit habe, fange ich gar nicht erst an, sondern surfe gleich erst mal sinnlos im Internet herum und verschwende meine Zeit. Die zwei Stunden Arbeit reiße ich dann unmotiviert runter, irgendwann später. Die Folge sind Flüchtigkeitsfehler, unnötige Wartezeiten für andere (ich KÖNNTE die Mail natürlich direkt morgens beantworten statt um 15 Uhr). Außerdem ist der Job nicht sonderlich gut bezahlt (er ist jetzt auch nicht waaaahnsinnig schlecht bezahlt, aber naja, etwas mehr könnte es schon sein), was mir allerdings nicht so wichtig wäre, wäre es ansonsten perfekt.

Dass ich nicht mein Leben hier verbringen werde, ist mir schon klar. Ich weiß auch nicht, was mit der Firma eines Tages passiert, wenn mein Chef zu alt ist (er ist ja jetzt schon Mitte 60). Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, in zehn Jahren noch hier zu sitzen und meine Lebenszeit zu verschwenden. Aber wer weiß. Die ersten fünf-sechs Jahre sind ja auch einfach so verflogen.

Da die Arbeit nicht schlimm ist, höchstens etwas öde, ich außerdem nette Kollegen habe und hervorragende Arbeitsbedingungen (höchste Flexibilität, unbefristete Stelle), ist der Leidensdruck nicht besonders hoch. Die Therapeutin sprach etwas flapsig von einem Luxusproblem, was sicherlich auch der Fall ist, denn es stört mich nur, wenn sonst alles gut läuft. 😉 Mein Problem ist: Ich habe keine Ahnung, was ich machen möchte. Da fühle ich mich auch mit Mitte 30 noch nicht schlauer als mit Anfang 20. Ist das nicht fürchterlich? Heute habe ich mal ein bisschen gegoogelt, ein bisschen Stellenanzeigen gelesen, ein bisschen Fortbildungsmöglichkeiten angeschaut. Das hat mich allerdings dann direkt ziemlich gestresst. Es gibt ja nichts schlimmeres als Bewerbungen.

Ich bewundere Menschen, die genau wissen, was sie tun wollen, oder glücklich in ihrem Job sind… Ich bin da zumeist indifferent und mache halt, was gemacht werden muss. Vermutlich ist es gar nicht schlimm, dass die Arbeit nicht mein Lebenszweck ist – auch die Therapeutin sagte, es sei völlig ok, wenn ich erst mal hier bleibe, da ich ja nicht unglücklich bin. Aber ey. Was macht man denn da?!

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Der Kampf mit der Akzeptanz

Am Fenster stehen und hinaussehen. Die Tränen kamen ganz plötzlich, ich las eigentlich nur den Satz „Aller guten Dinge sind drei“ und mir war schon klar, was kommen würde. Eine Bekannte ist schwanger mit dem dritten Kind, das erste kam 2013 zur Welt, das zweite 2014. Jetzt das dritte, wir versuchen es genau so lange und stehen hier, wo wir halt stehen.

Hinterrücks kommt sie immer mal wieder angeschlichen, die Ungerechtigkeit. Ich weiß nicht einmal, ob es Neid ist. Es ist dieses brennende Gefühl, das ich auch aus anderen Situationen kenne: „Aber das ist ungerecht!“

Und ich schaue aus dem Fenster. Ich weiß, dass ich lernen muss, zu akzeptieren. Nicht, dass wir kinderlos sind. Wer weiß, was noch kommt. Aber ich muss lernen, zu akzeptieren, dass jeder seinen eigenen Lebensweg hat. Dass das Leben keine Gerechtigkeit zu bieten hat. Diese Zeit, die wir hier mit der Kinderwunschthematik zubringen, die bekommen wir niemals zurück. Egal, ob Kinder kommen oder nicht. Das bleibt ein Teil von mir. Und ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt – über mich selbst, über meinen Mann und unsere Beziehung, über das Leben an sich. Hätte ich gern darauf verzichtet? Sicherlich. Aber das kann ich mir nicht aussuchen.

Lamentieren nützt ja nichts. Ich bin prinzipiell ein sehr pragmatischer Mensch, daher ist das ein Satz, der mich oft aus einem Tief herausholt: Es bringt ja doch nichts und was könnte ich jetzt stattdessen tun, was hilft? So funktioniere ich halt immer weiter. Funktionieren durch ablenken. Resilienz nennt meine Therapeutin das: Ich kann mit schlechten Situationen umgehen und sie für die persönliche Entwicklung nutzen. Yeah! Jeden Monat hole ich mir einen neuen Schulterklopfer ab, weil ich so toll mit allem umgehe.

Reicht das? Reicht es, dass ich zu 99% der Zeit gut damit lebe, einfach weil ich mich ablenke und an etwas anderes denke? Dass ich mir immer wieder aktiv sage, wie gut es uns geht, und dass mir durchaus bewusst ist, dass auch ein Leben ohne Kinder lebenswert ist, obwohl der Gedanke wehtut? Kann ich diese Kinderwunschjahre irgendwann als ganz normalen Teil meines Lebens akzeptieren? Kann ich anderen zur Schwangerschaft gratulieren, auch zur dritten in vier Jahren, ohne dabei diese brennende Ungerechtigkeit zu spüren?

Ich habe keine Antwort, aber ich habe mir vor kurzem dieses Buch bestellt: „Living the life unexpected – 12 weeks to your plan B for a meaningful and fulfilling future without children„. Ich bin sehr gespannt – jetzt muss ich noch die Zeit finden, es auch zu lesen…

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Noch zwei Tage Warteschleife

Noch zwei Tage. Dann wissen wir Bescheid. Mehr oder weniger werden wir sogar schon morgen Abend Bescheid wissen. Der Schwangerschaftstest zuhause am Abend vor dem Bluttest in der Klinik ist und bleibt bei mir gesetzt. Wir haben Kinokarten für morgen, das wird uns etwas ablenken. Anschließend werde ich testen.

„Hast du wirklich noch gar kein Gefühl, ob es geklappt hat?“, fragte mich mein Mann gestern Abend im Bett. Nein, gar keins. Ich registriere verschiedene Dinge, die mein Körper so macht – ich möchte sie bewusst nicht „Anzeichen“ nennen. Ich weiß genau, dass es sowohl das eine als auch das andere bedeuten kann. Oder gar nichts. Ich weiß genau, dass ich nichts weiß. Meine einzige tatsächliche Schwangerschaft habe ich nie bemerkt, ich hatte keinerlei dieser „Anzeichen“, aber sie war ja auch nicht intakt. Was weiß ich denn schon, wie sich eine Schwangerschaft anfühlt?

Ich habe mir Google-Verbot erteilt. Nein, ich gebe nicht jede kleine Andersartigkeit meines Körpers in die große Datenkrake ein, nur um dann zu erfahren, dass das ein Schwangerschaftsanzeichen sein kann, aber natürlich nicht muss, dass es keine verlässlichen Anzeichen gibt, und dass Frau Müller aus Hintertupfingen im August 2008 genau die gleiche Frage gestellt hat und Frau Meier aus Ackershausen geantwortet hat, dass das bei ihr ganz genau so war und das Ergebnis jetzt 3 Jahre alt ist und gerade Mittagsschlaf hält (automatisch rechnet mein Kopf aus, dass das Ergebnis mittlerweile schon 11 Jahre alt ist und vermutlich keinen Mittagsschlaf mehr macht), aber Frau Schmidt aus Oberammergau hatte das auch ganz genau so und bei ihr war der Test blütenweiß, und Frau Müller aus Hintertupfingen hat sich danach nie wieder gemeldet, was das jetzt bei ihr zu bedeuten hatte.

Wie naiv ich vor 3 Jahren noch jeden Pups in die Suche eingegeben habe. Ja, jeden Pups. Ja, Blähungen können ein Anzeichen für eine Schwangerschaft sein. Alles kann ein Anzeichen für eine Schwangerschaft sein. Zuckerrosa pupste ich vor 3 Jahren vor mich hin und schrieb in mein Tagebuch eine Liste mit Schwangerschaftsanzeichen, die ich gerade hatte, aber was daraus geworden ist, wissen wir ja alle.

Also sitze ich hier und warte ab. So ganz ohne Gefühl. Wenn ich darüber nachdenke, dann erwarte ich mir nicht viel von diesem Versuch. Das ist nicht die Gefühlsebene, sondern der Kopf. Gefühlt? Ich habe kein Gefühl, keine Tendenz. Ich habe natürlich Gefühle (wäre ja auch komisch, wenn nicht), aber nicht dazu. Ich fühle mich nicht schwanger, ich fühle mich auch nicht normal. Klar, ich ramme mir ja auch immer noch jeden Abend eine Spritze in den Bauch und nehme 3x täglich ein Medikament gegen Wechseljahrsbeschwerden. Mein Folsäurehaushalt ist seit Jahren so hoch, dass ich dem Hersteller von Folio Forte vermutlich die Weihnachtsfeier finanziert habe. Wie soll ich da auch sagen können, ich fühle mich normal.

Ab und zu erlaube ich mir Tagträumereien. Vom Babybäuchlein unterm Weihnachtsbaum, vom Geburtstag im Juli, von der Bekanntgabe der Schwangerschaft im Büro.

Ab und zu erreichen mich ganz andere Träumereien. Von Anrufen in der Klinik, von neuen Behandlungsplänen, von Zeitmanagement und ob es noch in diesem Jahr klappt und wann wir im Januar wieder loslegen können.

Ich bin etwas aufgeregt, aber erstaunlich ruhig. Routiniert durch die Warteschleife. Meine Therapeutin lobt mich Monat für Monat, wie gut ich das mache. Wir waren uns einig, dass ein Termin nach dem Test nicht notwendig ist, sondern wir im gewohnten Rhythmus bleiben können (so dass ich erst wieder in 3 Wochen dort sein werde) – ja, auch ich bin der Ansicht, dass ich ein Negativ verkraften werde. Sogar gut verkraften werde. Meine Reaktion auf die schlechte Befruchtung (die in diesem Moment gefühlt ja sogar gar keine Befruchtung war, denn ich ging zu 100% davon aus, dass unser Einzelkämpfer es nicht schafft) hat mir das gezeigt. Bisschen weinen, bisschen hadern, bisschen jammern – Rücken gerade, weitermachen. So wird das auch dieses Mal laufen. Ich bin für den Moment fertig mit den tiefen Löchern, ich habe meine Leiter dabei und kann selbst wieder rausklettern, auch wenn es anstrengend ist.

Und so ungerecht, gemein und traurig das doch alles ist, das ist doch auch irgendwie eine beruhigende Erkenntnis.

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Zweite IUI: Zyklustag 8

Heute bin ich so emotional, dass ich auf dem Weg von der Klinik zur Arbeit vor Wut losheule, als ein Auto auf dem Radweg steht (und zwar nur, weil der Fahrer mit jemandem quatschen wollte, der auch noch so wild gestikuliert, dass ich fast vom Rad falle). Ich weiß nicht, ob das alles an den Hormonen liegt oder einfach an der psychischen Belastung durch die Behandlung, oder doch daran, was ich gerade in der Klinik gehört habe, aber schön ist es nicht.

Auf dem Ultraschall hat die Ärztin heute zwei eingeblutete Zysten entdeckt – eine links, eine rechts – und meinte, das könnte die Endometriose sein, die wieder da ist. Die OP ist ja nun auch schon wieder ein Jahr her, aber wissen kann man es erst einmal nicht. Abwarten ist wieder einmal die Devise und ich soll und will natürlich auch nicht präventiv noch einmal aufgeschnitten werden. Ich will eigentlich gar nicht mehr aufgeschnitten werden. Das kotzt mich an.

Wie auch immer, ansonsten ist es wohl so, dass die Blutwerte „hoch“ sind (was immer das bedeutet), das Eibläschen ist nicht viel weiter gewachsen (15,3 mm), aber die Schleimhaut sieht auch gut aus (heute habe ich sogar die 3 Schichten gesehen, nachdem ich wusste, worauf ich achten muss). Also bleibt es wohl beim Montag. Mal sehen, der Anruf mit der genauen Info kommt ja erst heute Mittag.

Meine Puregon-Dosis wurde dann übrigens gestern doch nicht mehr erhöht, so dass es bei 50 Einheiten blieb.

Passen tut mir das zeitlich mal wieder gar nicht in den Kram. Wenn ich Samstag die Auslösespritze nehmen muss, sind wir unterwegs, ich darf mir die Spritze dann wohl abends beim Konzert auf der Toilette setzen. Wie so ein Junkie. Noch blöder: Montag habe ich eigentlich eine Schulung von der Arbeit aus – in einer anderen Stadt. An 99% der Tage kann ich mir meine Zeit frei einteilen, aber natürlich muss es wieder irgendwie unpassend kommen. Ich bin sauer auf mein Leben.

Gestern also mit dem Chef telefoniert und gesagt, dass ich Montag wohl doch nicht zur Schulung kommen kann, weil ich einen nicht verschiebbaren Arzttermin habe. Natürlich hat er diskutiert, ob ich den nicht doch verschieben kann, und ich habe dann gesagt, ich kann schauen, aber es hängt nicht von mir oder der Praxis ab, sondern von meinen Blutwerten heute. Und natürlich hat er dann gefragt, was denn eigentlich wäre. „Da möchte ich jetzt eigentlich nicht drüber reden“ hat aber als Antwort ausgereicht, er sagte „Das kann ich verstehen“ und wir wechselten das Thema, aber unangenehm war es mir schon. Das war das erste Mal, dass einer meiner Chefs (ich habe zwei) nachfragte, worum es eigentlich geht bei meinen ganzen Arztterminen. Eigentlich sind beide da sehr professionell und ich glaube, er hat auch mehr aus Höflichkeit gefragt. Ist ja für beide blöd, wenn man so telefoniert. Nicht nachfragen signalisiert ja auch irgendwie Desinteresse. Nun ja, wir haben es gemeistert.

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Die ganze Welt ist schwanger.

Momentan geht’s mir psychisch nicht so supergut. Genau genommen fühle ich mich zeitweise richtig verbittert. Auf meinem „normalen“ Instagram (also nicht dem „Kinderwunsch-Instagram“) ist eine nach der anderen schwanger, oder postet stolz Babybilder. Die alle ganz toll sind. Alle kriegen tolle süße Kinder, keiner hat Probleme, alle sind so glücklich. Ich gebe diesen Posts aus Prinzip keine Herzen, einer Dame bin ich sogar entfolgt, weil sie so fucking glücklich ist. Was natürlich ziemlicher Kindergarten von mir ist.

Mit der Schwangerschaft meiner Schwägerin komme ich auch nicht besonders gut klar, sie hat jetzt bei Whatsapp so ein tolles Profilbild, so ein ganz witziges mit einer Sicherheitsnadel, in der eine andere Sicherheitsnadel liegt (wer es sich nicht vorstellen kann, googelt einfach mal „Sicherheitsnadel schwanger“)… Mir wird ein bisschen schlecht, wenn ich das sehe, und ich fürchte, dass ich mich da völlig reinsteigere. Ich kann mir meinen Schwager nicht als Vater vorstellen, ich weiß auch gar nicht, weshalb, weil er ein großartiger Onkel ist und mit Kindern super auskommt.

Unser (nur theoretisch vorhandenes) Kind wird also nicht das dritte, sondern frühestens das vierte Enkelkind meiner Schwiegereltern; der älteste Sohn ist der letzte, der Vater wird; und der Gedanke an ein Leben ohne Kinder, das mir zwischenzeitlich durchaus möglich schien und für eine winzige Zeitspanne sogar erstrebenswert, weckt jetzt in mir das Bedürfnis, Teller möglichst heftig auf den Boden zu werfen und zu schreien und mit dem Auto zu schnell zu fahren und vielleicht vor Wut gegen die Wand zu treten, hätte ich das nicht schon mal zu Studienzeiten gemacht und mir dabei eine so heftige Prellung zugezogen, dass ich eine Woche an Krücken gehen musste.

Ja, ich bin wütend und verbittert. Es ist ungerecht und ich hasse es. Ich versuche positiv zu sein, ich versuche, mich auf andere Dinge zu konzentrieren, ich mache wahnsinnig viel und ziehe positive Energie aus all den Dingen, die ich mache (Umzugsplanung, Bouldern, Konzerte, Urlaubsplanung, ich habe meinen „normalen“ Blog wieder aus dem Winterschlaf geholt, möchte wieder nähen und miste mein Nähzimmer vor dem Auszug gründlich aus, habe endlich alte Fotos eingeklebt und bin wie man sieht wahnsinnig beschäftigt.

Trotzdem. *wirft imaginäres Glas gegen imaginäre Wand*

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Kinderwunsch, Psyche und so

Beim Termin vor einer Woche hat die Therapeutin zielsicher festgestellt, dass der Kinderwunsch in meinem Leben einen großen Raum einnimmt. Ich meine, das ist weder neu noch überraschend. Aber manchmal braucht man eben einen Anschubser. Ich stimme ihr nämlich zu, wenn sie sagt, dass es mir wahrscheinlich im Alltag besser ginge, wenn ich mich mehr mit anderen Dingen beschäftigen würde. Wenn ich meine Zeit als große Torte betrachte, reicht es doch, wenn ein Stück davon dem Kinderwunsch gehört. Oder ein halbes. Denn mal ganz ehrlich: Es ändert ja nichts. Es ändert nichts, wenn ich ständig nachgrüble oder traurig bin oder vom Leben mit Kind träume. Es hilft nicht, aber es schadet sehr wohl, und zwar mir und meiner geistigen Gesundheit.

Ich fuhr fröhlich nach Hause nach diesem Termin, motiviert und optimistisch. Ich hielt beim Rewe, um meinem Mann und mir Star Wars-Überraschungseier zu kaufen und brachte noch eine Packung Ben & Jerry’s mit. Ich plante einen grooooßen, tollen Urlaub für 2017. USA? Kreuzfahrt? Schottland? All das spukte mir im Kopf herum.

Und was soll ich sagen? Es funktioniert. Am Abend malten mein Mann und ich uns diesen potenziellen Urlaub gemeinsam aus, wir saßen auf dem Sofa und redeten über ganz andere Dinge, und es war wunderbar!

Am Wochenende waren wir dann sowieso unfassbar abgelenkt. Wir hatten am Karfreitag eine Wohnungsbesichtigung für eine Eigentumswohnung. Wir fuhren mit dem Vorsatz hin, die Wohnung blöd zu finden. 😉 Als wir rauskamen, sah das anders aus. Am Samstag war schon die nächste Wohnung dran, eine Mietwohnung. Plötzlich hatten wir zwei Wohnungen, die wir toll fanden. Die Mietwohnung war aber schnell doch wieder raus, denn sie hatte keinen Balkon. Die Eigentumswohnung hielt uns länger fest. Der Haupt-Minuspunkt an dieser Wohnung waren die Kinderzimmer, die einfach winzig waren. 8 bzw. 10 Quadratmeter.

Am Sonntag riefen meine Eltern an und schlugen uns ein neues Finanzierungsmodell für die Wohnung vor, was für uns sehr positiv gewesen wäre. Am Ostermontag waren sie bei uns zu Besuch und wir schauten uns mit ihnen gemeinsam noch einmal die Wohnung an. Mein Papa, der alles kann 😉 , bemerkte mit Adlerauge sämtliche Mängel und verhandelte mit dem Verkäufer. Am Ende verabschiedeten uns mit den Worten „Wir werden da auf jeden Fall zusammenkommen“ und meine Eltern machten schon direkt am Dienstag einen Termin bei der Bank aus.

Am Montag konnten wir beide nicht einschlafen. Und wir hatten beide unsere Bauchschmerzen mit der Wohnung. Und als wir am Dienstag Abend spontan noch eine weitere Mietwohnung besichtigen konnten, die uns direkt umhaute und perfekt war, realisierten wir: Die Eigentumswohnung ist nix für uns. Wenn man kauft, sollte es sich nicht so anfühlen. Sondern mindestens so wie in der Mietwohnung am Dienstag. Weshalb wir die dann auch zusagten. Der Vermieter will uns auch haben, so dass wir in einer Woche den Mietvertrag unterschreiben werden. Aufregung!!! Es wird übrigens eine 4-Zimmer-Wohnung und die beiden pozentiellen Kinderzimmer werden erst mal als Näh- und Arbeitszimmer genutzt.

Tja, und so war in den letzten Tagen der Kinderwunsch in meinen Gedanken völlig in die Ecke gedrängt. Einen Kuchenkrümel hat er nur bekommen, um bei der Metapher von oben zu bleiben. Wenn es um die Kinderzimmer in den Wohnungen ging, meldete er sich zu Wort, zusammen mit den Zweifeln, ob und wie viele und wann… Aber auch wenn es eine absolute gefühlsmäßige Achterbahn war, ging es mir dabei doch unfassbar gut. Ich war aufgeregt und motiviert und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit meinem Mann auf dem Sofa zu sitzen und die verschiedenen Szenarien durchzuspielen, und ihm bei den Wohnungsbesichtigungen verstohlene Blicke zuzuwerfen, um zu sehen, ob er gerade das gleiche denkt wie ich (und das tat er meistens). Egal, wo wir hinziehen – wir werden glücklich sein. ❤

Jedenfalls merke ich, wie gut mit der Abstand vom Kinderwunschthema tut. Daher werde ich das beibehalten. Wir haben ja nun viel zu planen – im Sommer steht ein Umzug an! Ich werde etwas weniger Blogs lesen und Instagram nutzen, denke ich. Dafür etwas mehr Einrichtungsinspiration suchen und vom Frühling träumen. Urlaube planen und mich mit anderen Dingen beschäftigen. Ein zweites Tattoo? Ein Jobwechsel? Alles scheint möglich, gerade.

Ach ja, eigentlich soll ich für die Therapeutin Stimmungsprotokolle führen. Ähem, das habe ich einen Tag lang geschafft und dann nie wieder. Hüstel. Ich kann trotzdem sagen, was meine Gedanken so Tag für Tag beschäftigt hat. Das Thema Wohnen. Kaufen, Mieten, Vorort, Großstadt, wie groß, wie teuer, wie neu… Da war kein Platz für anderes. 😉 Mal sehen, ob ich noch mit den Protokollen anfange. Mein nächster Termin ist erst in 2 Wochen.