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Eine Woche Warteschleife

Acht Tage nach der Punktion merke ich nun gar nichts mehr davon – endlich. Dafür bin ich natürlich im Warteschleifenmodus, und dabei schwanke ich zwischen Optimismus und Angst. Da man so gar keine Prognose hat, ist das natürlich anstrengend.

Wirklich was Neues hab ich nicht zu erzählen. Man hat ja mittlerweile schon Routine in der Warterei entwickelt. Natürlich versuche ich, nicht zu sehr auf jedes Pieksen, Ziepen, Aufmucken des Körpers zu achten. Dem nicht so viel Bedeutung beizumessen. Auf gar keinen Fall zu googeln. Genug und gesund zu essen. Genug zu trinken. Auf Kaffee zu verzichten. Mich abzulenken.

Ich habe entsprechend viele Termine, die mich ablenken können. Stammtisch, Besuch von einer Freundin, selbst zu einer anderen Freundin fahren. Es hilft. Ich grüble kaum. Es kommt, wie es kommt. Es geht weiter. Es geht immer weiter.

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Erste IVF: Kontrolle in der Klinik

Seit dem Transfer fühle ich mich merkwürdig. Ich habe keine Schmerzen – fast keine zumindest, ab und zu leichte Krämpfe im Unterleib, aber nach 1-2 Minuten ist alles wieder vorbei. Aber dennoch fühlt sich mein Oberkörper insgesamt einfach komisch an. Ich habe versucht, es meinem Mann zu beschreiben. Kennt ihr diese Kugeln, die innendrin ein Gewicht haben und so ganz tief klöngeln? Davon nimmt man meist zwei in die Hand und versucht, die zu drehen, so dass sie sich nicht berühren? So fühlt sich das an, als hätte ich auch so eine Füllung, die in mir herumklöngelt. Und zwar vom Bauch bis zum Brustkorb rauf. Besonders merke ich das, wenn ich mich hinlege. Dann klöngelt alles irgendwie  zur Seite. Ein Schluckauf oder Husten tun weh – erst Google hat mich darauf gebracht, dass es das Zwerchfell ist, was sich da so merkwürdig anfühlt. Beim Gehen oder Radfahren fühlt es sich an, als würde mein Innenleben einmal ordentlich durchgeschuckelt. Nicht schmerzhaft, aber auch nicht angenehm.

Da all das nicht besser, sondern eher heftiger wurde, rief ich heute kurz in der Klinik an. Ich wollte natürlich nur hören „Das ist ganz normal, machen Sie sich keine Sorgen“ und hörte stattdessen, was ich immer höre: „Wenn Sie sich komisch fühlen, kommen Sie lieber direkt her.“ Die unausgesprochene Selbst- und Ferndiagnose der Überstimulation stand natürlich im Raum. Ich seufzte, setzte mich ins Auto, mit dem ich heute glücklicherweise im Büro war (sonst wäre das gar nicht gegangen), erzählte meinen Kollegen, dass ich zur Nachkontrolle müsse (die wissen nach wie vor nicht, worum es geht, nur dass ich Montag im Krankenhaus für „einen kleinen Eingriff“ war), und hoffte, ich müsse nicht so lang warten.

Angekommen, wurde ich ins Wartezimmer gesetzt. Noch während ich überlegte, wo denn noch gleich die Toilette sei, wurde ich auch schon aufgerufen! Wartezeit vielleicht 45 Sekunden. Und den Chefarzt wieder einmal! Er ließ sich von mir schildern, was ich spüre, stellte ein paar Fragen dazu (Atemnot? Husten? Schmerzen?) und machte einen Ultraschall. Da sah er direkt, dass alles ok ist. Eierstöcke noch etwas vergrößert, aber ganz normal. Die geleerten Follikel füllen sich wieder mit Flüssigkeit, auch ganz normal. Am besten solle ich alles nach Gefühl machen (ich hatte noch mal wegen des Radfahrens gefragt): Bewegung nach Gefühl, Trinken nach Gefühl (und nicht literweise in sich reinschütten, wie ich das teilweise online gelesen hatte).

Glücklicherweise hat er mir zu keiner Zeit das Gefühl gegeben, ich wäre wegen überflüssigem Pipifax da und würde seine Zeit verschwenden. Er ist eh sehr sympathisch. Er meinte, es wäre besser, dass ich heute gekommen wäre, als übers Wochenende die ganze Zeit Sorge zu haben. Hach! Und beim nächsten Mal – sofern nötig – weiß ich ja dann in etwa, wie sich das anfühlt und dass das kein Problem ist.

Am Ende entsponn sich dann noch folgender Dialog:

Dr. S., in meiner Akte blätternd: „Sooo, und ihr Bluttest ist ja dann… *blätter*“
Ich, rausplatzend: „In zehn Jahren!
Er: „…in anderthalb Wochen.“
Ich: „Ja, anderthalb Wochen. Aber gefühlt zehn Jahre!“

Da musste er glücklicherweise auch schmunzeln, wünschte mir alles Gute und ich fuhr mit einem beruhigten Gefühl nach nur ungefähr 15 Minuten wieder ins Büro. Läuft! Wenn nur die Ungeduld nicht wäre… 😉

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Erste IVF: Punktion, Befruchtung, Transfer

Eigentlich wollte ich schon längst geschrieben haben. Alles fein säuberlich aufschreiben, damit ich nichts vergesse. Am Punktionstag hatte dann aber mein Mann auch frei, so dass wir den Tag zusammen verbracht haben; am „Zwischentag“ war mir nicht nach Bloggen; und so kommt jetzt eben doch alles in einem Rutsch, auch wenn das den Spannungsbogen natürlich etwas zunichte macht. Auf Twitter konnten aber einige von euch schon mitfiebern, es war für mich ein kleiner bis mittelgroßer Krimi!

Am Montag, 7.11., fand die Punktion statt. Ich hatte ja ziemlich Bammel davor, weil ich verschiedene Berichte mitbekommen hatte; aber was wollte man machen? Erst mal war der Mann dran, währenddessen wurde mir schon mal der Zugang gelegt. In unserer Klinik wird die Punktion nicht unter Vollnarkose gemacht. Daher war ich froh, dass mein Mann mit dabei sein konnte und mir tatsächlich Händchen gehalten hat.

In einem Gespräch wurden wir vorab noch mal von einer Biologin über das Vorgehen aufgeklärt. Dabei zählte sie auch auf, was alles schiefgehen könnte: wenige bis gar keine Eizellen, oder eine schlechte Befruchtung, oder gar keine Befruchtung… (Das hatte ich meinem Mann am Abend vorher im Bett auch schon alles aufgezählt, weil ich mir dachte, er weiß das glaub ich gar nicht.) Dann fiel der Satz, den ich mittlerweile hassen gelernt habe: „Aber es gibt ja keinen Grund, weshalb das bei Ihnen nicht klappen sollte“. (Den gab es noch nie! Nicht beim „selbst üben“, nicht bei 2x VZO, nicht bei 3x IUI. Jedes Mal fiel dieser Satz und jedes Mal hat er mir irgendwie Mut gemacht. Dieses Mal hinterließ er daher eher ein mulmiges Gefühl.

Die Punktion selbst wurde von Dr. M. durchgeführt. Ich wurde gewarnt, dass das Schmerzmittel sich in etwa so anfühlen würde, wie wenn man ein Glas Alkohol auf leeren Magen trinken würde. Und genauso war es auch. Ich konnte alles fühlen, aber es tat nicht weh. Faszinierend! Es dauerte dann ganz schön lange, ich hielt mich an der Hand des Mannes fest, konnte im Ultraschall ein bisschen zugucken, wie Bläschen um Bläschen verschwand – war aber natürlich auch recht beduselt und hab die meiste Zeit lieber die Augen geschlossen gehalten. Es war wirklich kaum schmerzhaft, hat vielleicht mal etwas gepiekst, aber ich hatte schon deutlich unangenehmere Ultraschall-Untersuchungen, gerade in den letzten Tagen vor der Punktion.

Die „Ausbeute“ wurde uns direkt mitgeteilt: 14 Eizellen! Ein super Ergebnis, fanden Dr. M. und ich. Nach einer Pause im Aufwachraum durften wir dann auch schon wieder heim.

Am Dienstag musste mein Mann wieder arbeiten, ich war noch krankgeschrieben. Um 10:30 Uhr durfte/sollte/musste ich im Labor anrufen, um das Ergebnis der Befruchtung zu erfragen… Ich traute mich gar nicht so richtig und schob es etwas vor mir her, aber dann musste es ja doch sein. Und das Ergebnis war eines, mit dem ich ehrlich gesagt nicht wirklich gerechnet hatte: von den 14 Eizellen hatte sich nur eine befruchten lassen, und „die sieht nicht gut aus“. Ob ein Transfer überhaupt stattfinden würde, würde man erst am nächsten Morgen entscheiden.

Natürlich war ich erst mal ziemlich fertig. Habe geweint und gehadert und mich gefragt, wie es weitergehen soll… In dem Zustand wollte ich dann keinen Blogpost schreiben, stattdessen durfte mein Tagebuch ein paar Gefühle aufsaugen… 😉 Und tatsächlich kam ich halbwegs zurecht, konnte ohne zu Weinen mit meiner Mutter telefonieren und plante uns für den Rest des Tages eine schöne Zeit zu machen.

Das haben wir dann auch gemacht, abends waren wir in „Findet Dory“, weil mein Mann meinte, wir bräuchten was zu lachen. Und das hat ja auch ganz gut geklappt. Auf den Einzelkämpfer setzte ich erst mal nicht allzuviel. Mein Mann hatte mit dem Versuch schon abgeschlossen.

Am nächsten Morgen musste ich ja trotzdem zum Transfertermin, es hatte sich auch niemand gemeldet und etwas gegenteiliges gesagt. Mein Mann hat keine Urlaubstage mehr – ich musste also alleine los. Obwohl der Transfer zwar das eigentliche „Schwangerwerden“ ist, war es mir aber auch wichtiger, dass er bei der Punktion dabei ist und mir beisteht. Der Transfer war ja auch als relativ harmlos beschrieben worden. Ich tauchte also morgen auf – brav mit gefüllter Blase, denn so war es mir gesagt worden. Leider hatte ich morgens das Utrogest genommen, dass hatte ich am Morgen des Transfers weglassen sollen, aber morgens um 7 war ich offenbar noch etwas im Tran…

Ich musste dann noch eine Weile warten – konnte nicht lesen, weil ich mich nicht konzentrieren konnte, und musste außerdem mittlerweile ganz schön doll aufs Klo! 😉 Dann wurde ich aufgerufen und wieder gab es erst mal ein Gespräch mit der Biologin aus dem Labor. „Soo“, sagte sie, „Heute ist ja der Tag des Transfers.“ Ich so: „Ja, vielleicht.“ Sie: „Wieso vielleicht?“ Und dann bestritt sie, gestern gesagt zu haben, was sie gesagt hat. Ich meine, ich hab mich natürlich sehr gefreut, dass unser Einzelkämpfer die Nacht überstanden und sich geteilt hat. Aber an ihren Worten am Telefon sollte sie vielleicht noch mal feilen. Ich kenne mich nicht so gut aus wie sie und ein „Sieht nicht gut aus, entscheiden wir morgen früh“ ist für mich genau das, was es ist.

Wie dem auch sei, der Transfer bei Frau Dr. C. war dann reichlich unspektakulär. Außer meiner gut gefüllten Blase. Die Assistentin durfte den Ultraschall von außen aufsetzen und sagte direkt: „Ooh, die ist ja wirklich voll! Ich trau mich gar nicht, richtig zu drücken!“ Aber ich habe es dann doch geschafft, ohne der Frau Dr. auf die Hand zu pieseln. 😉

Als Grund für die schlechte Befruchtungsrate sagte Dr. C. folgendes: Die Bindung zwischen Eizelle und Spermien sei sehr schlecht. Google sagte mir hinterher, dass dieser Vorgang offenbar nicht richtig funktioniert. Es könnte sein, dass wir mit anderen Partnern gar keine Probleme hätten, sagte die Ärztin noch. Und dass wir – sofern nötig – beim nächsten mal eine ICSI anstreben sollten, dann würde dieses Problem umgangen. Und natürlich würde es erklären, wieso es bisher nie geklappt hat.

Jetzt heißt es überrraschenderweise wieder einmal: warten, warten, warten. Bis zum 23.11. Einen Tag hab ich also schon geschafft. Die 13 folgenden kriegen wir auch noch hin. Ich hab mir den Kaffee heute gespart und versuche, mich vorbildlich zu verhalten. Sport soll ich nicht machen (explizit verboten sind Schwimmen, Sauna, Joggen und auf Nachfrage auch Bouldern, wegen des Abspringens – halt nichts mit starken Erschütterungen), zumindest die nächsten 14 Tage. Ich nehme 3×2 Utrogest und spritze abends 40er Clexane-Spritzen, auch wenn ich nicht genau weiß, wofür die gut sind.

Beiß dich fest, kleiner Einzelkämpfer!!!!!!

 

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Erste IVF: Ultraschall, HIV-Test & Co.

Heute – eine Woche nach dem Start der Stimulation mit Puregon – durfte ich wieder zum Ultraschall und zur Blutabnahme. Eine Premiere gab es auch: Mein Mann musste ebenfalls mit, denn ihm wurde heute auch Blut abgenommen für einen HIV- und Hepatitis-Test. So konnten wir ein Weilchen zusammen warten, das war ganz nett. Da man bei uns nach der Blutabnahme aber immer noch lang auf den Ultraschall warten muss, war er viel eher fertig als ich und verschwand dann auch, denn wir beide mussten heute auch arbeiten.

Frau Dr. C. machte den Ultraschall – sie habe ich lang nicht gesehen, ich glaube, sie war in Elternzeit und ich habe mich gefreut, mal wieder eine Ärztin statt eines Arztes zu haben. Wobei die Ärzte dort ihre Arbeit auch ganz einwandfrei machen, es war einfach mal wieder nett. Der Ultraschall piekste und zog etwas (sie hat sich entschuldigt, aber was muss, das muss nun mal). Sie entdeckte eine 6 mm dicke Gebärmutterschleimhaut (einwandfrei), rechts 3 große Follikel und 5 kleinere, sowie links die bekannte eingeblutete Zyste und noch 7 Follikel. Also 15 insgesamt.

Das Puregon soll ich heute und morgen von 150 Einheiten auf 250 Einheiten erhöhen, damit die kleineren Follikel noch schön wachsen. Puh! Ich merke eigentlich bis jetzt wenig, tatsächlich fängt es erst heute ein bisschen an, im Unterleib zu ziehen und zu drücken und was es halt so macht in der Stimulation (selten richtiger Schmerz, eher ein merkwürdiges Gefühl). Eigentlich wollte ich diese Woche mal wieder Bouldern gehen (ich war schon seit Wochen nicht mehr – erst Urlaub, dann Umzug), aber ich glaube, das spare ich mir lieber mit den „Babys“ im Bauch (kennt jemand Orphan Black? Und Helena und ihre „Babys“?).

Mittwoch ist jedenfalls wieder Kontrolle, und die Punktion soll dann voraussichtlich am Montag sein. Wobei Dr. C. heute meinte, bei den bisherigen Behandlungen seien die Follikel ja auch immer zunächst zögerlich gewachsen und dann plötzlich „explodiert“, also wird es vielleicht auch schon der Freitag. Aber wahrscheinlich eher nicht.

Naja, mal sehen, wie ich die erhöhte Puregon-Dosis so vertrage (kommt mir echt mega-viel vor). Langsam werde ich richtig aufgeregt!

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Erste IVF: Jetzt geht’s los.

Heute früh durfte ich dann endlich, endlich zur Blutabnahme und zum Ultraschall. Ausnahmsweise hatte ich eine Überweisung dabei, aber dafür meine Krankenkassenkarte vergessen. Die hatte mein Mann noch, weil er die Überweisung für mich abgeholt hatte… 😉 Läuft ja rund.

Nun ja, es ging ja trotzdem alles. Beim Ultraschall sah alles ruhig aus, eine kleine eingeblutete Zyste mal wieder, ansonsten nix auffälliges. Die Zyste stört nicht, sagt Dr. M. An meinen verschnupften Synarela-Nebenwirkungen war er leider absolut desinteressiert, nachdem er geklärt hatte, dass es keine Unterleibschmerzen o.ä. zu berichten gab. Pfff. Man kann auch anders leiden als gynäkologisch!

Wie dem auch sei, ab heute spritze ich dann 150 Einheiten Puregon. Das ist im Übrigen 3x so viel wie bei den IUIs und das macht mir etwas Angst. Aber nun gut, was will man machen. Nächsten Montag müssen wir dann mal beide hin, denn uns wird zusätzlich zu den üblichen Untersuchungen noch beiden Blut für einen HIV-/Hepatitis-Test abgenommen. Ist ja nicht so, als hätte ich das im Sommer noch extra in Vorbereitung auf die Behandlung beim Hausarzt machen lassen und 50 Euro dafür bezahlt. Das war ja dann mal eigentlich ziemlich überflüssig, soll man meinen.

Nun ja, so ist es halt. Momentan ist das Thema bei mir noch ganz weit weg. Gestern waren wir zum ersten Mal die neue Baby-Nichte besuchen (wenig überraschend: sooooo süß!) und mein Cousin ist auch noch zum ersten Mal Papa geworden letzte Woche, da werden wir auch bald auf Babybesuch fahren. Zu meinem Mann sagte ich gestern auf der Heimfahrt vom Babybesuch: Am liebsten würde ich die erste IVF überspringen. Irgendwie erwarte ich mir gar nichts davon und ich glaube nicht, dass es beim ersten Versuch klappt. Bescheuert, oder? Ich würde lieber direkt einen zweiten oder dritten Versuch machen. In meinem Kopf ist der erste Versuch nur eine Hürde, die wir jetzt erst mal hinter uns bringen müssen auf dem Weg zu weiteren Versuchen. Ääh, Hirn, was machst du da? Das ergibt überhaupt keinen Sinn!!

Mal sehen, ob ich weiterhin so gut abgelenkt sein werde durch die neue Wohnung. Und mal sehen, wie die 150 Puregon-Einheiten sich so niederschlagen. Das ist schon echt viel. Wie viel habt ihr denn immer so gespritzt, und wie waren eure Nebenwirkungen?

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Erste IVF: Synarela oder die Nasen-Hölle

Hier dümpelt es Kinderwunsch-technisch so vor sich hin, daher ist es auch ruhig hier. Wir hatten Urlaub und sind umgezogen, das Leben an sich war also alles andere als ruhig, da traf es sich sehr gut, dass die IVF erst mal nur in der Vorbereitung ist.

Einen Zyklus lang habe ich nun die Pille genommen. Ich hab mich schnell daran gewöhnt und fand es ganz erleichternd, mal einen Monat NICHT die vermaledeite Hoffnung zu haben, dass es ja vielleicht doch ein Wunder geben könnte. Gleichzeitig habe ich in der zweiten Zyklushälfte mit dem Synarela Nasenspray angefangen und holla die Waldfee, das ist echt nicht mein Freund.

Das Nasenspray nimmt man, um den Eisprung zu verhindern, so dass er zum gewünschten Zeitpunkt stattfinden kann. Ich muss es zwei Mal täglich sprühen. Das an sich ist nicht problematisch. Es ist komfortabler als die Spritzen, und eigentlich sogar praktischer als Tabletten (man kann es problemlos auch im Büro mal eben am Schreibtisch verwenden oder unterwegs), auch wenn ich mich jedes Mal frage, ob jetzt wirklich alles da gelandet ist, wo es hingehört. Aber wenn es nicht so wäre, hätte man das Medikament wohl anders entwickelt und ich versuche mal einfach, da Vertrauen zu haben.

Schon beim Lesen der Packungsbeilage dachte ich mir „Na wenn das mal gutgeht.“ „Sehr häufig: Schnupfen“ stand da so harmlos. Nun ja, meine Nase ist sowieso immer verstopft, ich bin gegen so ungefähr alles auf dieser Welt allergisch (außer gegen Tiere – immerhin!) und niese dauerhaft vor mich hin. Aber kurz, nachdem ich mit dem Nasenspray begonnen hatte, brach hier die Hölle los. Schnupfen vom allerfeinsten, Niesanfälle und eine laufende Nase, und natürlich fing alles in der Nacht an, als wir im Urlaub waren und ich hatte kein Nasenspray (also gegen Erkältungen!) dabei. Ich lag also eine Nacht röchelnd wach und dachte, ich werde krank, aber nein, es blieb beim Schnupfen ohne sonstige Erkältungssymptome (außer stressbedingt dickem Herpes, uäääh). Nasenspray brachte zumindest dann die Möglichkeit, nachts zu schlafen, aber gegen die laufende Nase und die Niesanfälle macht das natürlich auch nichts. Das ist jetzt anderthalb Wochen her, und nach einer Woche wurde es etwas besser, aber richtig gut ist es immer noch nicht. Ich klinge wie bei einer dicken, fetten Erkältung (was wiederum dafür gut ist, dass ich das Synarela-Spray benutzen kann, ohne das Fragen aufkomen 😉 ) und bin super genervt davon.

Eine kleine Google-Recherche hat nicht ergeben, dass besonders viele Frauen unter dieser Nebenwirkung zu leiden haben, obwohl sie doch als „sehr häufig“ in der Packungsbeilage steht. Allerdings klagen einige darüber, dass sie Schnupfen hätten und ob nun das Synarela noch wirke. Vielleicht ist ihnen gar nicht klar, dass es kein „normaler“ Schnupfen ist. (Das erkenne ich übrigens unter anderem – sorry, aber isso – an der Farbe. Als Allergikerin kann ich Erkältungsschnuf und Allergieschnuf ganz gut auseinanderhalten.)

In einer Woche muss ich dann wieder in die Kinderwunschklinik. Da es jetzt schon so viel besser geworden ist, werde ich diesen Versuch nichts mehr dazu sagen – letzte Woche war ich schon kurz davor, bei der Klinik anzurufen und zu sagen, dass es so NICHT geht. Wäre es noch länger als 4-5 Tage SO schlimm gewesen, hätte ich das auch getan. Aber hey, mit dezent verschnupfter Nase und belegter Stimme kenne ich mich aus, also werde ich es erst später ansprechen und darum bitten, beim nächsten Versuch (sollte er nötig sein) vielleicht ein anderes Medikament einzusetzen falls möglich. Denn das war echt schlimm und hat uns die letzten 2 Urlaubstage versaut.

Tja, sonst neues? Die Schwägerin hat ihr Baby bekommen und wir konnten es als einzige in der Familie noch nicht besuchen. Es kam 2 Tage vor unserem Umzug und wir waren super beschäftigt, und außerdem habe ich wie gesagt das dicke Herpes, mit dem ich die Kleine eh nicht besuchen würde. Aber vermutlich wird das wieder dicke Luft geben. Als wir endlich Zeit hatten, waren die beiden schon aus dem Krankenhaus entlassen und haben uns spontan ausgeladen für Sonntag, weil sie noch nicht soweit waren, Besuch zu empfangen. Was völlig ok ist, aber jetzt sind wir wieder arbeiten und es wird noch schwieriger. Seufz. Ich hab doch keine Zeit!

Jetzt erst mal wieder abwarten und fleißig schnufen.

 

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1. IVF: Der Vorzyklus

Letzte Woche hatte ich endlich die Genehmigung des Behandlungsplan durch die Krankenkasse im Briefkasten. Sie genehmigen direkt 3 Versuche, ist das nicht toll? Jedenfalls konnte ich mit dieser Genehmigung direkt in die Klinik fahren, meine Rezepte abholen und im Anschluss direkt die Medikamente. Diese musste ich in der Klinik-Apotheke abholen, wo sie dafür ca. 20% günstiger sein sollen. Bezahlen musste ich erst mal aber gar nichts, das wird am Ende wohl alles zusammen abgerechnet.

Tja, da saß ich dann und wartete in der Apotheke, bis alles zusammengesucht war. Und als die Dame zurückkam, war ich erst einmal etwas schockiert. Es war nämlich ein richtiger BERG an Medikamenten. Boah! So viele! Und ich musste doch noch ins Büro… Zum Glück waren sie in einer undurchsichtigen Kühltasche verpackt (Puregon und Otrivelle müssen ja auch gekühlt werden – das ging zum Glück im Bürokühlschrank, in ein Handtuch eingewickelt, recht unauffällig).

Samstag war dann der erste Zyklustag – pünktlich auf die Minute, glücklicherweise. Ich war ja nun auf alles vorbereitet, aber tatsächlich musste ich erst am 5. Zyklustag beginnen, die Pille zu nehmen! Hätte man mir ja auch mal vorher sagen können, dann wäre ich nicht so hektisch geworden.

Wie dem auch sei, heute dann also die erste Pille und mittags in der Klinik angerufen. Der Zeitplan sieht jetzt folgendermaßen aus:

17.9. erster Zyklustag
21.9. Beginn der Pillen-Einnahme
8.10. Beginn des Nasensprays
12.10. Letzter Pillen-Tag
(15.10. Beginn des nächsten Zyklus, das spielt aber keine Rolle mehr laut Klinik)
24.10. Kliniktermin (Ultraschall, Blutabnahme)

Das ist eeeewig! Mir kommt die Pause von über zwei Wochen zwischendrin echt lang vor. Ich habe also Google angeschmissen und folgendes gefunden:

Das lange Protokoll, auch „long protocoll“ genannt, ist der Klassiker bei der Stimulation für die IVF und ICSI. Hierbei wird in der Mitte der zweiten Zyklushälfte (21.-23. Zyklustag) ein langwirkendes Medikament zur Downregulation gegeben (Depotpräparat).

Dann wird der Eintritt der Wirkung des Präparates abgewartet. Die Vorgehensweise ist hier variabel. Manche Zentren warten nur die Blutung ab und beginnen dann mit der Stimulation der Eierstöcke am 3. Zyklustag. Andere warten eine festen Zeitraum ab (oft 14 Tage) und kontrollieren zunächst, ob die Downregulation ausreichend gewirkt hat (Bestimmung von LH, FSH und Östradiol). Sind die Hormone ausreichend supprimiert, wird mit der Stimulation mit Gonadotropinen begonnen. Die Blutung tritt nach der Downregulation meist etwas verzögert ein.

Besonderheiten

(…) Bei normaler Ovarialfunktion ist mit dieser Methode die Reaktion deutlich stärker als bei den anderen Protokollen und Überstimulationssyndrome häufiger. Bei „low-respondern„, also Frauen, deren Eierstöcke eher schwach und verzögert reagieren, kann es zu einer so starken Unterdrückung der Eierstocksfunktion kommen, dass nicht mehr genügend Eizellen für die Therapie gebildet werden.

Quelle: http://www.wunschkinder.net/theorie/behandlungen-methoden/hormone/protokolle-stimulation-hormongaben/langes-protokoll/

So ist das also. Anderswo habe ich gefunden, dass dieses Vorgehen (Protokoll) veraltet sein soll. Weiß ich jetzt natürlich nicht. Ich denke mir, die werden schon wissen, was sie tun. Ich sehe hier bei mir natürlich die Gefahr der Überstimulation. Wir werden sehen. Das meine Klinik zu denen gehört, die erst mal 14 Tage warten, kommt mir auch irgendwie merkwürdig vor. Aber ich denke, sie gehen auf Nummer sicher. Verrückt macht mich das alles so oder so, alles ist neu, und ich habe immer Angst, am Telefon etwas falsch zu verstehen oder dass man mir aus Versehen mal was falsches sagt. Direkt nach dem Auflegen dachte ich jedenfalls heute „Das kann doch gar nicht sein, dass ich mit dem Puregon erst SO SPÄT anfangen muss“ und hätte beinahe direkt wieder angerufen. 😉 Aber die Seite hat mich jetzt etwas beruhigt…

Was ich mich noch frage: Wieso hab ich eigentlich Otrivelle bekommen, das doch den Eisprung auslösen soll? Ich muss/will doch gar keinen Eisprung haben? Wofür ist das Clexane und wann muss ich das spritzen? Vermutlich nach dem Transfer, oder? Was für Nebenwirkungen kommen mit dem Nasenspray auf mich zu?

Am liebsten würde ich heute hektisch im Kreis laufen und panisch mit den Händen wedeln. Nun ja. Jetzt muss ich tatsächlich noch über einen Monat warten, bis wieder etwas passiert. Zum Glück sind wir äußerst gut abgelenkt. Ein Urlaub UND ein Umzug sollten wohl ausreichen, oder?