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Ein Warteschleifen-Pieps

Irgendwie verfliegt die Warteschleifenzeit jetzt doch mal wieder relativ gut. Jetzt sind es schon nur noch 3 Tage bis zum offiziellen Bluttest. Und nur noch zwei Mal schlafen, bis ich das Ergebnis kenne – denn (ich schreibe das hier gefühlt zum 100. Mal, aber es kommen ja doch immer noch neue Leserinnen dazu) am Abend vor dem Bluttest teste ich traditionell zu Hause mit meinem Mann und einem ganz normalen Urintest.

„Traditionell“ – schon ein bisschen traurig, dass ich das hier so schreiben kann. Aber bei der ingesamt 8. oder 9. Behandlung (ich hab tatsächlich den Überblick über unsere VZO-Zyklen verloren, aber wir hatten ja 3 IUIs, eine IVF und jetzt die 2. ICSI) kann man das wohl guten Gewissens so bezeichnen. Jedenfalls teste ich schon vorab daheim, damit der Mann dabei sein kann, wenn wir das Ergebnis erfahren und damit ich am nächsten Tag nicht vom Ergebnis so überrollt werde.

Jetzt, wo ich darüber nachdenke, könnte ich mit der Tradition sogar mal brechen. Am Freitag, wenn der Bluttest ist, habe ich nämlich frei. Naja, morgens muss ich arbeiten, aber nur ein bisschen. Wenn mittags Telefonzeit in der Klinik ist, dürfte ich schon wieder bei meinem Mann sein. Da muss ich das wohl noch mal mit ihm besprechen, ob wir trotzdem vorher testen. Man will es ja auch wissen, so ist es ja nicht. 😉

Gefühlt bin ich mittlerweile wieder negativer eingestellt, wo ich zwischendurch ganz optimistisch war. Aber mittlerweile habe ich eher so ein „Pffff, wieso sollte es jetzt plötzlich klappen?“ im Kopf. Obwohl die Antwort darauf natürlich „Wahrscheinlichkeit, umgestellte Medikamente, Glück“ ist, ist das jahrelange „Es gibt keinen Grund, weshalb es nicht klappen sollte“ mir offensichtlich ECHT auf den Optimismus geschlagen.

Ich FÜHLE mich jedenfalls nicht schwanger – was nichts heißt, ich weiß… Ich schwanke halt wie üblich zwischen „Ach das wird doch eh wieder nix“ und „Oh mein Gott, vielleicht bin ich gerade schon SCHWANGER!!!“

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Halbzeit

Halbzeit! Eine Woche Warteschleife ist schon geschafft. Dank Feiertag und entsprechend schöner Aktivitäten war es gar nicht so schlimm. Ich habe ein gutes Gefühl… Ohne wirklich Gründe dafür zu haben. Natürlich schleichen sich jetzt so langsam die bekannten Utrogest-Anzeichen ein… Insbesondere schwere Brüste (ich habe heute sogar extra einen Sport-BH an).

Ansonsten ziept es ab und zu unmotiviert im Unterleib und ich beobachte das natürlich dann sofort mit Adleraugen. Das kann natürlich alles oder nichts heißen… Wenn ich gerade aktiv bin und es ziept, lasse ich es sofort etwas langsamer angehen (und wenn das heißt, dass ich im Schleichtempo weiter durch den Supermarkt gehe). Wenn ich gerade entspannt bin und es ziept, halte ich ebenfalls inne (so wie gestern an der Nähmaschine) und sehe wohl so ein bisschen aus wie Gollum, während ich in mich hineinhorche:

Wie ich schon auf Twitter schrieb: „Jedes Pieksen im Unterleib wird misstrauisch, hoffnungsvoll, vorsichtig, ängstlich, optimistisch, konzentriert, aufgeregt registriert und mental abgespeichert.“

Das Clexane in Kombi mit dem ASS hat meinen Bauch zu einem kleinen Schlachtfeld gemacht… Das Foto wird dem gar nicht gerecht, die blauen Flecke sind in Wahrheit noch mal deutlich kräftiger. Bikini ist wohl in absehbarer Zeit eher nicht drin:

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Ich rede noch nicht mit meinem Bauch, aber Luke & Leia dürfen zuhause durchaus in unsere Gespräche einfließen. Gestern haben wir sogar Star Wars geschaut.

Jetzt ist es noch eine Woche. Eigentlich hätte ich am Test-Tag freigehabt (wir fahren über Pfingsten weg), aber nun muss ich doch zumindest vormittags arbeiten. Mal sehen, ob ich wieder so ein Nervenbündel wie beim letzten Mal bin. Da war ich ja auch arbeiten, aber war sowas von flattrig und konnte mich gar nicht konzentrieren. Sollte der Test am Vorabend positiv sein, wird das sicherlich zu 100% wieder so sein! 😀

Tja nun, sonst habe ich auch nicht wirklich viel zu erzählen. Vielleicht noch, dass ich mich neulich doch tatsächlich habe hinreißen lassen und zwei Babypullis bestellt habe, als ich sowieso Stoff zum Nähen geshoppt habe. Die waren nämlich super reduziert und soooo süß! Und ein bisschen Optimismus kann ja auch nicht schaden, denke ich. Schaut mal:

Das sind noch die Screenshots aus dem Shop, aber mittlerweile sind beide angekommen und auch in echt so niedlich wie auf den Bildern! ❤ Da können Luke & Leia also kommen, warm anziehen kann ich sie schon mal. (NATÜRLICH habe ich schon den planmäßigen Geburtstermin im Falle eines positiven Ergebnisses nachgeschaut: 22. Januar!)

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Flashback

Seit Jahren singe ich im Chor. Und ab und zu hat dieser Chor Konzerte gemeinsam mit anderen Chören. So auch in diesem Jahr. Wir planen zwei Konzerte mit diesem Chor, eins in unserem Stadtteil, und eins in der Kirche des anderen Chors.

Das ist nicht unsere erste Zusammenarbeit mit diesem Chor. Für mich ist es die zweite, um genau zu sein. Vor vier Jahren haben wir gemeinsam Rutter geprobt, John Rutters Requiem. Die Generalprobe fand an einem Donnerstag statt. Der 20. November 2014. Morgens hatte ich einen Termin bei meiner Frauenärztin. Ich war nämlich plötzlich und unerwartet schwanger geworden.

Der Termin bei der Frauenärztin lief nicht so wie erwartet, und den Tag verbrachte ich mehr oder weniger weinend. Die Generalprobe wollte ich aber trotzdem nicht verpassen, und so schlug ich in der Kirche auf, bei meinem Chor und dem anderen Chor. Nur, um keinen Ton herauszubringen, ohne in Tränen auszubrechen. Zu allem Übel begann ich dann auch noch körperlich stark abzubauen und nachts fanden mein Mann und ich uns dann im Krankenhaus wieder.

In dieser Kirche, in der meine Fehlgeburt „losging“, bin ich seither nicht wieder gewesen. Gestern sprachen wir aber dann in der Chorprobe über das neue Programm, über die Noten, über Termine und Konzerte. Und ich hatte diese Kirche vor Augen. Und ich habe ungefähr eine halbe Stunde gebraucht, bis ich wieder mitsingen konnte, ohne zu weinen.

Eigentlich habe ich die Fehlgeburt gut verkraftet, denke ich. Ich meine, hallo, SSW 7. Da habe ich lange Zeit nicht mal von einer Fehlgeburt gesprochen, weil mal ehrlich, eine Geburt ist es nun wirklich nicht. Aber die Trauer, als ich mich an die konkrete Situation erinnerte, die war überraschend heftig. Es war ein sehr schwerer Moment. Ich darf traurig sein. (Stellt euch an dieser Stelle vor, wie ich meiner Therapeutin zuwinke!)

Bevor wir in der Kirche proben oder gar auftreten, sollte ich vielleicht noch mal dorthin gehen. Einfach, damit ich vernünftig singen kann, wenn es soweit ist. Vielleicht war bis dahin ja auch die ICSI (also – hoffentlich!) und vielleicht bin ich dann ja auch wieder schwanger (also – hoffentlich!). Die Generalprobe wird wieder im November sein. Vier Jahre danach. Vielleicht ja dann mit Babybäuchlein. Wir werden sehen.

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Abstand

Ich habe so viel Abstand, dass ich die aufgeregten Hibbel-Tweets anderer mit einem milde amüsierten Kopfschütteln wahrnehme. Das ist ein bisschen niedlich von mir selbst, denn: Wenn ich in der Situation bin, bin ich kaum anders.

Obwohl, ein bisschen anders bin ich inzwischen vielleicht schon. Hoffnung? Ja, bitte. Verzweiflung? Nein, danke.

Kürzlich war ich zum Hautscreening bei einer Hautärztin. Es war meine allererste Hautkrebsvorsorge – irgendwie dachte ich, mit 33 wäre es jetzt ja doch langsam mal an der Zeit. Also füllte ich brav das Formular für Erstpatienten aus, konnte mir wieder mal nicht merken, ob ich eine Schilddrüsenüber- oder unterfunktion habe (Google sagt UNTER und ich grüble noch mal ein bisschen über eine Eselsbrücke nach), und kam dann auch relativ schnell dran.

Im allgemeinen Gespräch zeigte sich die Hautärztin erst mal entsetzt, dass ich schon mal einen schweren Sonnenbrand hatte – sogar mehrere! Das wäre ja bei Kindern aus den 70ern Usus gewesen, aber in meinem Alter hätte sie in der Regel Patientinnen und Patienten, die NOCH NIE einen Sonnebrand hatten, das Bewusstsein sei da einfach gestiegen. Ähm. Echt jetzt? Noch NIE einen Sonnenbrand? Lügen die alle? Die Vorstellung kommt mir völlig absurd vor.

Wie dem auch sei, jedenfalls fragte sie mich dann, ob ich Hormone einnehme und ich berichtete wahrheitsgemäß von der Kinderwunschbehandlung. Ach ja, sagte sie, sie habe ja auch mit 38 Jahren noch ein IVF-Baby bekommen. Wir plauderten ein wenig über das Thema, wie man das eben so tut (Wo sind Sie denn in Behandlung, was wurde schon gemacht etc.) und wie ich es auch eigentlich ganz angenehm finde, wenn man mal auf jemanden trifft, der sich selbst schon mal damit befasst hat und man nicht jede Kleinigkeit erklären muss. Sie hätten jedenfalls alles selbst zahlen müssen, 15.000 Euro hätten sie ausgegeben, aber das wäre es ja jetzt im Nachhinein alles Wert gewesen.

Mehrfach hat sie dann zu mir gesagt: Da müssen Sie echt hinterher sein. Da müssen Sie sich selbst kümmern. Ein Jahr ist da so schnell vergangen. Natürlich haben Sie mit 33 da noch etwas mehr Zeit, aber die Zeit vergeht so schnell. Seien Sie da hinterher!

Es stimmt: Die Zeit vergeht schnell. Und man muss sich selbst kümmern, um so vieles. (Während ich diesen Artikel schreibe, habe ich schnell noch mal einen Termin bei der Hausärztin ausgemacht, um meinen Schilddrüsenwert zu überprüfen, der momentan zu hoch ist.) Eine Kinderwunschbehandlung ist wahrlich nichts, wo man nur den ersten Stein ins Rollen bringen muss und dann läuft es von selbst.

Weil das ganze bei mir aber gerade so surreal weit weg ist, sagte ich dann irgendwas von „Ja mal sehen, was noch so kommt“. Und das war ihr nicht konkret genug. „Nein wirklich, Sie müssen da ECHT hinterher sein, damit es weitergeht, da muss man sich echt kümmern!!!“ und ich sagte dann, dass ich mich auch mit einem Leben ohne Kind im Zweifelsfall „abfinden“ könne, um mich dann selbst zu korrigieren und das Wort in „mich damit arrangieren“ änderte. Was sie dazu brachte, den Kopf zu schütteln und grob zitiert „Nein, sagen Sie so etwas doch nicht, da muss man sich halt einfach kümmern und wenn es dann am Ende 15.000 Euro kostet, war es das doch wert“ zu sagen.

Hmm.

Erstens. Ich gebe zu, dass mein „ich könnte mich damit abfinden“ nicht positiv klang. Es war die Ermangelung eines besseren Worts, „ich könnte mich damit arrangieren“ klingt schon besser, aber ich muss da wohl wirklich mal über eine positive Wortwahl nachdenken.

Zweitens. Fünfzehntausend Euro sind eine Menge Geld. Eine MENGE. Sie ist Ärztin, ich weiß natürlich nicht, was ihr Mann macht. Aber fünfzehntausend Euro. Alter. Muss man dann halt mal in die Hand nehmen. Unser Auto hat übrigens 8.000 Euro gekostet. Das haben wir 3 Jahre lang abgezahlt.

Die letzte ICSI rückt näher, und ich bin ambivalent. Dabei habe ich keine neuen Argumente, es ist alles noch genau wie die letzten Male, so innerlich. Der Gedanke der Ungerechtigkeit kommt dazu, und der Verschwendung, wenn man es so sagen kann. Ich glaube, es wäre verschwendet, wenn ich KEINE Kinder hätte, denn ich wäre glaube ich eine gute Mutter. Naja, wer glaubt das nicht von sich. Jedenfalls, Gedanken an Fairness und Verschwendung sind irgendwie absurd, da so völlig irrelevant.

Wenn ich 15.000 Euro bezahlen müsste, um garantiert ein Kind zu bekommen – würde ich es tun? Vermutlich. Hier geht es aber immer nur um die Möglichkeit, eventuell schwanger zu werden, um dann eventuell ein gesundes Kind auf die Welt zu bringen. Würde ich dafür 15.000 Euro bezahlen? Es ist halt wie Lotto. Ich spiele übrigens kein Lotto. Aber bei Gewinnspielen, da gewinne ich recht häufig…

Wie dem auch sei, bald geht es (wenn der Schilddrüsenwert Ende der Woche okay aussieht) weiter mit ICSI Nummer Zwo, mit ICSI Nummer LAST, und das ist für mich so weit weg und das ist okay. Aber damit endgültig abzuschließen, wenn ICSI Nummer NIXGEHTMEHR erfolglos bleiben sollte, das ist sicherlich noch ein Kapitel für sich. Zum Glück haben die beste Therapeutin von allen und ich uns noch ein paar Termine aufgehoben.

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Die ICSI in GIFs: Siebenundzwanzig.

Den ganzen Vormittag nach der Blutabnahme am Morgen kaute ich an den Nägeln. Metaphorisch gesprochen natürlich nur. Ich war froh über die Ablenkung durch den Blogpost, und durch die Arbeit, aber ich konnte mich nur schwer konzentrieren.

Je näher die Anrufzeit rückte, desto mehr schlug mein Bauch Purzelbäume. Vorher musste ich noch die Mittagspause mit meinen Kollegen überstehen und auch noch etwas essen, obwohl mir schlecht vor Aufregung war. Naja, ich habe die Zeit rumgekriegt…

Dann war es soweit. Ich ging dieses Mal nach draußen zum Telefonieren, unter der Entschuldigung, ich müsse kurz zum Supermarkt. Da stand ich nun im tiefsten Schneetreiben… Erst mal war besetzt. Beim zweiten Versuch kam ich zum Glück aber schon durch.

Das Ergebnis, zusammengefasst: Der hCG-Wert liegt bei 27. „Da hat sich definitiv etwas getan bei Ihnen, aber wir wissen nicht genau, was.“ Der Wert ist sehr niedrig. SEHR niedrig. Es kann alles oder nichts bedeuten… Daher soll ich jetzt meine Medikamente (Utrogest und Clexane) weiternehmen und am Freitag wieder zur Blutabnahme kommen. Am FREITAG!

Normalerweise müsste ich sogar erst in einer Woche wiederkommen, aber da haben sie schon geschlossen für die Weihnachtszeit. D.h., ich sollte direkt noch einen Termin für die nächste Woche bei meinem Frauenarzt vereinbaren. Da werde ich nachher noch anrufen, da die über Mittag geschlossen haben. Was genau die tun sollen, hängt dann wahrscheinlich vom Ergebnis am Freitag ab. Außerdem soll ich eher reinkommen, sollte ich eine Blutung bekommen.

Tja, und nun? Weiß ich genau so viel wie vorher. Da ist eine Linie, aber sie ist sehr schwach. Da ist ein hCG-Wert, aber er liegt bei siebenundzwanzig.  Was nun? Mehr Tests machen? Geduldig abwarten (hahahaha)? Wie wild im Internet recherchieren? Was ich nicht tun sollte, aber vermutlich gleich nach dem Absenden dieses Beitrags meine Reaktion sein wird. Nicht, dass es helfen würde. Aber es ignorieren schaffe ich vermutlich auch nicht.

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Die ICSI in GIFs: Der erste Test

Gestern war es soweit. Nach euren zahlreichen Kommentaren habe ich dem Frühtesten erfolgreich widerstanden, auch wenn ich wahnsinnig neugierig und optimistisch war. Letzten Endes war es wahrscheinlich besser so, ich hätte mich nur verrückt gemacht. Aber jede hat wohl mal so Anfälle. 😉

Nun war es aber nicht mehr abzuwenden, der Bluttest stand für Montagmorgen an, also war Sonntagabend Test-Zeit. Als ich Sonntag aufstand, stellte ich fest: Schmierblutungen. Oh nein! Natürlich rechnete ich gleich mit dem schlimmsten. Andererseits WEISS ich natürlich, dass Schmierblutungen gar nichts heißen müssen. Aber trotzdem. Anders als sonst allerdings: Ich habe noch NIE Blut unter der Einnahme von Utrogest gesehen, und das ist immerhin mein *rechne* 8. Mal mit Utrogest? Oh Mann, ich habe tatsächlich den Überblick über die Behandlungen verloren.

Ich war also hin- und hergerissen, mein Optimismus war aber gleichzeitig wie weggeblasen. Twitter hat mich dann wieder etwas beruhigen können. Vorher hatte ich SO ein gutes Gefühl, und das ist ja eher selten bei mir. Die letzten Male hatte ich in der Regel einfach überhaupt kein Gefühl. Aber natürlich weiß ich, dass ich mir alle Anzeichen auch eingebildet haben kann.

Der Sonntag war dann ein vollgepackter Tag. Morgens war ich noch bei meinen Eltern, dann musste ich rund 100 Kilometer über die verschneiten und ungeräumten Autobahnen heimfahren (immerhin war hier höchste Konzentration gefordert und ich hatte keine Zeit, mir Gedanken zu machen. Nachmittags war ich mit einer Freundin verabredet, wir wollten über den Weihnachtsmarkt schlendern und später war dort auch noch großes Adventsliedersingen in der Stadt.

Auf dem Weg kamen wir an einer Kirche vorbei, in der eine Art Kunstinstallation stattfand. Da es stark schneite, haben wir uns diese Möglichkeit zum Aufwärmen nicht nehmen lassen. Und dann habe ich nicht nur eine, sondern gleich zwei Kerzen angezündet. Eine für Karlheinz, und eine für Kunigunde.

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Als ich dann durchgefroren später wieder zu Hause war, konnte ich es nicht länger vor mir herschieben. Der Test. Uaaaah. Ich wollte gar nicht mehr. Der Moment vor dem Test ist immer echt schlimm, finde ich. Solange ich nichts weiß, kann ich hoffen. Die Wahrheit? Pfff. „Ich warte einfach neun Monate ab und guck was passiert“, schlug ich meinem Mann vor. Der war dagegen.

Es nützt ja alles nichts. Also los. Einen Geratherm habe ich verwendet. Und nach drei Minuten, die mein Mann und ich nervös auf dem Sofa saßen, schauten wir drauf. Und sahen: Nichts. Auch bei besserem Licht in der Küche nicht.

„Wie überraschend“, verfiel ich in meinen üblichen Zynismus bei solcher Gelegenheit. Mein Mann nahm mich in den Arm, ich weinte ein bisschen… Was man so macht, wenn man schon etwas Übung mit solchen Ergebnissen hat. Dann beschloss ich, duschen zu gehen (man erinnere sich, durchgefroren und so), und warf noch mal einen Blick auf den Test. UND DA WAR WAS.

Ich rief den Mann zurück, der unsicher war. Wir waren jetzt beide unsicher… Aber definitiv war da ein STRICH auf dem Test und er wurde immer stärker. Insgesamt immer noch nicht STARK, aber stärker als halt „gar nicht“. Natürlich habe ich fotografiert! 😉 Nach fünf Minuten:

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Und nach ungefähr zehn Minuten:

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Ähm. Und jetzt? Uaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!!!!!!! Wir haben also einen Test, der spät anschlägt und ziemlich schwach ist, aber wie ich ja gelernt habe, eine Linie ist eine Linie ist eine Linie und DA IST EINE LINIE.

Ich kann es nicht glauben, und ich kann auch nicht wirklich positiv sein, weil ich viel zu viel Angst habe. Heute früh war ich dann beim Bluttest, und jetzt muss ich mal wiiiieder abwarten. In diesem Fall darf ich zwischen 13 und 14 Uhr anrufen. Wie soll ich das aushalten?

Und JETZT SCHON mache ich mir Sorgen um alles mögliche, um die berühmten ersten 12 Wochen, ich denke an meine erste Schwangerschaft, was mache ich falsch, neulich hatte ich den Fuß vom Neffen im Bauch, war das gefährlich, was muss ich beachten, was kann alles passieren, alles kann passieren, OH MEIN GOTT BIN ICH SCHWANGER ODER WAS?!?!?!?!?

Oh Gott. Und das, bevor ich ein definitives Ergebnis habe. Diese Zeit wird nicht leicht, ich merke es jetzt schon. Du liebes bisschen. Oh mein Gott. ICH BIN VIELLEICHT SCHWANGER!!!!!!! Naja. Vielleicht. Noch vier Stunden. Dann weiß ich mehr.

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Und? Wann kommt der Nachwuchs? – Kinderlosigkeit in der Gesellschaft

Heute spülte mir Facebook einen Artikel aus der Zeit in die Timeline: „Warum gilt es als Abweichung, dass ich keine Kinder habe?“* Darin wird Frau Schehl, eine 44jährige Unternehmerin, interviewt, die keine Kinder hat – und auch nie welche wollte.  Damit unterscheidet sich, obwohl nach außen hin ähnlich, ihre Situation stark von der, in der wir in unserer kleinen Kinderwunsch-Filterblase hier stecken. Dennoch denke ich, dass man von außen durchaus ähnlich wahrgenommen wird, zumal viele von uns nicht öffentlich über die konkreten Gründe ihrer Kinderlosigkeit sprechen. Tabus und so… Daher lese ich solche Artikel eigentlich immer gern – es ist interessant, über ein kinderfreies Leben zu lesen, macht mir teilweise Mut und natürlich finde ich es auch wichtig, das Thema in den Medien präsent zu haben und zu zeigen, dass es eben nicht nur das Leben mit Kindern gibt.

Natürlich ist es dabei nicht unwichtig, zwischen gewollter und ungewollter Kinderlosigkeit zu unterscheiden. Letzten Endes leiden wir alle unter der Gesellschaft und ihren Fragen und Erwartungen. Auf der einen Seite die, die wollen, aber nicht können; meist bekommen wir Verständnis, wenn wir das „offenlegen“, aber auch jede Menge überflüssiger Ratschläge, Unterstellungen, Halbwissen und – das mag ich persönlich auch nicht wirklich gern – Mitleid („Du Arme, das könnte ich nicht“). Die gewollt Kinderlosen bekommen hingegen Vorwürfe (Egoismus, Karriere-Geilheit, und natürlich die Unterstellung, dass sie es sich sicherlich noch anders überlegen werden, sofern sie noch jung genug sind). Beiden Gruppen gleich die Erfahrung: Nicht mitreden zu können und immer wieder zu hören „Das versteht man nur, wenn man Kinder hat“, „Dazu kannst du nichts sagen“ bzw. in seiner Meinung nicht ernst genommen werden (dazu hat Helge mal einen tollen Post geschrieben), „So eine Liebe können nur Eltern fühlen“, „Erst mit Kindern ist das Leben komplett“ oder auch „Ohne Kinder bist du keine richtige Frau“ (WTF?!). Die Haustiere werden als Kinder-Ersatz betrachtet (als ob Eltern mit Kindern keine Tiere hätten?) und das wird lächerlich gemacht; und selbstverständlich ist man als Paar ohne Kinder auch niemals eine Familie, sondern immer nur ein Paar.

Besonders schön finde ich das Zitat aus diesem Artikel (aus der Huffington Post, leider schlecht übersetzt), in dem es um Dinge geht, die kinderlose Frauen – egal aus welchem Grund – Menschen mit Kindern sagen möchten:

Wenn ich herausfinde, dass jemand Kinder hat, frage ich auch nicht ‚Warum?‘

Ich glaube, das probiere ich beim nächsten Mal aus. Wenn jemand fragt, warum ich keine Kinder habe, frage ich zurück: „Und? Warum hast du welche?“ Das wird nämlich nie in Frage gestellt. Dass Frauen Kinder wollen (und haben!), ist der Normalzustand. So ein Blödsinn. Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass kein Kinderwunsch so sehr durchdacht ist wie der unerfüllte. Die Frau, die keine Kinder möchte, hat sicherlich darüber nachgedacht und sich bewusst entschieden – schließlich wird sie, siehe oben, oft genug damit konfrontiert. Die Frau, die Kinder möchte, aber nicht „automatisch“ bekommt, wird ebenfalls darüber nachgedacht haben. Wie oft lese ich, wie wir uns mit Entscheidungen herumquälen. Noch eine Behandlung oder nicht? Adoption oder nicht? Wohingegen viele Menschen Kinder bekommen, „weil es halt dazugehört“. Und ohne groß einen Grund dafür zu haben. Müssen die sich rechtfertigen? Nein. (Ab einer bestimmten Anzahl Kinder dann doch wieder… Aber das ist eine andere Geschichte.)

Immerhin: Es gibt auch Gebiete, wo mich niemand aufs Thema Kinder anspricht. Im Büro zum Beispiel. Hier habe ich exakt eine Kollegin, die Kinder hat. Die übrigen 5 im Team sind ebenfalls kinderlos. Männer wie Frauen, jüngere wie ältere Menschen. Die Gründe dafür kenne ich nicht – ich würde auch niemals danach fragen. Dafür würde ich auch nie von der Kinderwunschbehandlung erzählen, solange diese nicht abgeschlossen ist. Schließlich gehört das Kinderkriegen in der Gesellschaft dazu – außer beim Arbeitgeber, wo es nicht gern gesehen wird und man diesbezügliche Planungen lieber geheimhält, bis es geklappt hat. Schon irgendwie schizophren, oder?


* Kleiner Disclaimer: Beinahe hätte ich den Artikel nicht zu Ende gelesen, nämlich als ich an diesem Satz vorbeikam, den ich sehr verletztend formuliert fand: „Ja, du bist gerührt, dir gibt das was, aber du setzt dich dann wieder hin und führst eine Unterhaltung weiter, du bist nicht bitter und rennst in eine Hormontherapie.“ Muss man jetzt echt die beiden Arten von Kinderlosigkeit gegeneinander ausspielen? Wir sind nicht alle verbittert und „rennen in eine Hormontherapie“, WTF?