8

Der Kinderwunsch und die Zeit.

Eine Sache, die so eine Kinderwunschbehandlung so mit sich bringt, ist ja: Zeit. Wir alle wissen, wie man wartet, wir sind geübt darin. Womit ich nicht gerechnet habe, sind die Entwicklungen, die man in dieser Zeit durchmacht. Und natürlich ist es eigentlich gut, dass ich nicht mehr die gleiche Person wie vor vier Jahren bin, und es ist auch völlig einleuchtend, dass die Zeit, die Behandlung, die Sorgen und die Gedanken mich verändern.

Und vermutlich ist es eigentlich wünschens- und lobenswert, dass ich meinen Kinderwunsch regelmäßig überdenke und neu bewerte. Hätte mich jemand vor vier Jahren gefragt, wie stark er ist, hätte ich gesagt: Unmessbar. Ich war bereit, mich von meinem Mann zu trennen, der Gedanke an ein kinderloses Leben stürzte mich in die allertiefste Verzweiflung. Ich durfte mir das Leben ohne Kinder nicht allzu genau vorstellen, denn dieser Gedanke war der einzige, der in meinem Leben wirklich und wahrhaftig kurzzeitig Suizidgedanken weckte, und das hat mich so unfassbar erschreckt, dass ich den Gedanken weit, weit, weit fort von mir geschoben habe.

Mit der Zeit wurde der Gedanke erträglicher. Vermutlich ist das gesund. Nur bin ich jetzt, kurz vor den letzten Behandlungen, an dem Punkt angelangt, an dem mir ein Leben ohne Kinder fast genauso erstrebenswert wie eines mit Kindern erscheint. Weil ich die vielen negativen Aspekte, die das Leben mit Kindern mit sich bringt, sehe. Weil ich auf Twitter und im Familien- und Freundeskreis sehe, welche Anstrengungen, Einschränkungen das Familienleben mit Kindern so bringt. Weil ich zu schätzen weiß, was wir haben.

Mir war immer klar, mein ganzes Leben lang, dass ich einmal Kinder haben würde. Ob nun leibliche oder adoptierte. Mittlerweile denke ich beim Thema Adoption, auf das man ja doch öfter mal angesprochen wird: Och nö. So eine Anstrengung. So ein Aufwand. So viel Bürokratie und keine Garantie auf Erfolg, mal wieder.

Ich denke bei der Vorstellung eines Lebens mit Kindern: Und wie machen wir das mit der Arbeit. Was ist mit meiner Rente, wenn ich Teilzeit arbeite. Würde mein Mann so mitziehen, wie ich mir das vorstelle. Würde unsere Ehe das aushalten, die ständige Übermüdung und den Stress im Alltag. Würde ich meinen Job wechseln? Ich überlege, meinen Job zu wechseln, und bleibe derweil der Sicherheit wegen (und weil ich nicht weiß, was ich tun möchte, hüstel). Man sollte vermutlich auch den Job wechseln, wenn man unglücklich dort ist, wenn man ein Kind hat. Mutter zu sein ist nicht mehr meine Berufung. Zuvor dachte ich „Ich halte das aus, ist ja nur zum Geldverdienen.“ Mein Job ist nicht schlimm, aber halt auch nicht erfüllend. Meine Theorie war immer, dass der Job nicht erfüllen muss – das macht das restliche Leben. Ich weiß nicht, ob ich das noch so sehe.

Es wäre so einfach gewesen, vor vier Jahren einfach schwanger zu werden. Ich wäre so glücklich gewesen, die meisten der letzten vier Jahre. Es war alles, was ich wollte. Alles wäre nach Plan gelaufen. Ob ich es bereut hätte, Stichwort „Regretting Motherhood“? Über die negativen Seiten habe ich mir damals noch keine Gedanken gemacht. Jetzt? Ich bin so unsicher. Natürlich werden wir trotzdem weitermachen. Aufhören ist einfach keine Option, bis wir nicht wenigstens eine ICSI probiert haben. Mein Argument ist dabei gern „Hinterher würden wir es bereuen, es nicht wenigstens versucht zu haben.“ Aber der Gedanke an eine Schwangerschaft löst in mir mittlerweile eine Heidenangst aus.

Advertisements
2

Die genetische Beratung und die verwirrte Klinik

Unser Genetik-Termin ist nun auch schon wieder fast eine Woche her. Es war noch ein ziemliches Hin und Her mit den Unterlagen, die wir unbedingt vorher ausfüllen sollten. Die wollte die Praxis uns per Post senden, aber sie kamen und kamen nicht an. Die Zeit war ja auch recht knapp und so habe ich am Mittwoch, dem Vorabend des Termins, noch mehrfach dort angerufen. Letzten Endes haben sie mir dann die zwei Zettel per Email gesendet (hätte man auch gleich machen können, oder?) und es war einfach nur ein Anmeldeformular für die Praxis. Also, wo man Namen und Anschrift einträgt und den Beruf etc. Dafür so eine Aufregung?! Das hätten wir auch in drei Minuten vor Ort ausgefüllt gehabt.

Wie dem auch sei, der Termin war dann letzten Donnerstag, am heißesten Tag des Sommers bisher. Die Ärztin schien mir erst etwas stoffelig, aber nach etwas Smalltalk taute sie auf und dann fand ich sie sehr nett. Es war ja auch heiß, da kann man schon mal etwas angestrengt sein. Sie erklärte uns, dass wir auf eine Chromosomen-Translokation untersucht werden. Sie hat es auch wunderbar anhand von Bildern erklärt, dass ich es auch verstanden habe, aber hier so richtig wiedergeben kann ich es nicht. 😉 Außerdem wird bei mir noch die Gerinnung untersucht. Das Gespräch war gut, das Blutabnehmen ging fix, und jetzt müssen wir noch ungefähr eine Woche warten (zwei insgesamt) – ich bin gespannt, ob es wirklich so schnell geht. Und ich hoffe sehr, dass nichts gefunden wird! Denn wie wir sonst weiter vorgehen, da haben wir noch nicht drüber nachgedacht und uns auch nicht informiert bisher.


Gestern erhielt ich einen Anruf von der AOK. Es ging dieses Mal nicht um die ICSI und den Widerspruch, sondern um die IVF-Behandlung aus dem vorigen Jahr. Dafür hatten wir ja endlich die Rechnung bekommen und eingereicht. Nun hat die Dame von der AOK festgestellt, dass die Klinik das falsch berechnet hat. Statt 50% wurden uns 100% berechnet! Eigentlich müssten ja 50% über die Karte und 50% über die Rechnung abgerechnet werden.

Netterweise hat die AOK-Dame das gleich in die Hand genommen: Die Klinik angerufen, eine neue Rechnung angefordert (und dem Herrn erst mal erklärt, wo der Fehler lag) und sogar die Rückerstattung in die Wege geleitet, denn wir hatten die Rechnung ja bereits bezahlt! Somit hat die IVF nicht 4.000, sondern 2.000 Euro gekostet. Und wir müssen dementsprechend nicht 1.000, sondern „nur“ 500 Euro bezahlen (die Kasse trägt insgesamt 75%). Yeah!

Hätte mir das auffallen können? Ich sage: Nö. Auf der Rechnung stand, es seien 50% und was die Zahlen betrifft – das ist für mich alles immer noch neu und für die IUIs haben wir nie eine Rechnung zu Gesicht bekommen, da wir dafür nur die Medikamente bezahlen mussten.

Die Klinik ist also wieder einmal verwirrt gewesen. Wundert mich so mittelmäßig sehr, das haben sie ja schon öfter unter Beweis gestellt. Nun ja, ich hoffe, sie gleichen das mit sehr gutem medizinischem Wissen wieder aus! 😉

1

Hoppla-hopp, die genetische Untersuchung steht vor der Tür

Huch! Das ging jetzt schnell.

Am Freitag bekam ich die Info, dass der MdK die genetische Untersuchung haben möchte. Am Montag rief mich die Kinderwunschklinik zurück, erklärte mir, was das eigentlich genau ist (wir müssen Stammbäume ausfüllen, ein Gespräch über uns ergehen lassen und dann wird unser Blut untersucht) und hat mir die Telefonnummern von zwei Praxen durchgegeben.

Und während ihr noch unter meinem letzten Beitrag diskutiert, ob Reichel-Fentz doof oder toll ist (ich tendiere nach einigen Berichten übrigens zu doof, aber das ist rein subjektiv), habe ich einfach die beiden Praxen in unserer Heimatstadt angerufen. Man muss es ja nicht unnötig kompliziert machen und wir haben das Glück, in einer Stadt zu wohnen, in der es mehrere Möglichkeiten gibt (es gibt laut Google sogar noch eine weitere Praxis, aber diese beiden hatte mir nun einmal die Kinderwunschklinik empfohlen).

Ich hatte es eilig, denn bekanntermaßen sind die Wartezeiten für solche Termine lang. Bei der einen Praxis war dann schon Feierabend (wenn man irgendwo nur bis 12 Uhr anrufen kann, bin ich ja schon genervt), bei der anderen ging es dafür ganz schnell. „Ich könnte Ihnen einen Termin am 14. Juli anbieten. Oooder… Wie spontan sind Sie? Wie wäre es mit Donnerstag?“ Tja, und nun haben wir den Termin eben übermorgen. Huch!

Es gab noch ein bisschen Hin und Her mit meinem Mann, der dafür ja früher Feierabend machen muss. Also, ich muss das auch, aber ich habe da weniger Schwierigkeiten. Bei meinem Mann gibt es den Bereitschaftsdienst bis 17 Uhr und sein Kollege ist im Urlaub. Ich finde ja, bei seltenen und wichtigen Terminen sollten Kollegen und Vorgesetzte Verständnis haben und als Arbeitnehmer sollte man sich auch trauen, das durchzuboxen. Ich denke mir immer: Wenn man morgens aufwacht und krank ist, geht die Firma auch nicht direkt pleite. So hat man immerhin ja auch noch 3 Tage Zeit, etwas vorzubereiten und zu organisieren. Glücklicherweise klappt das jetzt, aber wenn die Chefs sich bei so was querstellen, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man sich spontan morgens „eine Krankheit einfängt“. Ich meine, es ist das erste Mal in diesem Jahr, das mein Mann einen Kinderwunschtermin hat und auch das erste Mal, dass er so etwas anfragt. Und man hat ein Recht auf Arzttermine in der Arbeitszeit, wenn es nicht anders geht.

So, Exkurs/Rant beendet. 😉

Nach Absprache mit der Kinderwunschklinik habe ich mir eine Überweisung von meinem Frauenarzt ausstellen lassen, nicht von der Kinderwunschklinik selbst. Darauf steht: „Zustand nach Abort – genetische Ursache?“ Die Hoffnung ist, dass die Krankenkasse dann die Kosten der Untersuchung übernimmt. Und es ist ja auch die Wahrheit, denn der MdK will die Untersuchung ja aufgrund der Fehlgeburt. Die Ärztin hat mir mehr oder weniger durch die Blume zu verstehen gegeben, dass sie die Untersuchung für überflüssig hält („Der Wert dieser Untersuchungen ist umstritten“), und wir waren uns einig, dass eine Fehlgeburt in der 7. Woche zwar scheiße ist, aber nicht unbedingt ausgesprochen ungewöhnlich. Nun ja, durch die kurze Wartezeit bin ich nun fast versöhnt mit dem ganzen Kladderadatsch und wer weiß, vielleicht kommt ja wirklich was hilfreiches raus.

Ich bin aufgeregt und vorfreudig. Dabei weiß ich natürlich selbst, dass es nach dem Gesprächstermin noch Wochen dauern kann, bis es tatsächlich Ergebnisse gibt. Aber hey. Es passiert was. Nach einem halben Jahr. Das ich das noch erleben darf!

8

Genetische Untersuchung?

 

Herr D. von der AOK hat heute angerufen, nachdem ich am Dienstag eine Nachfrage gestellt hatte, wie der Stand unseres Widerspruchs sei. Am Mittwoch rief er schon zurück – entschuldigte sich, dass er es nicht Dienstagabend noch geschafft hatte, erzählte, dass das Gutachten beim MdK sei, die Kollegin habe schon am Montag dort nachgehakt, aber er am Mittwoch auch noch einmal, das sei noch nicht in Bearbeitung. Er würde jetzt aber jeden Montag dort anrufen und „die ein bisschen nerven“. Auch er fand die Wartezeit – mittlerweile 2,5 Monate – nämlich unsäglich. Heute rief er dann erneut an: Das Gutachten sei fertig.

Huch! Das ging plötzlich schnell. Ich denke mal, sein persönlicher Anruf als Leiter der Leistungsabteilung könnte geholfen haben. Wie dem auch sei, es ist natürlich eine Absage.

ABER!

Offenkundig hat der MdK die neuen Richtlinien mit einbezogen. Der ursprüngliche Antrag wurde ja mit den Spermiogramm-Werten meines Mannes abgelehnt, die zu gut waren. Das war im März. Zum 1. Juni wurden die Richtlinien geändert, nun gibt es keine festen Werte mehr, unter die der Mann fallen muss, es muss nun einfach nachgewiesen werden, dass die Werte schlecht sind. Und das sind sie ja, sie sind halt nicht mehr katastrophal, aber auch nicht gut.

NUN schreibt der MdK folgendes (übrigens ja, dieses teils schlechte Deutsch zitiere ich wörtlich):

In den vorliegenden Spermiogrammen sind jeweils nur wenige Normalformen nachweisbar gewesen als auch denkbare Ursache des bisherigen unerfüllten Kinderwunsches. Wie im Bericht der (…) Klinik aufgeführt, kann die Chance für den Eintritt einer Schwangerschaft durch eine ICSI-Behandlung erhöht werden. Jedoch ist erneut anzumerken, das, wie bereits in meinem Vorgutachten aufgeführt, zuvor eine genetische Untersuchung erfolgen sollte bei bereits einmalig aufgetretenem Abortus inkompletus im Jahr 2014 unklarer Genese. Fruchtbarkeitsstörungen und Aborte können auch genetische Ursachen haben mit auch erhöhtem Risiko bzgl. angeborener Krankheiten und Behinderungen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, das ohne vorherige genetische Untersuchung/Beratung die Kostenübernahme einer ICSI-Behandlung zu Lasten der Krankenkasse aus sozialmedizinischer Sicht nicht befürwortet wird.

Oha! Das ist eine andere Begründung als beim ersten Mal.

Natürlich weiß ich immer noch nicht genau, was nun mit genetischer Untersuchung gemeint ist, und finde es auch nicht unbedingt logisch, die Fehlgeburt in der 7. Woche (!) da so groß rauszuhängen, denn wieviel Prozent der Schwangerschaften gehen in den ersten 8 Wochen noch gleich verloren? 30%? Jedenfalls eine Menge, so viel weiß ich. Dennoch klingt das doch erst mal recht positiv, sofern man diese Untersuchung nachreicht. Ich habe meine Klinik direkt mal um Rückruf gebeten, um zu klären, was wir jetzt tun müssen.

Herr D. von der AOK war übrigens super. Freundlich, engagiert, verständnisvoll. Naja, kann er ja auch sein, er kann den schwarzen Peter ja dem MdK zuschieben. Aber er wirkte auf mich sehr ehrlich und positiv. Er sagte auch, er könne natürlich nicht garantieren, dass der MdK den Antrag nach Einreichen der geforderten Untersuchung genehmige. Dennoch war er ähnlich optimistisch wie ich. Natürlich immer vorausgesetzt, bei dieser ominösen Untersuchung – weiß jemand, was gemeint sein könnte?! – kommt nichts überraschendes raus!

14

Gedanken zu meinem 33. Geburtstag

Was ich mag:

Kleine Kinderärmchen, die sich um meinen Hals schlingen. Meinen Mann mit den Kindern interagieren sehen. Meinen Namen aus Kinderkehlen gerufen hören, weil ich dringend mitspielen soll. Oder neben ihnen sitzen. Oder einfach nur schauen, was sie tolles kreiert haben. Selbst gemalte Bilder geschenkt bekommen. Ein brabbelndes Baby auf dem Fußboden. Ein Baby, das lacht, wenn ich Grimassen schneide. Die Verkleidungsideen meiner Nichte. Meinen Neffen mit dem Lego spielen sehen, das unser Wohnzimmer bevölkert (ganz ohne Kinder). Sätze wie „Wenn ich bei euch bin, ist es NIIIIE langweilig!“ hören. Das Gewicht eines vierjährigen auf dem Schoß. Meinen Stiefvater sehen, wie er mit der Babynichte herumalbert und mit der großen Nichte spielt (beides nicht seine Enkel, da ich Einzelkind bin). Kinder, die lustige, altkluge, falsch verstandene Dinge sagen und alle zum Lachen bringen.

Was ich mag:

Ruhe. Die Tür hinter dem Besuch schließen und erst einmal durchatmen. Abends auf dem Sofa sitzen, ein Glas Wein in der Hand, den Mann neben mir, Pizza futtern und eine Folge Serie schauen. Durchschlafen. Ausschlafen. Freiheiten haben, spontan sein. Sagen „Frag deine Mama“ und nicht „Schuld“ sein, wenn die Antwort Nein ist. Verwöhnen dürfen. Geld für überflüssigen Kram ausgeben – für mich. Nicht an Schulzeiten gebunden sein. Keine „Kind-krank-Tage“ auf der Arbeit durchboxen müssen.

Was ich mich frage:

Will ich Eltern sein, will ich Mutter sein? Oder will ich niedliche Kinder um mich herum haben? Will ich keine kinderlose Frau sein, weil es irgendwie dazugehört im Leben, weil man sich sonst rechtfertigen muss, weil es in meinem Lebensplan einfach immer mit drin war, ohne groß darüber nachzudenken? Ist es unsere Gesellschaft und unser Bild von der perfekten Biografie, die mich automatisch zum jetzigen Punkt in meinem Leben geführt hat? Hat sich mein Kinderwunsch ganz einfach überlebt, wenn ich jetzt sage, ich könnte es mir auch ohne Kinder vorstellen? Oder rede ich mir im Gegenteil genau das ein?

Niedliche Kinder sind gar nicht immer niedlich. Niedliche Kinder schreien und übergeben sich und lassen dich nicht schlafen, sie fordern und fordern und fordern. Gibt das Kinderlächeln tatsächlich so viel zurück, oder ist das eine Lebenslüge, die Mütter (und Väter) sich selbst vorgaukeln, weil es ja nun mal irgendwie gehen muss?* Kann ich – möchte ich – mein Leben über Jahrzehnte hinweg so stark verändern? Ist mal als Mutter wirklich so sehr fremdbestimmt, wie es meine Filterbubble derzeit darstellt? Aktionen wie #Muttertagswunsch machen mir in erster Linie wahnsinnig Angst vor dem Eltern werden, lassen meinen Kinderwunsch lächerlich und vollkommen hirnrissig wirken. Wenn es nach Twitter geht, wird man von Kindern die ganze Nacht über wachgehalten, weil sie ins Bett brechen, tagsüber lebt man im Chaos, hat kein Geld, keine Energie, keine Zeit, die Kinder haben wahlweise keine Kontrolle über ihre Körperfunktionen oder ihre Buntstifte und machen alle Dinge kaputt, die dir lieb sind. Wenn sie in die Schule kommen, schlägt man sich mit Lehrern rum, mit Hausaufgaben, mit Elternabenden. Man hat niemals seine Ruhe und niemals frei. Und irgendwann – irgendwann werden niedliche Kinder dann Teenager, finden dich als Mutter einfach nur total doof. Und Teenager sind außerdem gruselig. Und treten im Rudel auf. Oh Gott. Gefühlsmäßig darf man bei dem ganzen übrigens wählen: Sorge, Schuldgefühle, Angst, Wut, Schuldgefühle wegen der Wut, noch mehr Sorge, oh und natürlich Erschöpfung. Wobei, die ist immer da.

Ich bekomme Kinderliebe. Es gibt Kinder in meinem Leben, die mich liebhaben und bei mir sein wollen und mich feste drücken und küssen. Und hinter denen ich die Tür zumachen kann, und mich mit dem Mann anschauen und erleichtert aufatmen kann, und dann essen wir Pizza, trinken Wein und haben Sex. Mit offener Schlafzimmertür. Reicht das nicht? Will ich das verändern? WIESO will ich das verändern?

Die Frage nach der Zukunft. Wenn ich keine Kinder habe, werde ich auch keine Enkelkinder haben. Das täte sicherlich weh, noch einmal der Schmerz, den ich heute schon erlebt habe, als um mich herum alle schwanger wurden. In dreißig Jahren noch einmal? Wäre das genauso? Würde ich bereuen? Tatsächlich sage ich oft, ich will die ICSIs noch machen, um mir hinterher nichts vorwerfen zu können. Um sagen zu können, dass ich alles versucht habe und es nun einmal nicht sein sollte. Aber wenn ich es nur noch so sehe und nicht mehr verzweifelt darauf hoffe, endlich schwanger zu werden – sollten wir dann vielleicht nicht das Geld einfach sparen? Denn ja, zwei ICSIs wären unser gesamtes Erspartes. Auch wenn meine Eltern etwas zuschießen wollen.

Ich denke, vieles hat damit zu tun, dass wir in unserem Leben immer auf die nächste „Stufe“ zuarbeiten. Irgendwas muss ja als nächstes kommen. Kleine Dinge wie der nächste Urlaub, Weihnachten oder ein Geburtstag; und natürlich die großen Meilensteine. Das fängt doch an, wenn man ein Kind ist. Man arbeitet auf ein Ziel hin. In meinem Falle: Abitur. Studium und ausziehen von zuhause. Der erste Job. Die erste eigene Wohnung. Der erste unbefristete Job. Zusammenziehen. Das Ende der Fernbeziehung. Der Antrag. Die Hochzeit. Und dann kommen Kinder. So ist es halt. Ich überlege jetzt schon, das ich denn „stattdessen“ machen werde, wenn keine Kinder kommen. Dabei lebe ich doch gut vor mich hin. Was soll mein nächstes Ziel sein, wenn ich keine Kinder bekomme? Die Rente? Ein Hund? Ein Jobwechsel? Brauche ich ein Ziel? Wie lebt man ohne Ziel? Geht es nicht ohne?

 

 

* Und wenn es eine Lebenslüge ist, möchte ich die jeder Mutter und jedem Vater von Herzen gönnen und gar nichts, aber auch wirklich gar nichts verurteilen oder schlechtmachen. Man kann das nun einmal unmöglich objektiv beurteilen.

4

Relaxed bis zum Anschlag.

6 Wochen – die Hälfte der Wartezeit auf die Krankenkassen-Reaktion bezüglich des Widerspruchs ist geschafft. Drei Monate haben sie ja Zeit. Wobei ich hier auch unterschiedliche (quasi widersprüchliche, höhö) Informationen zu gefunden habe. Ich denke, in ca. 2 Wochen werde ich mal nachhaken… Seufz.

Erstaunlicherweise ist das Thema Kinderwunsch bei mir derzeit ganz weit weg. Ich denke kaum daran, und wenn doch, ohne große Gefühlsregungen (WTF?!), sondern eher geschäftlich (Fristen, Anträge, Finanzen…), wenn das das richtige Wort ist. Neulich hat ein Kind im Park etwas niedliches gemacht, da musste ich lächeln. So wie früher. Ganz ohne das Pieksen, was sonst immer dazukam. Einfach nur der Gedanke „Oh wie süß“, nicht „Oh wie süß, ich will auch“. Wann und wie ist das passiert? Ich weiß es nicht.

Tatsächlich wünsche ich mir hauptsächlich, die Sache wäre endlich durch. So oder so. Ich stehe dem Kinderwunsch Tag für Tag etwas ambivalenter entgegen – zum einen tun Eltern mir oft Leid (derzeit ist ja mit der Aktion #Muttertagswunsch zumindest auf Twitter in aller Munde, was so schiefläuft), andererseits gehen sie mir auch gerne mal auf den Keks, weil sie sich doch teilweise manchmal sehr wichtig zu nehmen scheinen. Da will ich gar niemandem auf den Schlips treten, aber auch hier gerade wieder zum Muttertag: Wenn ich noch einmal „Nur eine Mutter weiß, was es bedeutet…“ lese, platzt mir die Hutschnur. (Was ist eine Hutschnur überhaupt, und wieso kann die platzen?)

Ich fürchte, hier bin ich etwas überempfindlich, denn natürlich leisten Mütter viel und haben eine anstrengende Aufgabe (Väter sollten im übrigen allerdings genau die gleichen Aufgaben haben, aber das nur am Rande, ist ein anderes Thema). Aber einfach dieses „Nur Mütter“-Mimimi. Mutter werden ist keine Leistung, sondern beruht halt zu großen Teilen auf Zufällen, die man schwer beeinflussen kann. Und dass es dann jede so gut macht, wie sie kann, sollte selbstverständlich sein. Ach ich weiß nicht. Wahrscheinlich spricht hier einfach doch wieder der unterschwellige Neid aus mir.

Wie dem auch sei, ich kann mir mittlerweile beide Varianten gut vorstellen, und die Variante MIT Kind macht mir mindestens genauso viel Angst wie die ohne, vielleicht sogar noch mehr. Dann würde schließlich alles anders! Aber ich würde es gern abschließen, im Falle des Falles, dass es nicht klappt, möchte ich nämlich Dinge tun, die jetzt gerade warten. Den Beruf wechseln zum Beispiel. Einen Hund anschaffen. Mir ein abschließendes Tattoo-Motiv überlegen, um das Thema abzuschließen.

Naja, ansonsten ist wie gesagt nicht viel los. Aber wir haben die Rechnung für die erste IVF jetzt bekommen (die war im November!!). Rund 2.000 Euro stehen drauf, davon müsste die Krankenkasse noch die Hälfte übernehmen (die übernimmt ja 75%). Also tausend Euro für nüschts. Kann ich mit leben. Die Rechnung kann ich hier ja vielleicht noch mal teilen. Zum Vergleich und als Recherchemöglichkeit für andere. Ich hätte mich gefreut, so was mal zu finden, bevor es bei uns losging.

Aber Mann, ich bin so relaxed momentan! Die Therapeutin hat mir das auch bestätigt. Ich darf erst in zwei Monaten wiederkommen. 😉 Mich bringt wenig aus der Ruhe und ich hatte schon lange keinen „schlechten Tag“ mehr. Tatsächlich fühle ich mich „in mir ruhender“ als lange zuvor. Verrückt. Aber sehr angenehm.

0

Mai.

Das erste Quartal des Jahres 2017 ist abgehakt. In meinem Plan für dieses Jahr hätten wir jetzt die erste ICSI schon längst hinter uns, die zweite wäre – sofern notwendig – in Arbeit oder stünde zumindest kurz davor.

Stattdessen haben wir am Wochenende endlich die Rechnung für unsere erste IVF bekommen – die im November stattfand. Rund 2.000 Euro stehen darauf, die Hälfte davon sollte unsere Krankenkasse übernehmen (da sie ja insgesamt 75% übernehmen). Bei Interesse kann ich die Rechnung mal hochladen für alle, denen die erste IVF noch bevorsteht? 🙂

Tja, aber zurück zur ICSI. Wie Sie wissen, wissen wir nichts. Ich finde es unglaublich, dass wirklich schon vier Monate vergangen sind mit diesem ganzen Kladderadatsch. In diesen vier Monaten habe ich zwei Emails an die Klinik und zwei Briefe an die Krankenkasse geschrieben – der Rest bestand aus Warten. Wir werden wirklich Weltmeister im Warten. Zwischen dem Warten kamen noch ein paar Anrufe, um nachzufragen, ob es schon ein Ergebnis gibt. Beim Widerspruch spare ich mir das. Den sollen sie mal lieber in aller Ruhe bearbeiten, statt in einer genervten Stimmung, weil Frau Wundersache schon wieder angerufen hat. 😉 Ich hoffe nur so sehr, dass sie ihre Wartezeit von drei Monaten nicht völlig ausschöpfen. Es ist nämlich erst ein Monat rum. Das kann ich mir ganz gut merken, da wir den Widerspruch am 1. April verfasst haben und ich dann im Anschreiben lieber den 2. April draus gemacht habe, damit es nicht komisch wirkt. 😀

Die drei Monate wären somit Anfang Juli vorbei. ANFANG JULI! LEUTE!!!! Das geht gar nicht. Dann hat es echt ein halbes Jahr gedauert, in dem ü-ber-haupt nichts passiert ist, und zu 95% kriegen wir ja sowieso eine Absage der Kasse. Pfff! Aber ich weiß auch nicht so richtig, was wir in der Zwischenzeit machen können. Vielleicht frage ich noch mal bei der Klinik nach, ob sie einen Vorschlag haben, wie wir die Wartezeit sinnig nutzen können – andererseits denke ich mir ja auch, wenn es noch Untersuchungen/Behandlungen/Whatever gäbe, die die Klinik als notwendig ansieht, hätten sie die ja schon längst gemacht.

Also. Abwarten, Tee trinken, Ablenken.