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Erste ICSI in GIFs: Nasenspray, Gefühlsachterbahn und Langeweile

Hier ist ja echt tote Hose. Sorry, ich wollte viel öfter geschrieben haben. Ein Thema, das sich nicht akut auf die ICSI bezieht, habe ich sogar noch in der Hinterhand. Aber dann vergesse ich es jedes Mal wieder. Denn hier sieht es momentan ungefähr so aus:

Sprich: Es herrscht Langeweile an der Kinderwunschfront. Was gut ist! Es ist gut, denn ich beschäftige mich kaum mit dem Thema, gedanklich. Die Therapeutin (ich habe noch 3-4 Sitzungen offen) und ich haben gestern festgestellt, wie gut alles momentan läuft. Das ist wunderbar! Aber natürlich führt es dann dazu, dass ich hier weniger schreibe. 😉

Nichtsdestotrotz fand ich den Vorschlag, die ICSI in GIFs zu begleiten, sehr charmant und werde das auch mal versuchen.

Vor mittlerweile einer Woche habe ich nun also mit dem Synarela Nasenspray angefangen. Ich hatte mich ja richtig davor gefürchtet, da es letztes Mal so eine Katastrophe war. Wir erinnern uns:

Dieses Mal? Die Nebenwirkungen bestehen darin, dass ich nach Einnahme des Sprays kurz (also wirklich kurz, vielleicht drei Minuten lang?) Kopfschmerzen habe. Kein Schnupfen, ab und zu schniefe ich ein bisschen, aber gar kein Vergleich zum letzten Mal. Ich bin begeistert!

Eine andere Nebenwirkung hat mich dann doch etwas erwischt, und die steht genau wie der Schnupfen in der Packungsbeilage unter dem Label „sehr häufig“. Sie ist allerdings etwas schwieriger festzunageln, denn es sind Stimmungsschwankungen.

Teilweise hatte ich das beim letzten Mal auch schon, ich bin dann halt recht emotional und fange insbesondere bei guten Nachrichten wahnsinnig schnell an zu weinen. Also zum Beispiel, wenn den Schweinen ein Fenster in den Stall eingebaut wird und die Ferkel somit nun nach draußen schauen können. Schnüff, schnüff, so schön, heul!

Allerdings finde ich es oft schwer zu entscheiden, ob ich jetzt gerade eine medikamentenbedingte Stimmungsschwankung habe oder ob ich halt nun einmal so bin. Mein Mann sieht das aber anders und schiebt momentan alles darauf. Was zugegebenermaßen manchmal sehr komfortabel sein kann. Zum Beispiel, wenn wir uns mal wieder wegen irgendwelcher Kleinigkeiten anzicken, und er plötzlich sagt: „Oh. Entschuldige. Ich hab ganz vergessen, dass du ja die Medikamente nimmst. Tut mir Leid, ich habe überreagiert.“ Es ist vermutlich also nicht hundertprozentig richtig, aber: I’ll take it. 😀

Irgendwelche Vorteile muss man von dem ganzen Driss ja auch haben, und sei es nur, dass der Ehemann sich mal entschuldigt, auch wenn man vielleicht selbst nicht so die perfekte Ehefrau war. Hüstel.

Wie dem auch sei, ich sprühe also fleißig Nasenspray und sonst nichts weiter, aber am Montag geht es weiter. Dann darf ich in die Klinik zum Ultraschall und zur Blutabnahme, und dann geht es wohl auch mit dem Spritzen los. Und dann sind es plötzlich nur noch zwei Wochen bis zum spannenden Teil, uaaaah!

Stay tuned! Nächstes Mal suche ich nach Spritzen-GIFs und hab jetzt schon etwas Angst davor. 😉 Bis dahin:

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Erste ICSI: Termine, Organisation, Gefühle in GIFs und all so etwas.

In den letzten Tagen – Wochen? – habe ich mich eher zurückgehalten. Mein letzter Beitrag war schon über die Kinderwunschklinik und wie genervt ich war. Da hatte ich also keine News, außer: Sie haben sich noch ein paar organisatorische Klöpse geleistet, und ich werde dennoch die Klinik nicht wechseln (sagt es also gar nicht erst), aber nach jeden Kontakt sah ich wieder ungefähr so aus:

Gestern hatte ich dann endlich Post von ihnen und die ließ mich in etwa so zurück, nachdem ich den Brief gelesen hatte:

Aber nun denn, ich habe es überstanden. Jetzt, nur einen Anruf später, habe ich alle Infos, die ich soweit brauche. Der Zeitplan sieht vor, dass ich am Montag mit dem Nasenspray anfange (ich freue mich schon so… NICHT! Synarela ist des Teufels!) und am 13.11. zum ersten Ultraschall in die Klinik kommen darf. Wenn alles so läuft wie letztes Mal, wäre dann also Ende November die Punktion.

Passt so… mittel in den Kram. Der Gatte beklagt sich, er hat wenige Tage vorher einen Abteilungsausflug und will eigentlich Alkohol trinken. Ich denke mir „Reiß dich zusammen und schluck diese eine Kröte“, denn irgendwie passt es ja immer nicht so richtig. Ich persönlich habe eine Fahrt zur besten Freundin in der Zeit geplant und schon ein Zugticket gekauft – wenn alles GENAU SO läuft wie beim letzten Mal, klappt das, aber falls es einen Tick schneller geht, wird es schwierig. Na mal sehen. Ich gucke mir alles momentan eigentlich nur so an und lasse es geschehen:

Ich bin nicht aufgeregt, ich habe keine Hoffnungen, ich habe so gar nicht besonders viele Gefühle. Ich weiß nicht, ob ich mir wirklich noch eine Schwangerschaft erhoffe oder ob ich das halt jetzt so durchlaufen lasse, weil man es eben bis zum Ende durchzieht. Was ich weiß ist, dass ich seit dem genehmigten Behandlungsplan wieder depressive Symptome habe, zum Glück nicht sehr oft, aber diese Tage sind schwierig. Letzten Endes ist diese ganze Sache mit dem Leben einfach wahnsinnig anstrengend und viel zu viel Arbeit. Keine Ahnung, ob es das Wert ist. Und fangt mir gar nicht erst an mit den Gedanken, die ich mir mache für den Fall, dass die Behandlung klappen sollte. Das wird eine Katastrophe. Alles ist eine Katastrophe.

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Orrrrrr.

Boah. Ich habe es ja auch erst gefühlte zwei Milliarden Mal hier erwähnt, aber mir geht die Organisation unserer Klinik sooo auf den Senkel! Das muss ich gerade mal hier rauslassen.

Man kann ihnen Emails schreiben oder dort anrufen. Da ich gern Dokumente per Mail sende und man beim Anrufen auch beizeiten nur schlecht durchkommt, maile ich gern. Das Problem ist, dass sie bei Emails unfassbar unorganisiert und unempathisch antworten.

Schreibe ich also eine Email, in der steht:

„Hallo, wir möchten mit der ICSI anfangen, welche Werte brauchen Sie noch neu von mir, wie alt dürfen die Ergebnisse sein, und benötigen Sie auch noch irgendwas von meinem Mann?“

Dann lautet die Antwort:

„Hallo, wir benötigen von Ihnen noch TSH, Krebsvorsorge und einen HIV-/Hepatitis-Test. MfG, Ihre Klinik“

Das wiederum führt dann natürlich zu drei Nachfrage-Emails, einfach stumpf, weil sie nicht konzentriert antworten. Das unterstelle ich jedenfalls. Die Info, dass die Werte maximal ein Jahr alt sein dürfen, hätte man durchaus in die Email reinpacken können, ohne groß irgendwas nachgucken zu müssen. Im Prinzip wusste ja sogar ICH das schon, und die werden das erst Recht aus dem Effeff wissen. Und dass sie wegen meines Mannes nachgucken müssen, ist ja auch nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Jedenfalls dachte ich, dieses Mal bin ich schlauer und rufe an. Da sind sie immer superfreundlich, bemüht, haben alle Zeit der Welt und sind empathisch und hilfreich. Ist halt nur immer schwierig, weil ich ja während meiner Arbeitszeit anrufen muss. Tja, schade, dass dieses Mal die Mitarbeiterin nur 2 meiner 3 Fragen beantworten konnte. „Schreiben Sie doch dazu bitte eine Email…“ 😉 Mir war schon klar, dass das nur so halbwegs funktioniert. Da kann ich noch so detailliert nachfragen! Das regt mich tiiiierisch auf, dass man ihnen alles aus der Nase ziehen muss!

Momentan: Die Krebsvorsorge (sollte von meiner FA-Praxis gefaxt werden) fehlte noch, sonst war alles da. Ich habe dann heute noch mal nachgehakt, ob das Fax jetzt da war, sonst hätte ich noch mal in der Paxis gefragt. Ja, das Fax ist angekommen. Punkt Ende Aus. Mehr Infos gibt es nicht. Ich kann mir jetzt natürlich denken, dass ich jetzt das Pillenrezept vermutlich per Post bekomme. Und dann vermute ich, dass ich die Pille im nächsten Zyklus nehme (keine Ahnung, ab dem wie vielten Tag – ab dem ersten? später?). Aber ey. DREI SÄTZE DAZUSCHREIBEN, wie es weitergeht, kann ja wohl nicht so schwer sein.

Ich muss im Beruf auch Kunden schreiben, und wenn der Kunde eine Frage hat, beantworte ich die und schreibe dazu, wie es jetzt weitergeht. (Ist meine Zahlung angekommen? – Ja, die Bestellung wird dann und dann versendet, Sie können dann und dann mit der Lieferung rechnen. Ich schreibe nicht einfach nur JA IST ANGEKOMMEN MFG!) Kundenservice, ey!

Tja. Mal sehen, ob das Rezept in den nächsten Tagen in meinem Briefkasten liegt (oder in welchem Briefkasten auch immer es dieses Mal landet). Dann rufe ich noch mal da an und hole mir ganz genaue Baby-Schritt-für-Schritt-Anweisungen ab. Vielleicht hab ich mich bis dahin etwas abgeregt.

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Es geht voran.

Langsam, aber sicher bewegen wir uns nun tatsächlich auf unsere erste ICSI zu. Ist das zu fassen? Der genehmigte Behandlungsplan von der Krankenkasse war letzte Woche im Briefkasten. Da ich ja schon wusste, was darin steht, habe ich den Brief erst einmal gar nicht aufgemacht, weil ich es eilig hatte. Am nächsten Tag bin ich dann endlich dazu gekommen, öffnete den Umschlag, überflog den Brief und rief – in Anwesenheit eines Freundes, der zu Besuch war – nur ein lautes „Alter!“ aus. Da stand dort doch tatsächlich folgendes:

Insgesamt übernehmen wir bis zu 100% der Gesamtkosten.

Woah! Glücklicherweise war unser Freund in die ganze Geschichte bereits eingeweiht, so dass ich direkt lossprudeln konnte. Eine kurze Zusammenfassung unserer Krankenkassen-Geschichte: Ursprünglich sind wir Mitglied dort geworden, da sie 100% für 3 Behandlungen übernommen hätten. Als es bei uns dann allerdings endlich losging, war in der Zwischenzeit die Satzung geändert worden und es waren nur noch 75%! Ich handelte dennoch 100% für unsere IUIs aus, die sich allerdings ja finanziell stark im Rahmen halten (die Rechnungen, die ich an die Krankenkasse weiterleitete, betrugen hier insgesamt nur um die 100-200 Euro). Bei der IVF waren es dann 75%, die übernommen wurden. Somit mussten wir ungefähr 700 Euro selber tragen. Und bei der ICSI ist es ja noch mal eine Nummer teurer, denke ich. Ich weiß nicht, weshalb hier nun 100% steht, aber ich freue mich natürlich und hoffe, es ist kein Fehler. Und wenn es einer ist, hoffe ich, dass sie ihn nicht zurücknehmen können. 😀

Ansonsten bin ich soweit startklar: TSH-Wert im Rahmen, HIV- und Hepatitis-Werte eingeholt (natürlich negativ), Krebsvorsorge rüberfaxen lassen. Mein Mann hat noch einen Termin in der Andrologie, der erst in 14 Tagen ist, aber ich kann hoffentlich schon vorher mit der Pille anfangen (mein Zyklus sollte in ca. anderthalb Wochen beginnen), um nicht noch mehr Zeit zu verschenken. Und dann? Geht’s los ins große Abenteuer!

Alle Zweifel und Überlegungen habe ich erst einmal beiseite geschoben. Ich bin bereit! Ich bin aufgeregt! Ich bin optimistisch!

Mit dem Erzählen bin ich dieses Mal irgendwie ganz komisch. Freunden, mit denen ich nicht sooo eng befreundet bin, habe ich es erzählt. Aber der Familie und den besten Freunden nicht. Ich weiß nicht, ob ich ihre Hoffnungen nicht so doll wecken möchte oder ob ich nicht so viel darüber reden möchte und lieber meine Ruhe habe. Wenn mein Mann es erzählen will, darf er das auch ruhig tun. Aber ich bin ganz froh, dass kein Gewese drum gemacht wird irgendwie. Erzählen werden wir es schon früh genug. Ich glaube nicht, dass wir es durchhalten, komplett nichts zu sagen und quasi erst eine Schwangerschaft bekanntzugeben. Das wird sehr viel früher erzählt werden. 🙂

Geht’s jetzt endlich los? (Anderthalb Wochen erscheinen mir jetzt wie eine Ewigkeit. Es wird auch nicht besser mit der Geduld, egal wie viel man schon gewartet hat, oder? 😀 )

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Organisieren, planen, vorbereiten.

Heute ist Montag. Donnerstag habe ich die Info bekommen, dass die ICSI genehmigt ist. Seither bin ich beschäftigt.

Die Kinderwunschklinik teilte mir mit, welche Werte sie benötigen: TSH, Krebsvorsorge, HIV, Hepatitis B und C. TSH und Krebsvorsorge habe ich noch im Januar gemacht, die anderen brauchte ich neu. Also war ich heute früh beim Hausarzt zur Blutabnahme. Prompt hat die Dame dort vergessen, mich für diese Igel-Leistung (ja ich weiß, dass das sprachlich doppelt gemoppelt ist) unterschreiben zu lassen, also muss ich noch mal hin. Dann muss ich noch zum Frauenarzt fahren, eine Überweisung und die Werte der Krebsvorsorge holen (das mache ich aber wohl erst im Oktober, sonst ist die Überweisung etwas überflüssig).

Mein Mann benötigt ein neues Spermiogramm, dafür hat er aber erst am 12. Oktober einen Termin bekommen.

Und ich? Bin gestresst hoch zehn, weil ich dauernd an alles denken muss. Dabei ist es objektiv betrachtet gar nicht so viel.

Aber auch die mangelnde Planbarkeit lässt meinen Blutdruck hochschnellen. Wann geht’s genau los, wie geht’s los, passt das alles mit meinem Kurztrip im November, mit dem Urlaub des Kollegen? Ich hätte gern jetzt schon feste Daten, obwohl ich weiß, dass das nicht geht.

Ich bin nicht, wie sonst oft, voller Tatendrang und Motivation, die Punkte auf der Liste abzuhaken, sondern fühle mich völlig erschlagen. Dabei sollte ich doch froh sein, dass es jetzt weitergeht. Jedenfalls merke ich ziemlich gut, dass das Kinderwunsch-Thema mich stark belastet. Und damit meine ich nicht den Kinderwunsch an sich, sondern das ganze Drumherum. Ich werde, ganz ungeachtet des Ergebnisses, SO unfassbar froh sein, wenn der Zirkus ein Ende hat.

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Und? Wann kommt der Nachwuchs? – Kinderlosigkeit in der Gesellschaft

Heute spülte mir Facebook einen Artikel aus der Zeit in die Timeline: „Warum gilt es als Abweichung, dass ich keine Kinder habe?“* Darin wird Frau Schehl, eine 44jährige Unternehmerin, interviewt, die keine Kinder hat – und auch nie welche wollte.  Damit unterscheidet sich, obwohl nach außen hin ähnlich, ihre Situation stark von der, in der wir in unserer kleinen Kinderwunsch-Filterblase hier stecken. Dennoch denke ich, dass man von außen durchaus ähnlich wahrgenommen wird, zumal viele von uns nicht öffentlich über die konkreten Gründe ihrer Kinderlosigkeit sprechen. Tabus und so… Daher lese ich solche Artikel eigentlich immer gern – es ist interessant, über ein kinderfreies Leben zu lesen, macht mir teilweise Mut und natürlich finde ich es auch wichtig, das Thema in den Medien präsent zu haben und zu zeigen, dass es eben nicht nur das Leben mit Kindern gibt.

Natürlich ist es dabei nicht unwichtig, zwischen gewollter und ungewollter Kinderlosigkeit zu unterscheiden. Letzten Endes leiden wir alle unter der Gesellschaft und ihren Fragen und Erwartungen. Auf der einen Seite die, die wollen, aber nicht können; meist bekommen wir Verständnis, wenn wir das „offenlegen“, aber auch jede Menge überflüssiger Ratschläge, Unterstellungen, Halbwissen und – das mag ich persönlich auch nicht wirklich gern – Mitleid („Du Arme, das könnte ich nicht“). Die gewollt Kinderlosen bekommen hingegen Vorwürfe (Egoismus, Karriere-Geilheit, und natürlich die Unterstellung, dass sie es sich sicherlich noch anders überlegen werden, sofern sie noch jung genug sind). Beiden Gruppen gleich die Erfahrung: Nicht mitreden zu können und immer wieder zu hören „Das versteht man nur, wenn man Kinder hat“, „Dazu kannst du nichts sagen“ bzw. in seiner Meinung nicht ernst genommen werden (dazu hat Helge mal einen tollen Post geschrieben), „So eine Liebe können nur Eltern fühlen“, „Erst mit Kindern ist das Leben komplett“ oder auch „Ohne Kinder bist du keine richtige Frau“ (WTF?!). Die Haustiere werden als Kinder-Ersatz betrachtet (als ob Eltern mit Kindern keine Tiere hätten?) und das wird lächerlich gemacht; und selbstverständlich ist man als Paar ohne Kinder auch niemals eine Familie, sondern immer nur ein Paar.

Besonders schön finde ich das Zitat aus diesem Artikel (aus der Huffington Post, leider schlecht übersetzt), in dem es um Dinge geht, die kinderlose Frauen – egal aus welchem Grund – Menschen mit Kindern sagen möchten:

Wenn ich herausfinde, dass jemand Kinder hat, frage ich auch nicht ‚Warum?‘

Ich glaube, das probiere ich beim nächsten Mal aus. Wenn jemand fragt, warum ich keine Kinder habe, frage ich zurück: „Und? Warum hast du welche?“ Das wird nämlich nie in Frage gestellt. Dass Frauen Kinder wollen (und haben!), ist der Normalzustand. So ein Blödsinn. Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass kein Kinderwunsch so sehr durchdacht ist wie der unerfüllte. Die Frau, die keine Kinder möchte, hat sicherlich darüber nachgedacht und sich bewusst entschieden – schließlich wird sie, siehe oben, oft genug damit konfrontiert. Die Frau, die Kinder möchte, aber nicht „automatisch“ bekommt, wird ebenfalls darüber nachgedacht haben. Wie oft lese ich, wie wir uns mit Entscheidungen herumquälen. Noch eine Behandlung oder nicht? Adoption oder nicht? Wohingegen viele Menschen Kinder bekommen, „weil es halt dazugehört“. Und ohne groß einen Grund dafür zu haben. Müssen die sich rechtfertigen? Nein. (Ab einer bestimmten Anzahl Kinder dann doch wieder… Aber das ist eine andere Geschichte.)

Immerhin: Es gibt auch Gebiete, wo mich niemand aufs Thema Kinder anspricht. Im Büro zum Beispiel. Hier habe ich exakt eine Kollegin, die Kinder hat. Die übrigen 5 im Team sind ebenfalls kinderlos. Männer wie Frauen, jüngere wie ältere Menschen. Die Gründe dafür kenne ich nicht – ich würde auch niemals danach fragen. Dafür würde ich auch nie von der Kinderwunschbehandlung erzählen, solange diese nicht abgeschlossen ist. Schließlich gehört das Kinderkriegen in der Gesellschaft dazu – außer beim Arbeitgeber, wo es nicht gern gesehen wird und man diesbezügliche Planungen lieber geheimhält, bis es geklappt hat. Schon irgendwie schizophren, oder?


* Kleiner Disclaimer: Beinahe hätte ich den Artikel nicht zu Ende gelesen, nämlich als ich an diesem Satz vorbeikam, den ich sehr verletztend formuliert fand: „Ja, du bist gerührt, dir gibt das was, aber du setzt dich dann wieder hin und führst eine Unterhaltung weiter, du bist nicht bitter und rennst in eine Hormontherapie.“ Muss man jetzt echt die beiden Arten von Kinderlosigkeit gegeneinander ausspielen? Wir sind nicht alle verbittert und „rennen in eine Hormontherapie“, WTF?

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Oh. Mein. Gott.

Nachmittags im Büro schaue ich aufs Handy: ein verpasster Anruf. Die AOK, Herr D. Ich habe ihn mittlerweile mit Vor- und Nachnamen im Handy gespeichert. Eigentlich will ich zurückrufen, aber da macht mein Körper merkwürdige Dinge: Er verfällt in Panik. Mein Bauch kribbelt, meine Knie sind zittrig, mir ist schlecht. Ich habe astreines, einwandfreies Original-Lampenfieber, als müsste ich gleich vor tausend Menschen sprechen, hätte ein Bewerbungsgespräch, oder wäre zum Chef zitiert worden, der mich feuern will. Ich bin unfassbar nervös. Ähm. Was ist denn hier los? Mein Post darüber, wie distanziert, cool, entspannt ich bin, ist doch erst ein paar Tage her.

Aber okay, ich war also aufgeregt, aber ich habe natürlich trotzdem zurückgerufen. Herr D. holte weit aus. Er erzählte und erzählte und erzählte, und irgendwann sagte er, er hätte jetzt das Gutachten zugefaxt bekommen, und dann erzählte und erzählte und erzählte er weiter und da wusste ich eigentlich schon (man kennt sich inzwischen ja auch ein bisschen): Es ist genehmigt. Sonst hätte er das nicht so spannend gemacht, sondern etwas empathischer vermittelt. Guter Typ, der Herr D.! 🙂 Er war fast genauso aufgeregt wie ich und meinte: „Als das Fax hier ankam, war das wie früher, wenn man eine Klassenarbeit zurückbekommen hat und nicht wusste, wie das Ergebnis ist. Und ich habe vor dem Gerät gestanden und war so aufgeregt, dass meine Kollegen mich schon fast ausgelacht hätten.“ 😉 Süß!

Also, nach neun Monaten nun die offizielle Ansage der AOK und vor allem halt des MdK: Es werden ZWEI ICSI-BEHANDLUNGEN GENEHMIGT!!! Ich bin gespannt, ob sie zu 50% oder zu 75% übernommen werden, aber heute ist mir das erst einmal völlig wurscht.

Wir hatten natürlich das riesige Glück, dass mitten während unseres Widerspruchs die Richtlinien der Krankenkasse geändert wurden. Aber hey, wir versuchen seit einem halben Jahrzehnt (WTF?!), ein Kind zu bekommen. Da kann man auch mal Glück haben!

Ich bin jetzt sehr aufgeregt, erzähle es allen Menschen, die mir einfallen (VIELLEICHT habe ich sogar meiner Therapeutin eine aufgeregte Email geschrieben, aber das würde ich natürlich nie zugeben), habe mittlerweile aufgehört, zu weinen und zu hyperventilieren und mit den Händen zu flattern, aber hibbelig bin ich immer noch extremst und auf die Arbeit konzentriere ich mich heute sicherlich nicht mehr.

Schon fliegen meine Gedanken zu organisatorischen Themen: Wann kann es losgehen (frühstens in drei Wochen geht mein nächster Zyklus los, dann einen Pillen-Zyklus, ach ach ach, ICSI dauert ja vermutlich ebenso lang wie die IVF, also gefühlte E-wig-kei-ten), was liegt in der Zeit an (zu viel! Gestern erst habe ich die Bahntickets für den Besuch bei einer Freundin gekauft, mein Kollege hat bald Urlaub, so dass ich morgens früher im Büro sein muss, was den morgendlichen Klinikbesuchen im Weg stünde, ach ach ach, ich rotiere schon wieder), was muss ich jetzt tun (der Klinik schreiben, das war’s erst einmal denke ich)…

Jetzt muss ich mir noch klarmachen, dass eine genehmigte ICSI bei weitem nicht bedeutet, dass wir quasi schon ein Kind in den Armen halten. Der Weg ist noch lang. Und er kann immer noch so enden, dass sich letzten Endes für uns gar nichts ändert. Und das wäre auch okay. Aber vielleicht ändert sich alles. Und das wäre auch okay. Mehr als okay.